Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes sucht Fehler

"Weckruf zur richtigen Zeit"

Mercedes - GP Ungarn 2015 Foto: xpb 23 Bilder

Mercedes hat kurz vor der Sommerpause die zweite Saison-Niederlage kassiert. Das Rennen in Ungarn wurde am Start verloren. Aber auch sonst schlichen sich viele kleine Fehler ins System. Für Niki Lauda war es ein Weckruf zur richtigen Zeit.

04.08.2015 Michael Schmidt

Eigentlich war alles wie immer. Zwei Mercedes standen in der ersten Startreihe. Mit 7 Zehnteln Vorsprung auf die Konkurrenz. Auch im Rennen war ein Mercedes das schnellste Auto im Feld. Immer, wenn Lewis Hamilton frei fahren konnte, hat er der Konkurrenz im Schnitt vier Zehntel abgenommen. Aber der Weltmeister hatte nur selten freie Sicht nach vorne. Weil er schon in der Startrunde auf Platz 10 abgestürzt war.

Teamchef Toto Wolff sieht es so: "Der schlechte Start war die Quelle für alle anderen Probleme." Wegen der zweiten Formationsrunde wurde bei Lewis Hamilton die Kupplung zu heiß. Nico Rosberg hatte einen normalen Start. Niki Lauda relativiert: "Das Problem mit den zwei Starts hatten alle anderen auch. Ferrari ist aber viel besser weggekommen als wir. Also darf uns das nicht passieren."

Im Team heißt es, dass der ganze Startmechanismus bei Mercedes zu kompliziert ist. Man wollte sich gegen alle Eventualitäten absichern, und stolpert im Ernstfall genau über diesen Luxus. Wolff fordert deshalb: "Wir brauchen bei den Starts mehr Konstanz."

Mercedes macht sich das Leben schwer

Für die Mercedes ist es eminent wichtig, dass die Fahrer den Vorteil im Training am Sonntag auch in die Führung ummünzen. Im Verkehr sind die Silberpfeile ganz normale Rennautos. Nico Rosberg hatte gegen Kimi Räikkönen keine Chance, und Lewis Hamilton hing nach seinem Kiesrutscher in der ersten Runde ewig hinter langsameren Autos fest.

Zuerst Felipe Massa, dann Sergio Perez, Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo. An dem Red Bull gab es kein vorbei. Deshalb holte Mercedes seinen WM-Spitzenreiter vorzeitig an die Box. Wolff räumt allerdings ein: "Bei Lewis war vorne die Bodenplatte beschädigt. Das hat die Aerodynamik um ein Prozent verschlechtert."

Hamilton hatte nicht seinen besten Tag. "Er ist ein sinnlos erschwertes Rennen gefahren", konstatierte Lauda auf seine nüchterne Art. Ob die vielen Blackouts mit der Schweigeminute für Jules Bianchi zu tun hatten, wollte Lauda nicht bestätigen. "Vettel war bei der Schweigeminute auch dabei. Und er ist ein super Rennen gefahren. Ich glaube nicht, dass sich die Fahrer da haben beeinflussen lassen, aber ich kann natürlich nicht in die Seelen der jungen Menschen hineinschauen. Lewis hat sich bei der Mannschaft entschuldigt. Das respektieren wir."

Lauda sieht Schuld bei Ricciardo

Immer noch nicht geklärt ist der rätselhafte Speedverlust von Rosberg. "Er hat die Probleme vom Training mit ins Rennen hinübergeschleppt, und keiner weiß warum", erzählt Lauda. Ob es ein Fehler war, Rosberg bei 27 Runden bis ins Ziel die harten statt die weichen Reifen mitzugeben, ist eine Streitfrage. Lauda meint, dass die harten Reifen angesichts der Restdistanz zumindest vertretbar waren.

Rosberg hatte sich die härtere Mischung auch gewünscht, weil er sich auf diesen Reifen wohler fühlte. Doch Strategiechef James Vowles forderte in letzter Sekunde einen weichen Reifensatz an. Der wurde in der Eile nicht gefunden. Bereit lag nur die harte Garnitur. "Wir hatten gerade mal 12 Sekunden Zeit. Das war zu knapp", hieß es aus der Mercedes-Kommandozentrale. Laudas Fazit: "In Zukunft müssen wir uns da besser aufstellen. In so einem Fall müssen einfach beide Reifensätze bereitliegen."

Rosberg wurde für sein passives Rennen viel kritisiert. Doch bei der Kollision mit Daniel Ricciardo nimmt ihn Lauda in Schutz: "Ricciardo hat sich massiv verbremst. Nico hat nichts falsch gemacht, er ist einfach nur auf seiner Linie geblieben. Dass sich Ricciardo noch so aggressiv zurückdrängt, war mich mich an der Grenze. Nico kann ja nicht wissen, wann der andere wieder einschert. Für ihn war der andere nach dem Verbremser aus dem Sichtfeld. In dem Fall gilt ganz klar die Regel, dass der Hintermann aufpassen muss."

Neue Start-Prozedur in Spa

Lauda ist froh, dass die Pannen im letzten Rennen vor der Sommerpause passierten: "Es war ein Weckruf zur richtigen Zeit. Jetzt können wir in Ruhe alles durch analysieren, damit diese vielen kleinen Fehler nicht wieder auftauchen." In Spa unter neuen Vorzeichen. Die Starts werden erschwert. Die Fahrer dürfen ab der Fahrt in die Startaufstellung nichts mehr am Kupplungsdruckpunkt verändern. Auch Startübungen sind dann untersagt.

Vielleicht ist das für Mercedes sogar ein Vorteil. Die Ingenieure werden sich in der Zwischenzeit Startmechanismen überlegen, die nicht mehr versuchen, den Start bei allen Bedingungen zu optimieren. Ab Spa ist der beste Durchschnittswert gefragt. Das System muss robuster werden.

Beim GP Belgien sollte ursprünglich auch die dritte Motorspezifikation von Mercedes kommen. Doch die Entscheidung, ob Spa oder Monza steht noch aus. Mercedes kann es sich dank seines Vorsprungs auf dem Antriebssektor leisten, den Zeitpunkt des Einsatzes der ersten Entwicklungs-Tokens so zu legen, dass die Maßnahme mit dem geringsten Risiko verbunden ist.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden