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Michael Schumacher bei Mercedes

Mehr als nur ein Hirngespinst

Todt & Schumacher Foto: dpa 13 Bilder

Seit Jenson Button zu McLaren-Mercedes gewechselt und dadurch beim neuen Mercedes-Werksteam ein Platz frei geworden ist, wird Michael Schumacher als ein möglicher Kandidat gehandelt. Es mehren sich die Indizien, dass der Traum Wirklichkeit wird.

10.12.2009 Michael Schmidt

Michael Schumacher hält sich alle Optionen offen. Der siebenfache Weltmeister dementiert die Meldungen, er könne 2010 neben Nico Rosberg für Mercedes GP an den Start gehen, auch gar nicht. Man könnte ihn später vielleicht einmal an das Dementi erinnern, wenn er dann doch im Silberpfeil-Cockpit sitzt. Schumacher ist ein PS-Junkie. Er braucht den Rennsport, weil ihm der graue Alltag ohne die Herausforderung auf der Rennstrecke zu wenig Anreiz bietet. Sonst würde er nicht um die ganze Welt jetten, um mal in Las Vegas, mal im brasilianischen Florianopolis Kartrennen zu fahren.

Mercedes-Rennleiter Norbert Haug hält den Ball flach. "Es sind Spekulationen, aber es ist nicht verboten zu spekulieren." Gleichzeitig verweist er darauf, dass da noch einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen wären, wenn es denn wirklich so weit kommen sollte. Jeder weiß: Schumacher ist ein Ferrari-Mann. Auch Haugs Aussagen klingen nicht gerade wie ein Widerruf. Der Mercedes-General würde fahrlässig handeln, wenn er so eine Gelegenheit nicht ins Kalkül ziehen würde. Mit Schumacher im Team würde sich das Publikumsinteresse mindestens verdreifachen.

Hat Teamchef Ross Brawn seine Meinung geändert?
 
Teamchef Ross Brawn sah die Fahrerfrage zunächst ganz pragmatisch. Er gab der Schumacher-Option wenig Chancen, weil er eine langfristige Lösung einem Kurz-Comeback eines dann 41-Jährigen vorzog. Brawn hat seine Meinung offenbar geändert. Als er bei einem Essen mit dem British Racing Drivers Club auf das Thema Schumacher angesprochen wurde, war der Meistermacher erst einmal sprachlos, bevor er die Tischrunde bat: "Könnt ihr bitte eine andere Frage stellen?" BRDC-Mitglied Martin Brundle scherzt: "Mir kam es so vor, als wäre Ross gerade von einem Treffen mit Schumacher gekommen. Es wirkte, als hätten wir ihn total auf dem falschen Fuß erwischt.“
 
Das Bauchgefühl sagt: Schumacher kommt. Doch was sagen die Fakten? Auf dem Papier gab es vier mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Jenson Button: Kimi Räikkönen, Robert Kubica, Nick Heidfeld und Michael Schumacher. Der Fall Räikkönen ist schon vom Tisch. Der Finne entschied sich für die Rallye-WM. Weil sein Management wie schon bei McLaren mit einem viel zu hohen Einsatz pokerte. Bei McLaren rief der Robertson-Clan offenbar 25 Millionen Dollar auf. Die zehn Millionen, die Kimi als Abfindung von Ferrari bekommt, nicht mit eingerechnet. Als Räikkönen sich mit dem neuen Mercedes-Werksteam in Verbindung setzte, lautete die Formel: 17 plus 10. Also immer noch viel zu teuer.

Kubicas Zukunft entscheidet sich wohl bis Weihnachten

Robert Kubicas Zukunft lässt sich erst abschätzen, wenn schwarz auf weiß feststeht, was aus Renault wird. Bei einem Treffen der Teamchefs wurde bereits ganz offen über die Zukunft von Renault gesprochen. Die Motorenversorgung bleibt bestehen, der Rennstall aus Enstone wird verkauft. Vier Interessenten sind in Paris vorstellig geworden. Robert Kubica hat in seinem Vertrag eine Klausel, dass er das Team verlassen kann, wenn Renault verkauft. Was aber passiert, wenn der Rennstall trotz neuer Besitzer weiterhin unter dem Namen Renault mit Renault-Motoren antritt? So ist es offenbar auch geplant. Die Frage wird bis Weihnachten gelöst sein.
 
Solange kann und wird Mercedes noch warten. Das lässt sich aus den Kommentaren von Ross Brawn und Norbert Haug herauslesen. Nick Heidfeld wird wieder mal von seinem Imageproblem eingeholt. Der Mönchengladbacher war in dieser Saison um nichts schlechter als Kubica, doch ein Team Rosberg-Heidfeld hört sich einfach nicht als Topteam an. Es würde Mercedes auch dem Vorwurf aussetzen, zu sehr auf die nationale Karte zu setzen, kaum dass man die Mehrheit an dem Rennstall erworben hat. Michael Schumacher hat zwar auch einen deutschen Pass, doch bei einem Comeback des Rekordsiegers würde keiner danach fragen. Die Formel 1 hat in letzter Zeit so viele schlechte Nachrichten verdauen müssen, dass sein Comeback viele der immer noch offenen Baustellen zudecken würde.

Segen von Bernie Ecclestone für ein Comeback von Michael Schumacher
 
Eine Rückkehr der Rennsportlegende hat auf jeden Fall den Segen von Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt. Das größte Hindernis ist Ferrari. In Maranello reagiert man auf Fragen zum Thema Schumacher vorsichtig. Man wisse nicht genau, ob die Vertragsverlängerung bis 2012 nun tatsächlich physisch unterschrieben worden sei, heißt es, aber ein Handschlagabkommen mit Präsident Luca di Montezemolo sei so gut wie ein Vertrag. Es ist klar, worauf dieser Satz abzielt. Ferrari appelliert an Schumachers Loyalität ohne direkten Druck auszuüben. Wollte er nicht bei Ferrari seine Karriere beenden? Schumachers größte Herausforderung wird es sein, wie er einen Wechsel zu Mercedes erklärt, ohne dass er in Italien als Verräter dasteht.

Ferrari ginge mit einer Freigabe auch ein Risiko ein. Es besteht immer noch eine Restchance, dass Felipe Massa bei seinem Comeback nicht mehr die Rundenzeiten auf die Bahn zaubert wie vor dem Unfall in Budapest. Die Ferrari-Strategen ziehen diese Möglichkeit nicht mehr in Betracht. Tenor: "Alle Daten zeigen, dass Felipe wieder der alte ist." Was aber, wenn nicht? Dann würde man es bedauern, wenn Schumacher bereits beim direkten Konkurrenten unterschrieben hat. Gut möglich, dass der Deutsche gar nicht so erpicht darauf ist, im direkten Duell gegen Fernando Alonso in einem Ferrari anzutreten. Nico Rosberg ist der Papierform nach jedenfalls die einfachere Aufgabe.

Der Nacken soll kein Problem mehr sein
 
Zum Schluss steht noch die medizinische Untersuchung zwischen dem Ist-Zustand und einem tatsächlichen Comeback. Auch wenn Schumachers Leibarzt Dr. Johannes Peil im August angedeutet hat, dass die Nackenverletzung im Winter ausgeheilt sein müsste, ist das noch nicht durch eine radiologische Untersuchung manifestiert. Im Schumacher-Lager gibt man sich trotzdem optimistisch. Der Nacken hält, heißt es aus dem Umfeld des Ex-Champions.

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