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Mercedes-Prozess Zwischenbilanz 2

Mercedes-Anwalt nimmt Ferrari ins Visier

Mercedes - Formel 1 - GP Kanada - 7. Juni 2013 Foto: ams 18 Bilder

Nach der Verlesung der Anklageschrift bei Prozess vor dem internationalen Sportgericht in Paris am Donnerstag (20.6.203) um den vermeintlichen illegalen Reifentest hat Mercedes-Anwalt Paul Harris scharf zurückgefeuert. Seiner Meinung wurden weder Artikel 22.4 noch Paragraf 1.5.1. verletzt. Stattdessen bezichtigt er die FIA mit verschiedenen Maßstäben zu messen. Ferrari sei für einen ähnlichen Vorfall mit gravierenderen Details noch nicht einmal angeklagt worden.

20.06.2013 Michael Schmidt

Mercedes-Anwalt Paul Harris ist bekannt als Scharfmacher. Der Engländer widerspricht der FIA-Klage in allen Punkten. Es geht gleich richtig heiß los. Er wirft der FIA vor, falsche Anschuldigungen vorzubringen. Zunächst etwas Grundsätzliches: Es habe sich hier um einen Test von Pirelli und nicht von Mercedes gehandelt. Pirelli habe die Rennstrecke gebucht, bezahlt und sämtliche Testpläne erstellt. Ein Bespiel: "Mercedes wurde aufgefordert, absichtlich Bremsplatten zu produzieren, um die Folgen in Bezug auf die Delaminierung festzustellen." Welchen weiteren Zweck oder Zwecke dieser Test gehabt hat, ist laut Harris irrelevant: "Es mögen drei oder vier Testziele gewesen sein. Und natürlich wurden Telemetriedaten ermittelt, sonst wäre der Test für Pirelli ja sinnlos gewesen. Tatsache ist, dass Pirelli der Organisator war. Sie sind in unserem Fall mit den Daten genauso umgegangen wie sie das bei den Probefahrten mit ihrem eigenen Testauto umgehen. Auch bei den beiden Ferrari-Reifentests 2012 und 2013 wurden Daten gesammelt."

Test ist nicht gleich Test

Das führt Harris zum entscheidenden Punkt, der Mercedes vom Vorwurf freisprechen soll, Artikel 22 verletzt zu haben. In Artikel 1 des Sportgesetzes ist das Wort "Test" definiert. Es bezieht sich dabei ausschließlich auf Fahrten auf einer Rennstrecke, die von einem Bewerber durchgeführt werden. In Paragraf 4.2 des Vertrages der FIA mit Pirelli ist ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Reifentestfahrten vom Reifenhersteller durchgeführt werden, nichts mit dem Team das diesen Test durchführt hat, zu tun haben, und deshalb auch nicht Artikel 22.4,h unterliegen.

Selbst FIA-Rennleiter Charlie Whiting habe in einer Mail darauf hingewiesen, dass besagter Test nicht von einem Bewerber durchgeführt worden sei. Wenn dabei verlangt wird, dass anderen Teams die gleiche Möglichkeit eingeräumt werden müssten, dann liege das allein in der Veranstaltung des Veranstalters, also Pirelli. "Mercedes hat damit nichts zu tun. Wir wurden eingeladen, an diesem Reifentest teilzunehmen. Damit sind wir nicht mehr und nicht weniger als ein Ausrüster, der ein Auto bereitstellt."

Mercedes hat keinen Vorteil aus dem Reifen-Test gezogen

Paul Harris widerspricht der Annahme, dass sich Mercedes einen unfairen Vorteil verschafft habe. "Es war ein Test mit für uns anonymen Reifen. Es war nur von unterschiedlichen Optionen die Rede, deren Spezifikation im Dunklen blieb. Wenn behauptet wird, wir könnten aus den Ergebnissen einen Nutzen ziehen, dann stimmt dies nicht." Harris nennt ein Beispiel. Pirelli hat Mercedes den Auftrag gegeben, bereits gebrauchte Reifen umzustecken, von vorne nach hinten, von links nach rechts. "Um etwas daraus zu lernen, müssten wir wissen, wann welche Reifen im Einsatz waren. Darüber haben wir keine Informationen erhalten." Interessanterweise hatte Red Bull ein Dossier eingereicht, dass zeigen soll, welche Vorteile Mercedes aus 1.000 Testkilometern ziehen konnte. Zum Beispiel in Bezug auf die Standfestigkeit des Autos. Ross Brawn erwidert, dass die Anzahl von Testkilometern nicht im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit des Autos stehe. "Dafür gibt es heute andere Verfahren und Methoden."

Warum kommt Ferrari ungestraft davon? 

Dann kommt Harris zu dem Punkt der Vorteilsnahme. "Wenn man uns vorwirft, einen Vorteil erlangt zu haben, dann muss das gleiche für Ferrari gelten, die gleich zwei Mal über 1.000 Kilometer getestet haben, in einem Fall mit Felipe Massa, die vor dem GP Spanien auf die Rennstrecke durften und nicht danach, und die ihr eigenes Testprogramm mit eingebracht haben." Der Einwurf, dass Ferrari den Test mit einem 2011er Auto durchgeführt habe, zieht bei Harris nicht. "Wir reden hier nicht über Artikel 22.4,h, sondern über den Punkt des unfairen Vorteils. Die Rundenzeiten des 2011er und 2013er Ferrari in Barcelona liegen nur eine halbe Sekunde auseinander. Wenn man uns vorwirft, etwas aus dem Test gelernt zu haben, muss man das auch bei Ferrari tun."

Ferrari hatte ebenso wie Mercedes angefragt, ob der Test erlaubt sei und gleichermaßen eine positive Antwort bekommen. In diesem Fall nicht von Charlie Whiting, sondern von Generalsekretär Pierre de Coninck. Ferrari habe es darüber hinaus ebenso unterlassen, die anderen Teams über die Testfahrten zu informieren, über den Ort oder die eingesetzten Fahrer oder sie an den Ergebnissen teilhaben zu lassen." Dann nimmt Harris Ferrari teilweise in Schutz, um sich selbst zu entlasten: "In Pirellis Vertrag mit der FIA steht nichts, dass bei ihren eigenen Tests Informationen an andere Teams gegeben werden müssen."

FIA-Anwalt Howard keilt zurück

FIA-Anwalt Mark Howard lässt die Vorwürfe, der Verband habe bei Ferrari und Mercedes mit unterschiedlichem Maß gemessen, zurück. Er macht folgende Unterscheidung: "Mercedes hat sich der Verletzung der Testregel 22.4,h schuldig gemacht. Damit müssen Sie sich auch wegen der unerlaubten Vorteilsnahme nach Artikel 1.5.1. verantworten. Ferrari hat die Testregel nicht verletzt, weil sie mit einem 2011er Auto angetreten sind. Deshalb kommt für sie auch Paragraf 1.5.1. nicht in Betracht." Harris will das nicht gelten lassen. "Ferrari hat nichts anderes gemacht als wir. In einigen Punkten sind sie sogar weiter gegangen als wir. Man kann uns nicht Dinge vorwerfen, die anderen gestattet werden."

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