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Michael Schumacher

Zwischen Kritik und Hoffnung

Michael Schumacher Foto: Daniel Reinhard 153 Bilder

Michael Schumacher bleibt trotz des Titel-Fünfkampfs ein Thema in der Formel 1. Ausgerechnet sein erster F1-Teamchef Eddie Jordan empfiehlt Michael Schumacher das Comeback zu beenden. Doch Schumi will es 2011 noch einmal allen beweisen.

05.10.2010 Michael Schmidt

Michael Schumacher war für die Engländer immer eine Reizfigur. In seinen Glanzzeiten jubelte ihm die rennsportverrückte Insel zu. Gab es die Chance den deutschen PS-Gott der Unsportlichkeit zu bezichtigen, kam die erste Welle der Empörung stets von den britischen Hütern der Fairness. Und jetzt, wo sein Comeback sportlich ins Stocken geraten ist, empfehlen sie dem Rekordsieger die Rente.

Als Chefkritiker betätigt sich derzeit jener Mann, der Michael Schumacher 1991 den Weg in die Formel 1-Welt ebnete. Der damals 22-jährige Deutsche ersetzte beim GP Belgien Stammpilot Bertrand Gachot bei Jordan. In seiner heutigen Funktion als BBC-Reporter tritt Eddie Jordan als "agent provokateur" auf. Er zündelt mit Bedacht, und wenn das Feuer zum Großbrand wird, dann schreiten seine Kollegen Martin Brundle und David Coulthard als Feuerwehr ein.

Jordan empfiehlt Schumacher den Rücktritt

Eddie Jordans neue Zielscheibe heißt Michael Schumacher. In Monza verkündete der frühere Rennstallchef, dass Schumacher kein weiteres Jahr einer Saison der Pleiten hinzufügen werde. Weil der Angesprochene einen Rücktritt aber ablehnt, legte Jordan in Singapur eine Schaufel nach: "Wäre ich Teamchef, ich würde ihn rauswerfen. Er ist eindeutig nicht gut genug von den Leistungen her, die wir gesehen haben." Der große Medienmagnet werde für Mercedes langsam zur Last, schlussfolgert Jordan, weil im Team keiner den Mut aufbringe, den Superstar in Frage zu stellen.

Der Widerstand seiner beiden BBC-Kollegen fällt moderat aus. David Coulthard wägt ab: "Langsam wird der Abstand zu Nico Rosberg ein bisschen groß. Wenn es nächstes Jahr so weiterginge, müsste sich Michael einige Fragen stellen." Martin Brundle fasst zusammen: "Michaels Comeback ist bis jetzt eine Enttäuschung. Ich erkenne nicht mehr viele Eigenschaften an ihn, die ihn einmal zum Besten seiner Klasse gemacht haben."  Schumacher Ex-Teamkollege will aber nicht kategorisch ausschließen, dass sich das Bild im nächsten Jahr nicht doch noch zum Guten ändern kann. "So wie er jetzt fährt, kann er sich nicht verabschieden."

Schumacher-Niederlagen als Normalzustand

Auch Englands Motorsportbibel Autosport nahm den siebenfachen-Ex-Weltmeister ins Visier. Autor Mark Hughes schreibt nach dem GP Singapur: "Es wird mittlerweile als normal empfunden, dass Schumacher auf Teamkollege Rosberg ein paar Zehntel pro Runde verliert. Aber ein Rennen voller Zwischenfälle, Fehler und enttäuschender Rundenzeiten unterstreicht die Tatsache, dass Schumacher im Verlauf der Saison eher schlechter als besser wurde. Das führt zu der unvermeidlichen Frage, ob Schumacher sein Comeback 2011 fortsetzen will."

Michael Schumacher selbst würde die Frage nach dem heutigen Stand mit ja beantworten. Er beruft sich darauf, dass im nächsten Jahr alles besser wird. Neue Reifen neues Auto, neues Glück. Die zum Teil frustrierenden Ergebnisse der letzten Wochen seien Teil der Aufbauarbeit für nächstes Jahr. Lernen und Zusammenwachsen sei jetzt angesagt, auch wenn man in Bezug auf die Resultate das eine oder andere Opfer bringen müsse.

"Du konzentrierst dich nicht unbedingt auf Dinge, die gut für dieses oder jenes Rennen wären, sondern denkst schon ein paar Schritte voraus." Für Schumacher sind die letzten Rennen der Saison Testfahrten vor Publikum. Hin und wieder werde auch während des Rennens mit Blickrichtung 2011 experimentiert. "Ich habe in Budapest ein extremes Setup probiert, um mehr über das Auto zu lernen."

Schumachers Probleme: Schmale Reifen und langsames Auto

Die Gründe, warum Schumacher sich mit seinem aktuellen Dienstfahrzeug so schwertut, sind hinlänglich bekannt. Zur Erinnerung: Die 2010er Reifengeneration passt nicht zum Fahrstil des Altmeisters. Die schmalen Vorderreifen und in ihrer Flanke extrem steifen Hinterreifen erlauben es ihm nicht, so wie früher aggressiv in die Kurve einzulenken, gleichzeitig zu bremsen und dann im Scheitelpunkt das Auto herumzuwerfen.

Problemzone sind die langsamen Kurven. Auf dem Weg vom Einlenkpunkt zum Scheitelpunkt kämpft Schumacher mit einem Fahrzeug, das nicht macht, was der Pilot ihm aufzwingen will. Das immer noch etwas kopflastige Auto und dessen aerodynamische Charakteristik verstärkt die Problematik noch. Nach dem letzten großen Facelift beim Grand Prix Deutschland war allen Beteiligten klar, dass dieses Fahrzeug nicht mehr gesundzubeten ist.

Schumacher von Rosberg gebügelt

Doch seit dieser Zeit geht auch die Schere zwischen Rosberg und Schumacher immer weiter auf. Inzwischen steht das Trainingsduell 12:3 für Rosberg. In seiner ersten Karriere hat Schumacher seine Teamkollegen nie so abfahren lassen. Dass der Jüngere vor dem Älteren liegt, ist nur noch eine Randnotiz wert. Die Analysten stürzen sich auf die Zeitabstände. Der Trend zeigt, dass sie größer werden, auch wenn Singapur mit 0,258 Sekunden Differenz im Training einen eher positiven Lichtblick darstellte.

Lag Schumachers Rückstand in der ersten Saisonhälfte im Durchschnitt bei 0,15 Sekunden, so ist er jetzt auf 0,35 Sekunden gestiegen. Im Rennen driften die Rundenzeiten unter vergleichbaren Bedingungen manchmal noch weiter auseinander, was auch durch den Punktestand von 122:46 zugunsten von Rosberg dokumentiert wird. Von Schumachers viertschnellster Rennrunde in Singapur darf man sich nicht täuschen lassen. Er hat sie mit relativ frischen Reifen erzielt.

Ungewohnte Zweikampfschwäche

Mal abgesehen von einer durchgehend starken ersten Runde fällt der GP-Veteran immer häufiger durch Zwischenfälle mit seinen Kollegen oder durch verlorene Zweikämpfe auf. Singapur stellte auch da einen negativen Höhepunkt dar. Schumacher hatte zwei Kollisionen mit den Sauber-Piloten, er ließ sich von dem Greenhorn Kamui Kobayashi überrumpeln, und er wehrte sich auch nicht besonders lang gegen den anstürmenden Mark Webber. Rubens Barrichello hielt den Australier dafür 20 Runden lang in Schach. Da fragt sich die Fachwelt: Ist das alles noch damit zu erklären, dass der Fokus zu 100 Prozent auf 2011 liegt?

Teamchef Ross Brawn glaubt an seinen alten Kumpel, auch wenn er einräumt, dass er bei einem jüngeren Fahrer und vergleichbaren Leistungen Zweifel haben würde. Von Motivationsschwäche kann Brawn bei Schumacher nichts feststellen. "Michael geht nach außen lockerer mit Enttäuschungen um, aber nach innen macht er nach wie vor Druck." Das Superhirn glaubt noch an Schumachers Klasse: "Hin und wieder zeigt er uns Schnappschüsse davon. Er muss sie nur zusammenfügen. Ich gehe davon aus, dass er das mit einem besseren Auto als diesem schaffen wird."

Hoffnung auf den neuen Pirelli-Reifen

Daran wird in der Szene fleißig gezweifelt. Warum sollte Pirelli einen Reifen herstellen, der auf Schumachers Bedürfnisse maßgeschneidert ist? Die Italiener haben nur 1991 für sechs Rennen mit dem Deutschen zusammengearbeitet. Und selbst wenn, würde dann nicht auch Nico Rosberg davon profitieren? Werden die 2011er Autos mit der festgeschriebenen Gewichtsverteilung, mit dem zu erwartenden Verlust an Abtrieb Schumacher das Fahrgefühl zurückgeben, das er jetzt so schmerzlich vermisst? Ein bisschen viele Variablen auf einmal, die da zusammenkommen müssen, behaupten die Experten.

Christian Danner stellt beim Streckenstudium fest: "Michael fährt jede Runde anders. Er will mit Macht erzwingen, was mit diesem Auto offenbar nicht möglich ist." Das Verdächtige an den Beobachtungen ist, dass Schumacher offenbar Mühe hat, sich an das störrische Fahrverhalten seines Mercedes anzupassen. Die Datenaufzeichnung seines Kollegen Rosberg kennt er mittlerweile bestimmt auswendig. Früher war er sich bei punktuellen Problemen nicht zu schade den Teamkollegen zu kopieren, wenn es der Sache diente. Und er konnte es.

Schumacher schon längst in der Saison 2011

Es gehörte zu seinen herausragenden Fähigkeiten, den Fahrstil den Umständen anzupassen. Oder wenn alle Stricke rissen, das Problem einfach zu umfahren. Früher galt die Regel: Je schlechter das Auto, umso größer Schumachers Vorsprung auf den Stallrivalen. Davon hat man bislang wenig gesehen. Hat er es verlernt oder will er wegen ein paar Rennen zum Schluss der Saison nicht mehr Energie aufwenden, die er seiner Meinung nach besser in die Vorbereitung für 2011 steckt?

Nach Schumachers Credo ist jede Minute Arbeit, die man noch in diese Saison steckt, verlorene Zeit. Warum sich jetzt eine Fahrweise aneignen, die an der Sache nichts ändert, höchstens die Optik verbessert? Sein Kopf ist schon längst in der Saison 2011. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn er merken sollte, dass sich an den technischen Voraussetzungen nicht viel ändert. Selbst wenn der Mercedes im Vergleich zur Konkurrenz besser dastünde, wäre nicht viel geholfen.

Schumi-Rücktritt nach 2011?

Schumacher muss zunächst einmal Rosberg schlagen, wenn er im nächsten Jahr wieder ans Gewinnen denken will. Und das ist in einem guten Auto so schwer wie in einem schlechten. Ross Brawn dementiert sämtliche Rücktrittsgerüchte, die von der englischen Presse gestreut werden. "Im nächsten Jahr ist Michael sicher dabei." 2012, das dritte Jahr von Schumachers Vertrag, wird in dieser Antwort ausgeklammert.

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