Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mika Häkkinen

GP Belgien 2000 Explosion für Zonta

Mika Häkkinen Bestes Rennen 2012 Foto: Wolgang Wilhelm 14 Bilder

Motorsportlegenden erzählen die Geschichte ihres besten Rennens: Mika Häkkinen erinnert sich an den GP Belgien 2000 als er Michael Schumacher mit einem waghalsigen Überholmanöver austrickste.

28.02.2012 Michael Schmidt

"Es war eine schwierige Saison nach den Titeln 1998 und 1999. Wir wussten, dass Standfestigkeit eine Schwäche unseres Autos war. Ferrari war in dieser Disziplin besser als wir. Dazu kam eine Regeländerung, die es erlaubte, vorne breitere Reifen zu verwenden. Das passte nicht zu unserem McLaren. Das Auto war sehr schwierig zu fahren. Wenn es mal keinen Defekt gab, machte der Fahrer einen Fehler.

Die Schwierigkeiten führten dazu, dass wir im Rennen riskante Strategien fahren mussten. Der Plan war: erste Startreihe, wenig Sprit an Bord, vorne abhauen, weil wir ja früh an die Boxen mussten. Für mich hieß das: volle Kanone jede Runde. Zu Beginn der Saison passten die Rennstrecken besser zum Ferrari. Ab dem GP Österreich bekam Ferrari Probleme mit den Hinterreifen, vor allem bei Hitze. Wir holten in der WM langsam auf Michael auf.

Rennen in Spa bei tückischen Bedingungen

Dann kam Spa. Die Strecke war beim Start halb trocken, halb nass. Ich fühlte mich sehr wohl im Auto und musste noch nicht mal ans Limit gehen, um Michael hinter mir zu halten. Da habe ich in einer schnellen Rechtskurve den Randstein eine Spur zu stark getroffen. Der war nass, und schon kam das Heck herum. Michael war vorbei.

Jetzt begann die Jagd. Ich holte ständig auf, musste aber dafür mehr und mehr riskieren. Die Strecke war jetzt auf der Ideallinie trocken. Von La Source über Eau Rouge bis zum Ende der folgenden Geraden war ich deutlich schneller als Michael. Deshalb konzentrierte ich mich voll auf die Passage.

In Eau Rouge begann ich, große Risiken einzugehen. Ich wusste: Hier musste ich das Überholmanöver vorbereiten. Als ich endlich aufgeschlossen hatte, wollte ich so schnell wie möglich vorbei. Ich kam mit großem Überschuss aus Eau Rouge und habe versucht, mich auf der Geraden rechts neben ihn zu setzen.

Schumacher schmeißt Häkkinen die Tür zu

Michael hat mir ziemlich brutal die Tür zugeschmissen. Er hatte mich gesehen, kein Zweifel. Ich war bei 320 km/h mit den rechten Rädern voll auf dem Gras, und wir haben uns sogar berührt. Die linke Endplatte meines Frontflügels hatte Markierungen von seinem rechten Hinterreifen.

Irgendwie habe ich seinen Frust verstanden. Er hatte lange Zeit geführt, er brauchte dringend die Punkte. Die nächste Runde probierte ich es wieder. Ich konnte schon von weitem erkennen, dass da ein Auto langsam die Gerade hochfuhr. Es war Ricardo Zonta im BAR. In dem Augenblick wusste ich: Diese Runde muss es passieren.

Wenn Michael links an Zonta vorbeifährt, probiere ich es rechts. Sonst andersherum. Zonta musste ein Problem haben, denn wir haben rasend schnell aufgeschlossen. Er fuhr genau in der Mitte der Straße. Ich hoffte, dass sich Michael möglichst früh für eine Seite entscheiden würde, um die andere zu nehmen.

Zonta spielt mit und bleibt in der Mitte

Zonta hat zum Glück kapiert, dass da zwei Torpedos heranfliegen. Er blieb, wo er war. Michael zog nach links, was ich irgendwie erwartet hatte, weil rechts die Spur noch feucht war. Hätte Michael eine halbe Sekunde länger gewartet, hätte ich lupfen müssen. Zwischen Zonta und dem Gras war genau Platz für ein Auto.

Für Zonta muss es wie eine Explosion gewesen sein. Ich stelle mir vor, du sitzt im Cockpit, und auf beiden Seiten schießen zwei Autos ganz knapp mit gewaltigem Speed an dir vorbei. Ich war ziemlich relaxt und dachte nur daran, dass ich sofort nach links rüber musste, sobald ich an Zonta vorbei war. Ich brauchte ein Stück trockene Straße zum Bremsen.

Als Michael sah, wie ich mit großem Speed auf der anderen Seite des BAR hervorkam, hat er kapiert, dass jede Gegenwehr zwecklos ist. Im Parc fermé hatten wir dann ein kurzes Gespräch. Es ging um das Manöver die Runde davor. Ich habe ihm ganz ruhig gesagt, dass es keinen Sinn hat, bei dem Tempo so die Spur zu wechseln. Es war einfach gefährlich. Aber so ist Michael halt. Er ist ein harter Fahrer.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden