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Mit Köpfchen auf die Pole

Vettels Abu Dhabi-Geheimnis

Sebastian Vettel - GP Abu Dhabi - Qualifying - 12.11.2011 Foto: xpb 69 Bilder

Wieder einmal packte Sebastian Vettel in der letzten Minute den Hammer aus. Als niemand mehr mit seiner Bestzeit rechnet, lieferte sie der Weltmeister wie auf Bestellung. Weil er seinen Abu Dhabi-Trick auspackte. Je kühler die Strecke, umso wichtiger die Aufwärmrunde. Und die timte Vettel perfekt.

12.11.2011 Michael Schmidt

Nigel Mansell ist eingeholt. Die Red Bull-Box sprach Sebastian Vettel als "Mr. Mansell" an. Der Weltmeister startet am Sonntag in Abu Dhabi zum 14. Mal in dieser Saison von der Pole Position und hat damit den Rekord des Engländers von 1992 eingestellt.

Dabei sah der Red Bull-Pilot lange Zeit gar nicht aus wie ein Kandidat für die Trainingsbestzeit. Am ersten Trainingstag haderte Vettel mit sich und der Balance seines Autos. "Im dritten Training wurde es schon besser, und ab der Qualifikation wusste ich, dass ich es schaffen konnte, wenn alles passt."

Hamilton baut ab, Vettel legt zu

Es passte. Obwohl Lewis Hamilton in Q2 eine Bestzeit vorgelegt hatte, die am Ende für die Pole Position gereicht hätte. Erfahrungsgemäß wird der Yas Marina Circuit im letzten Qualifikationsabschnitt langsamer, weil mit einbrechender Dunkelheit die Asphalttemperatur sinkt. Es sind zwar nur drei Grad, aber das kann reichen, wenn es um Hunderstelsekunden geht.

Vettel war einer von nur zwei Fahrern, die im Top Ten-Finale ihre Zeit aus dem Q2 verbessern konnten. Der andere war Jenson Button. Beide hatten die Jahre zuvor aufmerksam studiert und entsprechende Maßnahmen getroffen, trotz einer langsamer werdenden Strecke schneller zu fahren.

Vettel hält Reifentemperatur hoch

Und so sieht Vettels Abu Dhabi-Trick aus: Wichtig ist es, die Aufwärmrunde genau zu timen. Da darf kein Auto vor einem auf der Strecke fahren, denn nur dann kann man den dritten Sektor so aggressiv fahren, dass im ersten Sektor der entscheidenden Runde der Reifen richtig klebt. "Die erste Kurve muss passen", erklärte Vettel. "Da kannst du viel Zeit gewinnen oder verlieren. Danach kommen zwei schnelle Kurven, in denen der Reifen auf Temperatur bleibt." Vettel machte seine Zeit in den ersten zwei Streckensektoren gut. "Dass uns im dritten Sektor wegen der tieferen Temperaturen Grip fehlen wird, war uns klar. Aber ich kam in den Sektor schon mit einem guten Polster rein."

Vettels Hauptgegner Lewis Hamilton kostete schlechtes Timing möglicherweise die zweite Trainingsbestzeit des Jahres nach Korea. "Ich lag im Sandwich der beiden Ferrari, konnte aber auf Alonso nicht genügend Luft lassen, weil Massa von hinten drängelte." Hamilton lag am Ende zwar um neun Tausendstel vor Button, doch der Teamkollege konnte sich in Q3 gegenüber seiner Q2-Zeit um 0,466 Sekunden steigern, während Hamilton 0,188 Sekunden im Vergleich zu seiner Q2-Zeit einbüßte. Hätte er sich so wie Button verbessert, wäre er locker ganz vorne gestanden.

Auch Webber und Rosberg brechen ein

Mark Webber und Nico Rosberg teilten das Schicksal mit Hamilton. "Mir fuhr Sutil vor der Nase herum. Außerdem konnte ich in der Aufwärmrunde wegen eines Software-Problems nicht voll attackieren", klagte Webber. "Ich hing hinter Massa und di Resta fest. Da kühlten die Reifen zu stark aus. Sonst hätte ich Massas Zeit geschlagen", erzählte Rosberg. 

Wie wichtig der letzte Teil der Anwärmrunde für die Trainingszeit war, zeigt die exklusive auto motor und sport-Analyse. Wir haben den dritten Sektor der Aufwärmrunde der fünf schnellsten Fahrer mit der fliegenden Runde danach und dessen ersten Sektor verglichen. Sehen Sie selbst:

Di Resta macht Vettel den Weg frei

Es ist in diesem Jahr zur Gewohnheit geworden, dass Vettel mit seinem allerletzten Versuch die Konkurrenz überrumpelt. In Abu Dhabi ging er als Letzter auf die Strecke. Button als erster. Beide hatten freie Bahn. "Man kann es nicht immer so timen, wie man will. Diesmal war auch ein bisschen Glück dabei. Vor mir ist Paul di Resta gerade noch in die Boxen abgebogen."

Eigentlich haben es die Red Bull-Strategen am schwersten, den besten Moment für die Ausfahrt ihrer Piloten zu suchen. Vettel: "Wir haben die erste Box. Da ist die Chance, dass uns einer aus den Boxen dahinter vor die Nase fährt am größten." Ein bisschen Denkarbeit ist aber trotzdem dabei. Vettel und sein Renningenieur Guillaume Rocquelin haben sich genau angeschaut, wann welcher Fahrer im Q3 zum ersten Versuch ausgerückt ist. "Daraus kann man dann schon ableiten, was die anderen beim zweiten Versuch machen", verrät Vettel.

Hamilton steckt im Stau

McLaren zum Beispiel schickte beide Piloten relativ früh auf die Bahn, mit dem Pech dass Hamilton später zwischen die Ferrari rutschte. "Wir haben die Zeit überschätzt, die wir brauchen, um unsere Autos zwischen den beiden Versuchen für die zweite Ausfahrt vorzubereiten. Es ging viel schneller als gedacht, und deshalb waren wir ungewöhnlich früh dran mit dem zweiten Versuch", erklärte Teamchef Martin Whitmarsh.

Spät oder früh sei gar nicht so entscheidend, warf Button ein. "Hauptsache du kannst die fliegende Runde optimal vorbereiten. Wenn du bis zum Schluss wartest, stehst du oft im Stau, weil viele das gleiche versuchen."

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