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Mercedes-Strategie in Hockenheim

Frontflügelschaden kostet 6 Zehntel

Lewis Hamilton - GP Deutschland 2014 Foto: xpb 79 Bilder

Lewis Hamilton fuhr beim GP Deutschland vom 20. Startplatz auf Rang 3. Eine Meisterleistung mit kleinen Schönheitsfehlern. Geplant war eigentlich der zweite Platz. Doch der Schaden am Frontflügel und der Dreher von Adrian Sutil haben das vereitelt. Mercedes-Strategiechef James Vowles erzählt warum.

23.07.2014 Michael Schmidt

Lewis Hamilton war der Held des Rennens. Von Platz 20 auf 3. Bei seiner Aufholjagd überholte der Engländer 14 Autos auf der Strecke. Mehr Überholmanöver bot nur Daniel Ricciardo. Der Australier kam inklusive seines Duells mit Fernando Alonso auf 16. Die Mercedes-Strategen hatten trotz des schlechten Startplatzes den zweiten Platz für Hamilton eingeplant.

Zwischendurch hörte der WM-Zweite immer wieder am Funk: "Du liegst im Marschplan für Platz 2." Auch als Valtteri Bottas in der 20. Runde mit den besseren Reifen an dem Mercedes vorbeizog. "Nach unseren Berechnungen hätten wir Bottas im letzten Stint wieder eingeholt", verrät Mercedes-Strategiechef James Vowles. Dann passierten aber zwei Dinge, die nicht im Skript von Mercedes standen.

Hamilton von zwei auf drei Stopps umdisponiert

In der 30. Runde traf Hamilton in der Haarnadel den McLaren von Jenson Button. Dabei gingen die Endplatte und die Kaskade des linken Frontflügels zu Bruch. Am Kommandostand wurde hin und hergerechnet, ob sich ein Frontflügelwechsel lohnt. "Der Schaden hat Lewis ungefähr sechs Zehntel pro Runde gekostet", gibt Vowles zu. Die Folge waren Untersteuern und erhöhter Reifenverschleiß links vorne. "Deshalb haben wir von zwei auf drei Stopps umdisponiert."

Trotz des beschädigten Flügels lag Hamilton immer noch auf Kurs zu Platz 2. Die kürzeren Stints bedeuteten frischere Reifen. Der extra Grip sollte das Abtriebsmanko zum Teil kompensieren. Nach dem Traningscrash hatte Hamilton ja neue Reifengarnituren im Überfluss.

"Lewis hat das Differential so eingestellt, dass es das Auto besser in Rechtskurven reingezogen hat. Und er passte seinen Fahrstil an", erklärt Vowles. So hat der fünffache Saisonsieger in Rechtskurven zum Beispiel absichtlich mit dem rechten Hinterrad auf Randsteinen eingehakt, umso das Heck herumzuwerfen und das Untersteuern abzumildern.

Start aus Boxengasse kostet 18 Sekunden

Der Sturm auf Platz 2 ging erst in die Hose, als sich Adrian Sutil in der Zielkurve drehte. Mercedes holte Hamilton sofort an die Box. "Im Rückblick ein Fehler, aber wir haben fest mit einem Safety-Car gerechnet. Lewis war nicht weit weg von der Boxeneinfahrt. Uns blieb nicht viel Zeit zum Überlegen. Dadurch hat sich der letzte Stint in die Länge gezogen. Als Lewis auf Bottas aufgelaufen ist, waren seine Reifen nicht mehr in optimalem Zustand", analysiert Vowles.

Hamilton klagte vor allem über Graining auf dem linken Vorderreifen, hervorgerufen durch das Untersteuern in Rechtskurven. Bottas konnte die dunklen Streifen auf der Lauffläche sogar im Rückspiegel erkennen, wie er später erklärte. Dummerweise für Hamilton gehen die Kurven 1 und 2 zur DRS-Zone auf der Parabolica rechts herum. Bottas wusste, dass er Hamilton hier auf Distanz halten musste. "Im Motodrom konnte er ruhig nahe rankommen. Da kann man sowieso nicht überholen", so der Finne cool.

Diskussionen um Hamiltons Taktik gab es bei Mercedes schon vor dem Start. Sollte man das Rennen von Platz 20 oder aus der Boxengasse in Angriff nehmen? Vowles plädierte klar für einen echten Start: "Der Start aus der Boxengasse kostet dich rund 12 Sekunden im Vergleich zu einem Start auf der Strecke. Da wir bei Lewis mit unserem Auto davon ausgehen können, dass er in der Startrunde zwei oder drei Positionen gewinnt, summiert sich der Nachteil für den Start aus der Box auf 18 Sekunden. Das steht in keinem Verhältnis zu dem geringeren Risiko, beim Start nicht in eine Kollision verwickelt zu werden."

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