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Mercedes-Taktikfehler in Monaco

Hamilton-Funkspruch entscheidend?

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Bisher haben die Mercedes-Ingenieure die Strategiepanne von Monaco komplett auf die eigene Kappe genommen. Doch Pilot Lewis Hamilton hatte offenbar einen großen Anteil an der unglücklichen Boxenstopp-Entscheidung, wie ein nun aufgetauchter Funkspruch beweist.

29.05.2015 Tobias Grüner

Die Mercedes-Boxenpanne, die Lewis Hamilton den Sieg in Monaco gekostet hat, ist bereits hinreichend analysiert worden. Klar ist, dass die Silberpfeil-Strategen die Lücke zu den Verfolgern Nico Rosberg und Sebastian Vettel falsch berechnet haben. Das Safety-Car hatte den Führenden in der Passage vor dem Boxeneingang mehr Zeit gekostet, als es die Simulationsprogramme kalkulierten. Zu leichtgläubig vertrauten die Taktiker der Technik.

Doch ein Aspekt in dieser Geschichte ist bisher etwas zu kurz gekommen: die Rolle des Piloten. Hamilton gab bereits direkt nach dem Rennen zu, dass er in der entscheidenden Phase auf den großen Videowänden sah, dass sich Mechaniker in der Boxengasse bereit machen. "Es hat ausgesehen, als wäre Nico zum Reifenwechsel gegangen."

Der Brite diskutierte daraufhin über Funk mit seiner Mannschaft. Was dabei genau gesagt wurde, kam nun ans Tageslicht. In der Rennzusammenfassung, die als >> Video auf der offiziellen Formel 1-Website abrufbar ist, sind die wichtigen Funksprüche in der entscheidenden Szene eingespielt.

Mercedes plant zunächst ohne Boxenstopp

Nach dem Crash von Max Verstappen bekommt Hamilton zunächst die Ansage von seinem Renningenieur Peter Bonnington: "Safety Car, wir bleiben draußen." Doch dann äußert Hamilton seine Bedenken: "Seid ihr sicher, dass es die beste Entscheidung ist? Diese Reifen verlieren komplett die Temperatur. Und alle anderen werden jetzt auf die weicheren Reifen gehen."

Das führt offenbar zu einer Planänderung. Der nächste eingespielte Funkspruch lautet: "Verstanden, komm jetzt an die Box." Es ist unklar, ob in der Zusammenfassung bestimmte Teile der Diskussion ausgelassen wurden. Sicher ist jedoch: Das Team wollte den Pilot zunächst nicht reinholen. Erst die Reaktion sorgte für ein Umdenken am Kommandostand.

Die Bedenken von Hamilton waren zu diesem Zeitpunkt durchaus nachzuvollziehen. Die härteren Reifen brauchten in Monaco deutlich länger zum Aufwärmen als die Supersofts. Abgefahrene Pneus kommen generell langsamer auf Temperatur als frische Reifen, weil die Gummimasse auf der Lauffläche reduziert ist und der Reifen deshalb weniger walkt.

Die niedrige Asphalttemperatur gegen Rennende hat ebenfalls zur Entscheidungsfindung beigetragen. Niemand wusste, wie schnell die Piloten die härtere Mischung nach dem Neustart auf Temperatur bringen würden und ob Fahrer mit dem Supersoft trotz der schlechten Überholmöglichkeiten in Monaco nicht doch eine ernste Gefahr darstellen.

Hauptfehler trotz Hamilton-Funkspruch bei den Ingenieuren

Der Einfluss von Hamilton darf somit nicht unterschätzt werden. Trotzdem müssen die Ingenieure den Fehler ganz alleine auf ihre Kappe nehmen. Sie hätten ihren Piloten direkt darüber informieren müssen, dass weder Rosberg noch Vettel zum Reifenwechsel abbiegen. Beide wären bei einem Boxenstopp hinter Daniil Kvyat auf Rang 4 gefallen, der nur 17 Sekunden entfernt lag. Dann wäre die Diskussion am Funk relativ schnell beendet gewesen.

Der zweite Fehler passierte dann wie erwähnt bei der Kalkulation des Abstands von Hamilton zu seinen Verfolgern. Der endgültige Befehl zum Reifenwechsel kommt immer von der Boxenmauer. Selbst wenn Hamilton um den Boxenstopp gebettelt hätte, hätten die Verantwortlichen den Führenden nicht reinholen dürfen.

Laut Toto Wolff fiel die Entscheidung 50 Meter vor dem Boxeneingang. Um vor Vettel zu bleiben, hätte es theoretisch sogar noch gereicht, den Piloten in letzter Sekunde anzuweisen ohne Reifenwechsel durch die Boxengasse zu rollen. Doch als Hamilton auf Rang 3 auf die Strecke zurückkehrt, ist der Fehler direkt klar. "Ich habe das Rennen verloren, oder?", so die ungläubige Nachfrage an die Box.

Ein witziger Randaspekt wird durch das Highlight-Video übrigens auch aufgedeckt. Als Hamilton sein Auto auf der Auslaufrunde in der Portier-Kurve kurz parkt, funkt Sebastian Vettel an seine Box: "Ich glaube er geht direkt nach Hause." Was Hamilton in dieser Situation mit seinen Ingenieuren diskutiert hat, ist leider noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

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