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Monisha Kaltenborn im Interview

"Alternativ-Motor ist keine gute Lösung"

Monisha Kaltenborn - Sauber - 2015 Foto: Sauber 32 Bilder

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn zieht im Interview mit auto motor und sport Bilanz. Warum Sauber besser als 2014 war, warum es keine Hiobsbotschaften mehr gibt, und warum Sie gegen den Billig-Motor ist.

19.11.2015 Michael Schmidt
Ziehen Sie mal Bilanz?

Kaltenborn: Sportlich gesehen bin ich grundsätzlich zufrieden. Wir haben uns grundlegend in die richtige Richtung bewegt. Was nach der letzten Saison auch nicht so schwer war. Wir haben in vielen Dingen wieder den Rhythmus gefunden, aber es gibt für mich noch einiges an Potenzial nach oben.

Was gefällt Ihnen nicht so?

Kaltenborn: Das Resultat am Ende des Tages. Und nur das zählt. Und mit Platz acht kann ich nicht zufrieden sein.

Wohin muss sich Sauber orientieren?

Kaltenborn: Wir müssen höhere Ambitionen haben. Traditionell sind wir ein Team, das nicht so weit hinten liegt. Wir haben jetzt das eine Jahr wirklich ganz hinten verbracht. Eine Erfahrung auf die ich gerne verzichtet hätte. Ich sehe uns im vorderen Mittelfeld.

Es gab in diesem Jahr gute und schlechte Phasen für Sauber. Lässt sich das Auf und Ab erklären?

Kaltenborn: Jeder im Feld hatte seine Auf und Abs. Ich hätte mir ein paar mehr positivere Momente gewünscht. Mit zwei neuen Fahrern, die auch noch nicht so viel Erfahrung haben, gehört das halt dazu.

Sie behalten die Fahrer. Wird das 2016 ein Pluspunkt?

Kaltenborn: Das ist sicher ein wichtiger Faktor. Wir müssen auch das Auto verbessern und hoffen, dass Fortschritte im Antriebsstrang gemacht werden.

Warum lief es 2014 so schief?

Kaltenborn: Das letzte Jahr war schon sehr stark geprägt von den großen Unterschieden beim Antriebsstrang. Wir hatten sicherlich nicht den, der dominiert hat. Es gab auch viele technische Probleme mit dem Antriebsstrang. Wenn das gepaart wird mit dem vielleicht nicht konkurrenzfähigsten Chassis, dann kommt so eine Saison dabei heraus. Den Ursprung nahm das ganze noch eine Saison vorher. Er lag darin, dass wir Mitte 2013 bewusst die Entscheidung getroffen haben, noch Arbeit in das 2013er Auto zu stecken. Wir haben dadurch zwar noch richtig Punkte gesammelt, aber wussten auch, dass das in Bezug auf das neue Auto mit der großen Regeländerung ein Kompromiss sein würde. Was wir nicht ahnen konnten, dass bei der großen Diskrepanz zwischen den Motoren ein nicht so gutes Chassis schwerer ins Gewicht fällt als in einer normalen Saison.

Letztes Jahr war für Sauber eine Saison der Hiobsbotschaften. Sauber wurde regelmäßig tot geschrieben. Das ist dieses Jahr nicht mehr der Fall. Ist die Lage jetzt entspannter?

Kaltenborn: Dass es letztes Jahr so viele schlechte Botschaften gab, liegt an denen, die sie in die Welt gesetzt haben. Vielleicht haben die jetzt das Interesse an uns verloren. Für uns war immer klar: Wir gehen den richtigen Weg. Es gibt schwierige und weniger schwierige Zeiten. Wir haben immer noch unsere Herausforderungen vor uns.

Wie schwierig ist es für Sie zu wirtschaften?

Kaltenborn: Es ist sehr schwierig. Und es bleibt auch deshalb so schwierig, weil wir Entscheidungen ausgesetzt sind, die wir nur hinnehmen können. Zum Beispiel jene Entscheidungen, die von der Strategiegruppe kommen. Und die machen unser Leben nicht leichter.

Spielen die Motorkosten da eine Rolle?

Kaltenborn: Ganz bestimmt. Der Motor ist einer der größten Kostentreiber. Das ist völlig unbegründet. Die Hersteller bauen ihre Motoren so oder so. Für sie kommt es nicht in Frage, dass sie sich von jemand anderem einen Motor besorgen. Wir haben von Anfang an gesagt: Ihr müsst auf die Kosten schauen. Das wurde immer zugesichert, nur keiner hat es getan. Es ist jetzt an der Zeit, die Kosten auf ein vernünftiges Niveau runterzubringen. Keiner sagt ja, dass wir zu Preisen zurückkehren müssen, wie wir sie mit den V8-Motoren hatten. Es muss einen Mittelweg geben zwischen dem und den Preisen, die wir jetzt zahlen.

Trotzdem ist Sauber gegen den neuen Billig-Motor?

Kaltenborn: Die Hersteller und der Verband haben entschieden, dass wir den Hybrid-Weg gehen. Ich finde es für den gesamten Sport nicht gut, wenn wir jetzt wieder umkehren. Das wäre schlecht fürs Image. Dann wird es wieder heißen, dass wir völlig weltfremd sind und an der Realität vorbeigehen. Es ist wichtig für die Hersteller, dass sie die Technologien zeigen können, die sie auch auf der Straße verwenden. Hybrid und Effizienz zählt heute eben mal. Im nächsten Schritt bekommen wir Probleme mit den Sponsoren, die dann nicht mehr mitmachen wollen. Schauen Sie sich doch mal die Formel E an. Sie zeigt, woher der Wind weht. Das zweite Problem ist die Umsetzung des ganzen.

Was meinen Sie damit?

Kaltenborn: Wir bekommen eine Zweiklassengesellschaft. Das ist keine gute Lösung. Wie soll man denn diese Parität schaffen. Da geht es ja nicht rein um die Leistung. Da reden wir zum Beispiel übers Nachtanken. Das wir an dem Motor sparen, geben wir wieder aus bei den Tankanlagen. Das ist eine Idee, die nichts bringt. Wir sollten uns eher darauf fokussieren, die Kosten bei den aktuellen Motoren runterzubringen.

Nehmen wir mal an, 2017 ist so ein Sechs-Millionen-Euro-Motor auf dem Markt. Ist da die Versuchung nicht groß zuzugreifen?

Kaltenborn: Sechs bis sieben Millionen finde ich eine super Zahl. Ich würde mir wünschen, dass Ferrari uns den aktuellen Motor für dieses Geld anbietet. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, dass so ein Motor durchgeht. Wir haben doch gerade erlebt, dass Ferrari ein Veto-Recht hat. Wozu etwas diskutieren, wenn man weiß, dass irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird.

Sie haben zusammen mit Force India eine formale Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Warum überhaupt und warum jetzt und nicht früher?

Kaltenborn: Es geht uns darum, dass wir nicht mit den Privilegien einverstanden sind, die einigen Teams eingeräumt wurden. Sei es aus monetären Gründen, sei es bei den Rechten der Entscheidungsfindung. Die Vorbereitung für diese Beschwerde hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Deshalb ging es nicht früher. Wir haben in der ganzen Zeit versucht, mit den anderen zu reden. Wenn man irgendwann merkt, es bringt nichts, muss man eben diesen Weg gehen.

Haben Sie Repressalien gefürchtet?

Kaltenborn: Repressalien habe ich überhaupt nicht erlebt. Wir wollen festhalten, dass wir nicht gegen die anderen Teams vorgehen, sondern gegen die Inhaber der kommerziellen Rechte. Jetzt hoffen wir, dass die Kommission die Beschwerde aufnimmt und ein Verfahren eröffnet, um zu prüfen, warum diese Privilegien eingeräumt wurden. Es ist für die Formel 1 gut, und damit für alle.

Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

Kaltenborn: Ich denke, dass wir noch in diesem Jahr wissen werden, wohin der Weg geht.

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