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Michelin will Abrüstung

Foto: dpa

Erstmals geht einer der Reifenhersteller in der Abrüstungsdiskussion der Formel 1 in die Offensive. Michelin verspricht deutlich höhere Rundenzeiten, mehr Überholmanöver und über 50 Prozent Kosteneinsparung.

01.07.2004

Kaum legt die technische Arbeitsgruppe am vergangenen Montag (28.6.) der FIA Vorschläge zur Abrüstung der aktuellen Formel 1-Generation vor, zaubert Reifenhersteller Michelin eigene Ideen aus dem Hut. Die Technik-Chefs der Teams schlagen vor, die Reifen mit einer fünften Rille zu versehen, um die Rundenzeiten so um bis zu zwei Sekunden zu erhöhen. Doch Rillen in der Lauffläche hat Michelin schon immer gescheut wie der Teufel das Weihwasser.

So plädiert Michelin-Sportchef Pierre Dupasquier für einen anderen Weg: Künftig sollen einem Fahrer für Qualifying und das gesamte Rennen nur noch ein Satz Reifen zur Verfügung stehen. "Damit sind wir gezwungen, deutlich härtere Mischungen zu verwenden. Das reduziert die Haftung, dadurch sinkt die Geschwindigkeit", folgert Dupasquier. Zudem sei das Überholen leichter, weil harte Reifen weniger Gummiabrieb produzieren, und so der Fahrbahnbelag auf und neben der Ideallinie nicht mehr so stark variieren würden.

Einsparungen von über 50 Prozent

Nach Vorstellungen der Michelin-Mannen sollten pro Rennwochenende zwischen zwei und vier Reifensätze pro Auto ausgegeben werden. Ob zwei oder nur ein Reifentyp zur Verfügung stehen, sei noch zu diskutieren. Michelin plädiert zudem für die Bestückung aller Kunden mit identischen Pneus. Bei Testfahrten sollen, wie von der Technik-Kommission angeregt, sechs Reifensätze pro Auto und Tag ausgegeben werden. "Ich bin sicher, dadurch können wir die Einsatzkosten für Reifen um über 50 Prozent reduzieren", meint Dupasquier.

Michelin-Chef Edouard Michelin lobt den eigenen Vorstoß mit seinen drei Vorteilen: Mehr Sicherheit, geringere Kosten und mehr Spektakel. Zudem hebt Michelin hervor, dass man damit exakt den Wünschen der Sportbehörde entspreche. Michelin bringt sich so aus der Schusslinie von Max Mosley, der Teams und Herstellern mit Vehemenz mangelnde Kooperation und Einsicht vorwirft.

Michelin gegen Exklusivausrüstung

Michelin möchte mit der eigenen Initiative auch einen Vorschlag von Mosley abbiegen. Der hatte vor zwei Monaten noch in den Raum gestellt, dass die Reduzierung auf einen exklusiven Reifen-Hersteller für alle Teams das Wettrüsten und damit sowohl das Kosten, als auch das Sicherheits-Problem eine probate Lösung wäre. Bridgestone hat signalisiert, dass man auch ohne Gegner in der Formel 1 bleiben möchte, Michelin will dagegen unbedingt gegen Konkurrenz antreten.

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