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Mercedes-Technik

Evolution mit kleinen Revolutionen

Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1-Test - Jerez - 3. Februar 2015 Foto: Stefan Baldauf 29 Bilder

Mercedes will nicht nur seine WM-Titel verteidigen. Die großen Favoriten würden am liebsten auch noch ihren Vorsprung konservieren. Dafür hat Mercedes einen komplett neuen Motor gebaut. Das Auto ist eine Evolution mit kleinen Revolutionen unter der Haut.

03.02.2015 Michael Schmidt

Wie kann man das beste Auto und den besten Motor noch besser machen? Diese Frage trieb Mercedes um, seit die Entwicklung für den neuen AMG W06 begonnen hat. Technikchef Paddy Lowe musste den Ehrgeiz seiner Ingenieure zügeln ohne sie zu sehr einzubremsen. "Wir hatten ein großartiges Auto 2014. Das hat uns aber auch dem Druck ausgesetzt, das Ergebnis aus dem Vorjahr zu wiederholen. Die Formel 1 ist ein Geschäft, das nicht vergibt. Wir haben deshalb den AMG W06 mit dem Ziel gebaut, den Vorsprung zu halten."

Kalkuliertes Risiko bei der Mercedes-Entwicklung

Doch jeder Eingriff in ein funktionierendes System birgt Risiken. "Zum Beispiel, dass der Schuss nach hinten losgeht", warnt Lowe. Deshalb galt bei der Konstruktion des neuen Silberpfeils der Grundsatz des kalkulierten Risikos. "Wir haben eine Evolution mit kleinen Revolutionen unter der Haut gebaut." Lowe spricht damit die Kühlung an, die im letzten Jahr in Montreal, Budapest und Abu Dhabi für Probleme gesorgt hat. "In diesem Jahr steckt der zweite Aufguss des neuen Kühlkonzepts im Auto."

Auch die Nase des Autos war ein großes Projekt. Obwohl Mercedes bereits Erfahrung mit einer kurzen Nase hatte. In diesem Jahr duckt sie sich jedoch tiefer über den Frontflügel. "Auch wir mussten den Verlust von Abtrieb ausgleichen", bestätigt Lowe die Aussage seiner Kollegen. "Das große Fragezeichen ist, wer am besten mit dieser Aufgabe klarkam." Das Verbot des vernetzten Fahrwerks beschäftigte die Mercedes-Techniker ebenfalls. "Wir haben versucht, die Vorteile des Systems mit anderen Methoden wieder zurückzugewinnen."

Motoren-Ziel liegt bei 1.632 plus 115 PS

Brixworth hat sich nicht auf seinen Lorbeeren ausgesucht. Obwohl der Mercedes V6-Turbo 2014 in allen Disziplinen die Nummer eins war, haben Andy Cowell und seine Ingenieure einen völlig neuen Motor auf Kiel gelegt. Das wirft die Frage auf, wie das möglich ist mit nur 32 Token, die 48 Prozent aller Antriebskomponenten entspricht. Cowell erklärt: "Die 32 Token sind ein sehr großzügiges Geschenk. Wer die Liste der Token und der damit möglichen Änderungen studiert, wird schnell feststellen, dass man damit einen komplett neuen Motor bauen kann."

Die Neukonstruktion war aus vielen Gründen eine Notwendigkeit. "Erstens, weil wir dieses Jahr nur 4 statt 5 Motoren pro Fahrer zur Verfügung haben. Das bedeutet, dass jeder Motor um 25 Prozent mehr Kilometer zurücklegen muss. Ein Motorschaden schlägt viel gravierender zu Buche als im letzten Jahr.“ Wie alle Motoren im Feld ist der Mercedes V6-Turbo jetzt mit variablen Ansaugtrichtern ausgerüstet. Das ist seit dieser Saison erlaubt und gibt den Motorentechnikern mehr Gelegenheit zum Feintuning. "Damit lässt sich die Leistungskurve abflachen", erklärt Cowell.

Das verstellbaren Trompeten und die längeren Laufzeiten haben zunächst das Gewicht ansteigen lassen. Deshalb stand auch Abspecken auf dem Programm, um die Antriebseinheit auf das Mindestgewicht von 145 Kilogramm zu bringen. Das ganze Paket ist außerdem kompakter als im Vorjahr um die Installation im Auto zu optimieren. Schließlich trieben Cowell noch die Defekte aus dem Vorjahr um. "Wir haben da neue Standards im Bereich der Produktion und des Zusammenbaus gesetzt."

Petronas entwickelte neue Kraftstoffe und Motoröle, um einerseits Leistung und Ansprechverhalten zu verbessern, andererseits die innere Reibung zu reduzieren. Mehr Leistung bedeutet höhere Hitzeabstrahlung. "Das wurde dank der neuen Schmierstoffe wieder kompensiert", lobt Cowell.

Wie viel Leistung Mercedes im Vergleich zum Vorjahr gewonnen hat, bleibt natürlich geheim. Cowell sagt nur so viel: "Es geht alles um thermische Effizienz. Die Energie, die wir bei optimaler Ausnutzung von 100 Kilogramm Kraftstoff mit dem Verbrennungsmotor bekommen könnten, liegt bei 1.200 Kilowatt. Dazu kommen noch 115 Kilowatt vom Elektromotor. Alle versuchen, diese Zahlen einmal zu erreichen." Nur zur Orientierung. Wir reden hier von 1.632 plus 156 PS. Da wäre sicher auch Bernie Ecclestone zufrieden.

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