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Mercedes Sportchef Norbert Haug im Interview

"Denken nicht an Scheitern und Zerbrechen"

Norbert Haug und Nico Rosberg Foto: dpa 5 Bilder

Trotz der Verpflichtung von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher spricht Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nicht direkt vom Formel-1-Titel. "Wir müssen in der Formel 1 unsere Erfolge extrem hart erarbeiten, und exakt das ist unser Plan", sagte er im Interview.

21.01.2010

Wie fühlen Sie sich als faktisch wichtigster und mächtigster Mann im deutschen Motorsport?
Haug: Darauf kommt es nicht an, denn für solche Prädikate gibt es keine WM-Punkte. Wichtig ist, dass wir ein sehr gutes Formel-1-Auto für das neue Reglement der Formel-1-Saison 2010 bauen - schaffen wir das, werden wir gut aufgestellt sein.
 
Sie haben mit dem Kauf des Weltmeisterteams Brawn GP und der Verpflichtung des Rekord-Champions Michael Schumacher zwei Riesen-Coups gelandet. Ist Mercedes GP deshalb zum Siegen oder sogar zum Titelgewinn verdammt?
Haug: Die Lust am Siegen wird bei uns stets größer sein als die Pflicht dazu. Und wir haben riesige Lust. Vergessen Sie bitte bei Ihrer Aufzählung Nico Rosberg nicht - geben wir ihm ein Auto zum Siegen, dann wird er das auch tun.

Was müssen Sie mindestens erreichen, dass die Saison kein Misserfolg für Mercedes GP wird?
Haug: Müßig, darüber zu spekulieren. Von Mercedes-Benz-Fahrzeugen erwartet der Kunde zu Recht, dass sie die besten im Konkurrenzvergleich sind. Wir müssen in der Formel 1 unsere Erfolge extrem hart erarbeiten, und exakt das ist unser Plan: Wir alle im Team schaffen am absoluten Limit mit größter Begeisterung Tag und Nacht dafür.

Besteht die Gefahr, dass Ihnen Teams wie McLaren-Mercedes mit den beiden Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button oder Ferrari mit Doppel-Champion Fernando Alonso davonfahren und somit die Show stehlen?
Haug: Klar gibt es diese Möglichkeit und gerade in der so hart umkämpften Formel 1. McLaren-Mercedes war als amtierender Weltmeister im letzten Jahr während der ersten Saisonhälfte am Start meist im letzten Drittel des Feldes zu finden. In den letzten acht Rennen - in der zweiten Saisonhälfte also - holte dann keiner mehr Punkte als Lewis Hamilton. Wichtig ist, wie schnell man wieder steht und weiterkämpft, sollte man mal angeknockt sein.

Ist es nicht ein Risiko, Schumacher gleich für drei Jahre verpflichtet zu haben? Es gibt keine Garantie, dass er nach drei Jahren Pause und seinen Unfallfolgen die Saison körperlich durchsteht und sportlich noch die alten Qualitäten hat.
Haug: Gäbe es diese Garantie, würde kein Mensch Formel 1 schauen. Wer hätte gedacht, dass der VfB Stuttgart nach seiner Vorrunde beim Rückrundenauftakt den amtierenden Meister Wolfsburg schlägt? Das gelang ohne jegliche Garantie, aber es gelang - und nur das ist wichtig.

Droht Nico Rosberg nicht die Rolle des Nebendarstellers im übergroßen Schatten von Superstar Schumacher?
Haug: Überhaupt nicht. Nico hat seine Wunschkonstellation gefunden: Er wollte immer in den Formel-1-Silberpfeil und wünschte sich Michael als Teamkollegen - hört sich vielleicht an wie eine märchenhafte PR-Aussage, ist aber exakt die Wahrheit, deshalb kann ich Ihnen nichts anderes erzählen.

Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein, dass Rosberg an Schumacher zerbricht wie viele andere Teamkollegen zuvor?
Haug: Wir haben andere Denkschemata. Wir denken nicht an Scheitern und Zerbrechen, sondern vielmehr an härteste Arbeit, vollsten Einsatz und größten Erfolg. Und sollten wir den nicht gleich erreichen, dann geben wir garantiert keine Ruhe, bis wir diesen größten Erfolg erreichen. In den letzten zwölf Jahren, seit unserem ersten Titelgewinn mit McLaren und Mika Häkkinen 1998, haben Brawn, Schumacher sowie Mercedes-Benz samt Partner McLaren zusammengezählt neun von zwölf möglichen Formel-1-Fahrerweltmeisterschaften geholt. Eine Garantie für zukünftige Titel ist dies aber noch immer nicht.

Offiziell gibt es bei Mercedes GP keine Nummer 1 unter den Fahrern. Aber faktisch genoss Schumacher bislang bei Benetton und Ferrari einen Sonderstatus. Soll das ausgerechnet bei Ihnen anders sein?
Haug: Ich bin sehr sicher, dass Michael seine sieben Titel nicht geholt hat, weil seine Teamkollegen sagten oder den Auftrag hatten 'Ich bremse für Schumacher'. Nummer 1 im Team kann man nicht per 'ordre de mufti' werden, sondern nur durch außerordentliche Leistung. Und genau diese traue ich unseren beiden Fahrern dann zu, wenn wir ihnen ein sehr gutes Auto geben - sonst hätten wir weder den einen noch den anderen verpflichtet.

Mit angeblich sieben Millionen Jahresgehalt ist der einstige Rekordverdiener Schumacher ja ein regelrechtes Schnäppchen. Wie kommt es, dass Sie ihn - angesichts seiner Triumphe und seines PR-Wertes - so verhältnismäßig günstig verpflichten konnten?
Haug: Nur soviel dazu: Bezahlt werden alle Mitarbeiter-Gehälter bei Mercedes GP Petronas - auch die der Fahrer also - mit den Einnahmen aus Sponsorgeldern und Geldern, die vom kommerziellen Rechteinhaber der Formel 1 kommen. Die Daimler AG und ihre Premiummarke Mercedes-Benz zahlen keinen Cent dazu. Eine signifikante, weil geldsparende Verbesserung gegenüber unserem früheren System mit McLaren, als wir für 50 Prozent der Fahrerbezüge aufkamen. Und klar ist, dass wenn Mercedes nichts bezahlt, auch ein Mercedes nicht 'um 200 bis 300 Euro teurer werden' kann, wie ich neulich laut Aussage eines Autoexperten las - aber vielleicht wurde dieser ja falsch zitiert.

Hat Nick Heidfeld noch eine Chance als Test- und Ersatzpilot oder setzen Sie auf einen jungen Fahrer?
Haug: Die Entscheidung für unseren Test- und Reservefahrer reift, ist aber noch nicht abgeschlossen. Wir werden Sie umgehend informieren, sobald dies der Fall ist.

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