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Mercedes unter Druck

Darum kam der neue Flügel nicht zum Einsatz

Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Australien - 14. März 2014 Foto: xpb 34 Bilder

Der Sieg von Nico Rosberg sah einfach aus. War er wahrscheinlich auch. Trotzdem sind die Silberpfeile verwundbar. Die Konkurrenz ist näher dran, als es aussieht. Deshalb hatte Mercedes schon in Melbourne ein großes Upgrade dabei. Nicht ohne Risiko.

20.03.2014 Michael Schmidt

Fernando Alonso meinte nach dem Rennen: "Rosberg hat nur mit uns gespielt." Er könnte Recht haben. Der Sieger des GP Australien fuhr seine schnellste Rennrunde im 19. Umlauf. Also mit richtig Sprit an Bord. Alle anderen in den Top Ten packten erst in den letzten 20 Runden den Hammer aus. Und da waren die Tanks schon weitgehend leer.

Trotzdem müssen einige Daten den Mercedes-Leuten zu denken geben. Red Bull errechnete, dass Daniel Ricciardo auf zwei Geraden eine Sekunde auf Rosberg verlor. Also musste er in den Kurven mindestens gleich schnell sein. Alonso war in Sektor 3 der Schnellste. Dort kommt es auf die Aerodynamik an. Ricciardo und Alonso hatten nur phasenweise volle Leistung zur Verfügung. Das bremst auch in den Kurven.

Komplett neues Kühlkonzept bei Mercedes

Mercedes hat einen Vorsprung von mindestens einer Sekunde pro Runde. Doch der kann schnell schrumpfen, wenn Renault und Ferrari ihre Motorprobleme in den Griff bekommen. Dann spielt wieder das Auto die entscheidende Rolle. Mercedes weiß, dass man am AMG W05 arbeiten muss, um für diesen Moment gerüstet zu sein.

Chefdesigner Aldo Costa reiste mit großen Transportkisten im Handgepäck nach Melbourne. Inhalt: Ein neuer Frontflügel, ein Batman-Flügel unter der Nase, schlankere Seitenteile. Das Geheimnis verbarg sich unter der Haut. Mercedes hatte in einem Kraftakt die Kühlung im Heck komplett neu angeordnet, um die Verkleidung mehr schließen zu können. "Es war ein gewisses Risiko, denn wir konnten die Teile nicht testen. Das Kühlkonzept war völlig neu", verriet Costa.

Nur zwei Exemplare von neuem Mercedes-Frontflügel

Die Maßnahme zeigt, wie viel Druck bei Mercedes auf dem Kessel ist. Man will sich nicht die geringste Blöße geben und vorlegen, bevor die Konkurrenz nachrüsten kann. Der neue Flügel reiste umsonst nach Australien. Er kam nicht zum Einsatz. Costa lieferte die Erklärung: "Es gab nur zwei Exemplare davon, und wir wollten nicht riskieren, dass wir ein Auto mit dem alten und eines mit dem neuen Flügel bestücken müssen."

So etwas kann im Team für Unruhe sorgen. Wir erinnern uns an Red Bulls Flügeldilemma beim GP England 2010. Da gab es nach einem Defekt nur noch ein Exemplar einer Neuentwicklung, die Sebastian Vettel zugesprochen wurde. Mark Webber machte daraus ein Politikum.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum der Frontflügel auf seine Rennpremiere noch warten muss. Die dazugehörige neue Nase bestand den Crashtest nicht. Zum wiederholten Mal. Möglicherweise besteht sie ihn nie. Das Ziel ist ehrgeizig. Die Nase ist so kurz, dass 75 Zentimeter Karbonmasse reichen müssen, die Crashtestnormen zu erfüllen. Experten meinen: "Fast unmöglich."

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