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Michael Schumacher

Engländer fordern Schumi-Rücktritt

Michael Schumacher - GP Türkei 2011 Foto: Wolfgang Wilhelm 153 Bilder

Eddie Jordan, David Coulthard und Johnny Herbert nehmen Michael Schumacher unter Beschuss. Sie fordern zwischen den Zeilen seinen Rücktritt. Wieder einmal. Der Rekordsieger hatte in der Türkei nicht sein bestes GP-Wochenende. Doch nicht alles war schlecht.

11.05.2011 Michael Schmidt

Zwischen Engländern und Michael Schumacher besteht eine Art Hassliebe. Zu seinen größten Zeiten war der Ex-Champion auf der Insel ein Held. Die Liebe ging nur solange wie er auch gewann. Blieb der Erfolg aus, rechneten sie ihm seine Fehler vor.

Schumachers zweite Karriere wird von den englischen Rennsportexperten durchweg skeptisch gesehen. Schon im letzten Jahr forderten mehrere Ex-Piloten den Rücktritt. Schumachers erster Teamchef Eddie Jordan legt jetzt nach: "Sein Rennen in Istanbul hat mich ein Stück weit traurig gemacht. Es gab mal einen großen Champion namens Muhammad Ali, der im Ring gegen einen gewissen Larry Holmes kämpfte. Niemand hatte vorher von dem gehört, aber er hat Ali geschlagen. Das Problem lag darin, dass Ali zu alt war. Er hat den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst. Langsam bekomme ich ein ähnliches Gefühl mit Michael. Mir hat nicht gefallen, was ich gesehen habe."

David Coulthard sieht Anzeichen für Karriere-Ende

BBC-Kollege David Coulthard kritisierte vor allem die misslungenen Überholmanöver des Mannes, der früher den Großteil seiner Zweikämpfe gewann: "Ich erkenne Anzeichen, dass er nicht weiß, wann er seine Position aufgeben muss. Es gibt einen Punkt, an dem ein Überholmanöver abgeschlossen ist. Das waren frustrierende Momente für Michael. Er ist leistungsmäßig nicht auf dem gleichen Level wie sein Teamkollege. Das ist Fakt. Das ist nicht persönlich gemeint, die Statistiken zeigen, dass Nico Rosberg mehr aus dem Auto herausbekommt als Michael Schumacher. Viel wurde vor der Saison gesagt, dass die Reifen besser für ihn sind. Aber die Pirelli haben das Blatt auch nicht gewendet. Ich würde Michael niemals abschreiben. Da ist einfach so viel Talent vorhanden. Aber er muss sich selbst Fragen stellen."

Coulthard will nicht nur an den Kommentaren von Schumacher nach dem Grand Prix erkannt haben, dass ihm das Rennfahren nur noch eingeschränkt Spaß macht: "Ich hatte das gleiche Gefühl zu Beginn der Saison 2008. Ich war nicht mehr so schnell und habe die Rennen nicht mehr so genossen wir früher. Das war der Moment für mich. Ich erinnere mich noch an Damon Hill, der mir mal bei einer Fahrerparade in Hockenheim gesagt hat: 'Das macht mir einfach keinen Spaß.' Und am Ende des Jahres ist er zurückgetreten. Das baut sich langsam auf, bis man in den Spiegel schaut und es realisiert. Man kann die Uhr nicht zurückdrehen. Es gibt für alles einen Zeitpunkt."

Herbert erwartet Schumacher-Rücktritt

Schumachers früherer Teamkollege Johnny Herbert rät Schumacher ebenfalls zur Rente: "Er ist nicht mehr der beste Fahrer auf der Strecke. Nicht, dass Michael seine Qualitäten eingebüßt hätte, nein, die neue Fahrergeneration ist einfach besser als er. Er hat Mühe mit einer Situation fertig zu werden, die er nicht kennt. Michael ist nicht zurückgekehrt, um im Mittelfeld mitzufahren. Er wollte gewinnen, für Mercedes gewinnen. Daraus wird aber nichts, und es würde mich wundern, wenn er so weitermachen will."

So weit die Engländer. Schauen wir uns den GP Türkei von Michael Schumacher einmal unter der Lupe an. Fakt ist: Nico Rosberg fährt schneller. Und er macht weniger Fehler. Aber waren die Abstände im Training und das Rennen repräsentativ?

Schumacher einen Tick zu langsam

Es fällt auf, dass Michael Schumacher im Training oft erst im entscheidenden Moment hinter Rosberg zurückfällt. Im Regentraining am Freitagmorgen trennten die beiden 0,060 Sekunden. Ein Vergleich am Freitagnachmittag macht wenig Sinn, weil beide Fahrer wegen des Regens am Morgen mit unterschiedlichen Programmen auf die Strecke geschickt wurden. In der dritten Trainingssitzung war Schumacher um 0,382 Sekunden schneller als Rosberg. Allerdings erzielte der Altmeister seine Zeit in einer Art Qualifikationsversuch, während Rosberg drei Runden am Stück fuhr und die Zeit im letzten Umlauf markierte.

Auch in Q1 und Q2 deutete noch nichts auf eine Demontage Schumachers hin. Rosberg war zwar beide Male schneller, jedoch nur um 0,183 respektive 0,320 Sekunden. "Ich spürte schon in Q2, dass die Reifen mehr zu rutschen begannen", gab Schumacher später zu. Im Top Ten-Finale spürte Schumacher "gar keinen Grip mehr". Er vermutete zuerst einen faulen Reifensatz: "Beim Testen gab es Qualitätsunterschiede, seit aber die Saison losgegangen ist, ließ sich das nicht mehr feststellen, vielleicht weil unser Auto wegen der vielen Probleme, die wir hatten, ein schlechter Vergleichsmaßstab war."

Kleiner Fehler, große Wirkung

Nach Durchsicht der Daten kam man drauf, dass Schumacher in der ersten Kurve einen kleinen Fehler eingebaut hatte, der sich dann über die Runde fortpflanzte. "Da verlierst du vielleicht ein Zehntel, willst es wieder gutmachen, fährst umso aggressiver und verlierst umso mehr Zeit, weil es dir die Reifen heimzahlen. Da reicht ein halbes Zehntel pro Kurve, dass du am Ende eine Sekunde hinten bist", rechnete Mercedes-Sportchef Norbert Haug vor.

Mercedes hatte seine Fahrer im Q3 bis fünf vor Zwölf in der Boxengasse gelassen, um einen Satz Reifen zu sparen. Eine riskante Strategie, weil die Fahrer etwaige Fehler nicht mehr ausbügeln können. Aber früher waren genau das die Momente, in denen Michael Schumacher mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks seine Gegner demontierte. Er war der Mann der letzten Trainingsminute. Wie heute Sebastian Vettel konnte er die Bestzeit auf Abruf aus dem Ärmel schütteln.

Schumacher immer noch mit Reifen-Ärger

Da fragt man sich: Warum jetzt nicht mehr? Der Grund könnte in den Reifen liegen. Seit Schumacher 2006 seinen vorläufigen Rücktritt erklärte, rollt die Formel 1 auf Einheitsreifen. Die liefern nicht mehr konstant Grip über eine schnelle Trainingsrunde. Auch wenn die Pirelli-Gummis eine völlig andere Charakteristik aufweisen als der letztjährige Bridgestone, sind sie heikle Reifen geblieben. Sie reagieren empfindlich auf jede Anomalie. Egal, ob man sie in einer Kurve zu hart rannimmt, ob die Asphalttemperatur wie im Fall Istanbul gegen Ende des Trainings um drei Grad fällt, oder ob der Aufwärmprozess nicht hundertprozentig stimmt.

Gut möglich, dass sich die Generation Rosberg da besser anpassen kann. Und auf den Punkt genau das optimale Arbeitsfenster des Reifens trifft. Für Schumacher wäre vermutlich der uralte Trainingsmodus am besten. Damals bekam jeder Fahrer vier Satz frische Reifen und hatte vier Schuss zum abfeuern. Da kann man sich peu à peu auf das Verhalten des Reifens und eventuell sich ändernde Bedingungen einstellen.

Häufiger Feindkontakt im Rennen

Im Rennen fällt auf, dass Schumacher relativ häufig in Karambolagen verwickelt ist. Man erinnere sich an das Rad-an-Rad-Duell gegen Felipe Massa in Montreal 2010, die Kollision mit Nick Heidfeld im gleichen Jahr in Singapur oder den Dreher im Feld beim Saisonfinale in Abu Dhabi. Der siebenfache Weltmeister hat nicht mehr den Status, dass ihm jeder Platz macht.

Im Gegenteil: Viele wollen sich so profilieren. Der Kontakt mit Vitaly Petrov fällt in eine ähnliche Kategorie. "Es war sehr eng, aber trotzdem hat es mich überrascht, dass wir uns noch berührt haben", erzählte Schumacher hinterher. "Er hat sich schon ein paar Mal mit Abständen verschätzt", fällt Martin Brundle auf. Was im Fahrerlager zu der Frage führt: Leidet das periphere Sehen im Alter? Einen Rennfahrer jenseits der 40 im Formel 1-Cockpit gab es seit Nigel Mansell nicht mehr. Auch der hatte im hohen Alter einige Feindberührungen.

Kampfgeist bei Schumacher noch vorhanden

Nach dem frühen Boxenstopp war das Rennen für Schumacher gelaufen. Immerhin kämpfte er sich vom vorletzten Platz noch auf Rang 12 nach vorne. Dabei war sein Auto keine große Hilfe. Der Mercedes war zumindest in der ersten Hälfte ein Reifenfresser. Die Statistik zählt acht Überholmanöver. Das zeigt, dass der Kampfgeist nicht erloschen ist. Schumacher wurde allerdings auch einige Mal von seinen Gegnern überholt, was ihm wieder Kritik einbrachte. Nach der frühen Kollision war es allerdings klar, dass sich der Altmeister bei späteren Zweikämpfen nicht mehr mit der Brechstange fuhr. 

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