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Neuer Technik-Trick am Silberpfeil

Mercedes testet Dreifach-DRS

Mercedes DRS GP Belgien 2012 Foto: xpb 34 Bilder

Zuerst war nur Mercedes da. Die Silberpfeile fahren seit Beginn der Saison ein doppeltes DRS. Vorne und hinten. Dann kam Lotus. Bis jetzt befindet sich deren System noch in der Experimentierphase. Da hat Mercedes schon wieder den nächsten Schritt ausgepackt: ein Dreifach-DRS. Auch Red Bull und McLaren sind an dem Thema dran.

01.09.2012 Michael Schmidt

Mercedes war Vorreiter. Abgeleitet vom F-Schacht Prinzip entwickelten die Ingenieure in Brackley ein System, das beim Flachstellen des Heckflügel-Flaps synchron am Frontflügel die Strömung abreißen lässt. Über ein Leitungssystem wird Luft vom Heckflügel in den Frontflügel transportiert. Lotus protestierte beim GP China dagegen und blitzte ab.

F1 Technik Animation: Mercedes DRS Trick 1:33 Min.

Statt sich im stillen Kämmerlein über die juristische Niederlage zu ärgern, machten sich die Ingenieure aus Enstone direkt daran, den Trick abzukupfern. Statt Strömungsabriss im Frontflügel, wird die Strömung im unteren Heckflügelelement gestört. Experten sprechen von einem Super-DRS. In Hockenheim und Budapest wurde das System erstmals ausprobiert. Weil alle Testfahrten bei schlechtem Wetter stattfanden, hat Lotus den geplanten ersten Renneinsatz in Spa verschoben.

Rosberg testet Dreifach-DRS in Spa

In der Zwischenzeit legte Mercedes nach. Nico Rosberg probierte im Freitagstraining zum GP Belgien 17 Runden lang ein Dreifach-DRS. Dabei reißt an drei Stellen gleichzeitig die Strömung ab. Am Heckflügel oben durch das Flachstellen des Flaps. Am Frontflügel wie gehabt durch das Einblasen von Luft unter dem Hauptelement. Und dann noch am unteren Heckflügelelement nach Vorbild von Lotus. Alles wird gleichzeitig aktiviert, wenn der Fahrer den DRS-Knopf drückt.

Fotos beweisen, was Mercedes geheim halten wollte. Am Ende der Airbox tritt ein Rohr aus, das einem Auspuffendrohr nicht unähnlich sieht. Dort wird Luft gebündelt auf das untere Heckflügelelement geblasen, um im Zentrum des Flügels mehr Abtrieb zu erzeugen. An dieser Stelle herrscht normalerweise eine Zone niedrigen Drucks. Der Flügel hilft dem Diffusor beim Absaugen der Luft.

Mercedes-System noch nicht reif für Renneinsatz

Das Rohr wird mit Luft gefüttert, die entweder durch die beiden Ohren neben der Airbox oder durch neue zusätzliche Einlässe, die weiter hinten an der Airbox angebracht wurden. Ross Brawn will darüber keine Auskunft geben: "Das bleibt ihrer Phantasie überlassen."

Immerhin gibt Brawn zu, dass man an einem Triple-DRS arbeitet. "Wir haben uns das Lotus-System angeschaut und unsere Schlüsse daraus gezogen. Spa war ein Test in diese Richtung." Komplett ist das System noch nicht. Noch fehlte die Verbindung zum Heckflügel. Über dem erwähnten Rohr sieht man einen Kanal, der nach ungefähr 20 Zentimeter ins Leere führt.

Wenn einmal alles fertig ist, wird er wie bei Lotus mit dem Hauptelement verbunden sein und wie eine zusätzliche Heckflügelstütze aussehen. In dieser Stütze verläuft ein Luftkanal. Wird DRS aktiviert, stört die in den Heckflügelendplatten einströmende Luft die Luft, die im Normalbetrieb auf das untere Heckflügelement geblasen wird. Das unterdrückt den so generierten zusätzlichen Anpressdruck. Man provoziert damit an drei Stellen Strömungsabriss und eine Reduzierung des Luftwiderstands: vorne, hinten oben  und hinten unten.

McLaren und Red Bull arbeiten an DDRS

McLaren-Technikchef Paddy Lowe gibt ebenfalls zu, an einem Doppel-DRS zu arbeiten. Er bleibt aber skeptisch: "Bis jetzt hat Mercedes nur einen Nachahmer gefunden, und das ist Lotus. Das zeigt, wie schwierig es ist, aus einem solchen System entscheidende Vorteile zu bekommen. Wir arbeiten daran, und wenn unsere Ideen so funktionieren, wie wir uns das vorstellen, werden wir sie einsetzen. Sicher aber nicht in den nächsten zwei Rennen."

Auch bei Red Bull wird kolportiert, dass sich ein Ausbau des DRS im Entwicklungsstadium befindet. Manche behaupten sogar, dass Mark Webber es in Spa erstmals testen wollte. Im Heck des Red Bull war aber nichts Ungewöhnliches zu erkennen. Möglicherweise hat Adrian Newey das Experiment wegen des Regens wieder abgeblasen.

In der Galerie zeigen wir im Detail, was Mercedes am Freitag in Spa getestet hat.

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