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Mercedes-Reifentest: Wer lügt in der Reifen-Diskussion?

War der Reifentest von Mercedes illegal? War die Pirelli-Erprobung geheim oder öffentlich? Hatten auch andere Teams die Chance zum Testen? Noch immer gibt es keine Antworten auf die wichtigsten Fragen im Reifenskandal. Klar ist nur: Irgendjemand lügt. Oder sagt zumindest nur die halbe Wahrheit.

Seit Jean Todt 2009 das FIA Zepter übernommen hat, ist es auf der politischen Bühne relativ ruhig geworden. Der kleine Napoleon suchte bisher stets den Weg des Ausgleichs. Unbequeme Entscheidungen wurden vermieden. Das könnte sich nun allerdings ändern. Die FIA muss Stellung beziehen. Sie muss entscheiden, ob Mercedes nach dem Grand Prix von Spanien in Barcelona drei Tage lang illegal Reifen getestet hat.

Noch immer ist die ganze Angelegenheit undurchsichtig. Mercedes behauptet, der Test sei vorher mit Pirelli und der FIA abgeklärt worden. Die Antwort der FIA sei sogar von Juristen geprüft worden, betonte die Teamleitung. Selbst Stefano Domenicali, Teamchef von Konkurrent Ferrari, gab zu, dass auch sein Team seit mehr als einem Jahr über die Möglichkeit eines 1.000 Kilometer Reifentests Bescheid wusste.

Allerdings scheint es zu den genauen Umständen eines solchen Tests Interpretationsspielraum zu geben. Mercedes sah offenbar die Chance, alleine und mit einem aktuellen Auto zu fahren. Ferrari traute der Sache nicht ganz und schickte nach dem GP Bahrain einen zwei Jahre alten F1-Renner zu einem ähnlichen Reifentest auf den Circuit de Catalunya.

Hatten alle Teams die Möglichkeit zum Test?

Bei Red Bull schüttelte man den Kopf als die Aktivitäten der Konkurrenz bekannt wurden. Alles andere als gemeinsame Tests mit allen Teams sei unfair und nicht durch das sportliche Reglement gedeckt, schimpfte Christian Horner. Teamberater Helmut Marko fügte am Montag (28.5.2013) in einer Talksendung beim Red Bull-Haussender ServusTV hinzu: "Das ist ein klarer Regelbruch. Der Vorteil von Mercedes zieht sich ab jetzt durch die ganze Saison. Wir verlangen Aufklärung."

Nach dem Rennen in Monaco gab die FIA zunächst zu, dass es ein Abkommen mit Pirelli gebe, das es einzelnen Teams erlaubt Reifen zu testen. Allerdings verwiesen die Kommissare auf die Einschränkung, dass vorher alle Teams gefragt werden müssen und der Tests unter der Regie von Pirelli stattfindet. So wie der Test mit Mercedes gelaufen war, hatte sich die Sportbehörde das offenbar nicht vorgestellt.

Wie das englische Magazin "autosport" berichtet, wurde eine entsprechende Einschränkung auch von der Teamvereinigung (FOTA) selbst beschlossen. Per E-Mail sei bereits im vergangenen Jahr kurz nach dem Pirelli-Hinweis zum Thema Reifentests eine Klarstellung an alle Rennställe verschickt worden, nach der solche Probefahrten nur stattfinden dürfen, wenn alle Teams die gleiche Chance zur Teilnahme haben.

Doch die Nachfrage bei den anderen Teams hat Pirelli offenbar nicht ganz so ernst genommen. Gleich mehrere Rennställe, darunter Lotus, Sauber, Williams und Force India, dementierten, von der Möglichkeit des zusätzlichen Reifentests nach Barcelona gewusst zu haben. Hat Pirelli etwa das mangelnde Interesse nach der ersten zarten Anfrage vor einem Jahr als generelle Ablehnung interpretiert?

Nur zu Red Bull gab es offenbar in den vergangenen Wochen einen entsprechenden Kontakt. "Wir haben aber direkt abgelehnt, weil ein solcher Test unserer Meinung nach nicht durch das Reglement abgedeckt ist", machte Teamberater Helmut Marko klar. "Das ist ein klarer Regelverstoß."

Die Teams wurden von der Nachricht des Mercedes-Tests kalt erwischt. Laut Marko erhielt Red Bull die Nachricht erst am Samstag beim Abendessen: "Wir haben dann erst einmal die Unterlagen zusammengesucht, um zu schauen, ob wir nicht etwas übersehen haben. Dann haben wir bei McLaren angerufen. Am Sonntag haben wir dann auch mit Ferrari beraten, wie wir weiter vorgehen."

Red Bull wirft Mercedes und Pirelli den Versuch vor, den Test zu verheimlichen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff erwidert: "Wir haben unsere gesamte Ausrüstung nach dem GP Spanien in Barcelona gelassen. Die Motorhomes und Lastwagen standen für jeden sichtbar die ganze Woche im Fahrerlager. Mit Versteckspiel hatte das nichts zu tun."

Teamchef Ross Brawn betonte außerdem, dass der Test von Pirelli bezahlt worden sei und Mercedes keine Ahnung hatte, welche Reifen überhaupt im Einsatz waren. Es sei bei dem Test vor allem um die Beseitigung des Delaminierungsproblems gegangen, verteidigt man sich.

Mercedes erwähnt Reifentest nicht

Doch ganz mit offenen Karten hat man bei den Silberpfeilen auch nicht gespielt. Pirelli und Mercedes haben die FIA zwar vorher über die theoretische Möglichkeit des Tests befragt, sie dann aber später nicht über den tatsächlich absolvierten Test informiert. "Die FIA war selbst überrascht", erklärte Marko süffisant. Auch gegenüber der Presse wurde der Test mit keinem Wort erwähnt. Twitter-Meldungen von den sonst sehr auskunftsfreudigen Fahrern oder dem Team an die Fans gab es übrigens auch nicht.

Mercedes und Pirelli stellen sich naiv. Dabei hätte beiden Parteien klar sein müssen, dass der Einzeltest mit einem aktuellen Silberpfeil von der Konkurrenz niemals ohne Widerworte toleriert worden wäre. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Jetzt muss eine Entscheidung her. "Ich erwarte nicht, dass es bis Montreal ein Urteil gibt", bedauert Marko. "Bis Silverstone wäre das ein schnelles Tempo der Sportbehörde."

Bekommen alle Teams einen Extra-Test?

Doch wie könnte die Entscheidung aussehen? Klar ist, dass die ganze Sache unsauber gelaufen ist. Doch wen trifft die Strafe? Mercedes, weil sie von dem Test profitiert haben? Oder Pirelli, weil der Reifenlieferant offenbar versäumt hatte, alle Teams zu befragen? Eine Strafe muss übrigens nicht zwangsläufig folgen. Die FIA hat sich auch die Möglichkeit offen gelassen, ganz auf Sanktionen zu verzichten.

Bei einer Bestrafung Pirellis besteht zudem die Gefahr, dass der italienische Gummiversorger nach der negativen Presse zuletzt bald komplett die Lust an der Formel 1 verliert und aussteigt. Die Frage lautet: Nimmt man das Risiko bei der FIA in Kauf oder will man das verhindern?

Eine mögliche Lösung lautet, nun auch anderen Teams einen Pirelli-Test zu ermöglichen. "Wir wollen den gleichen Test haben wie Mercedes um auf den gleichen Stand zu kommen", forderte Marko deutlich. "Allerdings ist das logistisch nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Das geht erst nach Silverstone." Gibt es den Zusatztest für alle, dann wären Teams wie Force India, Ferrari oder Lotus, die im Gegensatz zu Mercedes und Red Bull keine Nachhilfe mehr in Sachen Reifen brauchen, die großen Verlierer.

Tobias Grüner

Foto

Wilhelm

Datum

27. Mai 2013
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