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Monte Carlo-Geschichten

Park-Manöver und Massen-Crashs

Michael Schumacher - GP Monaco 2006 - Rascasse Foto: xpb 17 Bilder

Monte Carlo ist die große alte Dame der Formel 1. In diesem Jahr gastiert der GP-Zirkus zum 62. Mal im Fürstentum. Der berühmteste Grand Prix im Kalender ist reich an Geschichte und Geschichten. Wir erinnern an die Highlights des heißesten Straßenrennens der Welt.

20.05.2015 Michael Schmidt

Monte Carlo ist der Klassiker im GP-Kalender. Der Grand Prix der Reichen und Schönen, der Unfälle und Verkehrstaus, der berühmten Kurven und verrückten Rennen. Kurzum: Der größte Anachronismus im Sport.

800 PS starke Autos in der Stadt sind wie ein Elefant beim Seiltanz. Monte Carlo hat die langsamste Kurve (42 km/h), den längsten Tunnel (400 Meter), die kleinsten Auslaufzonen (null), die geringste Streckenlänge (3.340 Meter).

Doch der Höhepunkt der Formel 1-Saison hat noch mehr zu bieten. Jede Menge Geschichten. Am 21. Mai 1950 fuhr die Königsklasse zum ersten Mal durch die Stadt. Die aktuelle Ausgabe ist der 62. Grand Prix von Monaco. Wir erinnern an Kuriositäten, Rekorde, Triumphe und Dramen.

Kuriose Geschichten vom GP Monaco:

Wussten Sie dass, der GP Monaco von 1951 bis 1954 nur für Sportwagen ausgeschrieben wurde.

Die erste große Karambolage ereignete sich gleich beim zweiten Grand Prix der Geschichte. Nino Farina war in der Tabakkurve von der Strecke abgekommen und hatte sich mit dem Alfa Romeo von Teamkollege Luigi Fagioli verkeilt. Insgesamt neun Autos wurden gleich in der ersten Runde eliminiert. Auf dem Schlachtfeld blieben zwei verletzte Fahrer zurück. Franco Rol brach sich den Arm. Froilan Gonzalez zog sich Verbrennungen zu.

1959, 1962, 1974, 1980, 1990, 1994 und 1995 gab es Kollisionen mit mehr als drei Autos. Die berühmteste war der Startcrash von 1980. Derek Daly bremste die Ste. Dévote-Kurve zu spät an, landete im Heck des Alfa Romeo von Bruno Giacomelli und stieg dort auf. Der Tyrrell drehte sich wie ein Kreisel über den McLaren von Alain Prost hinweg und landete direkt auf der Nase des anderen Tyrrell von Jean Pierre Jarier. Resultat: Zwei Tyrrell, ein McLaren und ein Alfa Romeo standen verbeult am Streckenrand.

Bereits zwei Fahrer sind in Monaco ins Hafenbecken gefallen. 1955 ging Alberto Ascari in der Hafenschikane über Bord. 1965 versenkte Paul Hawkins seinen Lotus im Meer. Wie Ascari konnte sich der Australier selbst befreien und kam mit dem Schrecken davon.

Monaco war 5 Mal Saisonauftakt. 1959, 1961, 1963, 1964 und 1966 fiel der Startschuss an der Côte d‘Azur.

Der GP Monaco 1950 war mit einem Schnitt von 98,701 km/h das langsamste Rennen aller Zeiten.

Jack Brabham 1957 und Innes Ireland 1960 schoben ihre Autos in Monaco ins Ziel. Brabham über 1,5 Kilometer, Ireland 2,5 Kilometer.

Der tragischste Unfall von Monaco ereignete sich 1967 in der Hafenschikane. Lorenzo Bandini fädelte ein und traf die Strohballen. Der Ferrari überschlug sich und fing Feuer. Der unglückliche Bandini wurde viel zu spät aus dem Flammen gezogen. Drei Tage später starb er im Krankenhaus. Danach wurde die Renndistanz von 100 auf 80 Runden verkürzt. Man ging bei Bandini von einem Konzentrationsfehler aus.

Lorenzo Bandini ist der einzige Pilot, der beim GP Monaco ums Leben kam. 1962 wurde bei einer Startkollision ein Streckenposten getötet.

10 der 61 Grand Prix von Monaco fanden im Regen statt. Unvergessen die Regenfahrt von Jean-Pierre Beltoise. Der im Januar verstorbene Franzose führte von der ersten bis zur 80. Runde. Ein Balanceakt über 2:26.54,7 Stunden.

In 11 Grand Prix wurde das Safety-Car auf die Strecke geschickt - zu insgesamt 21 Einsätzen. In den Jahren 2011 und 2013 wurde das Rennen jeweils ganz unterbrochen. 2011 für 21 Minuten wegen eines Unfalls von Vitaly Petrov, 2013 nach einem Crash von Pastor Maldonado für 25 Minuten.

Die Formel 1 fuhr auf insgesamt acht Streckenvarianten durch Monte Carlo. Ursprünglich maß eine Runde 3.180 Meter. Heute sind es 3.340 Meter. In der ersten Version hatte der Kurs 13 Kurven. Heute sind es 21. Die Schwimmbad-Sektion und Rascasse gibt es erst seit 1973. Ursprünglich wurde auf der Geraden zwischen Tabakkurve und Gasometer-Haarnadel gestartet.

Sebastian Vettel stellte 2011 mit 1.13,556 Minuten die schnellste Trainingsbestzeit aller Zeiten auf. Das entsprach einem Durchschnitt von 163,467 km/h.

Monaco ist das Rennen der Seriensieger und Eintagsfliegen. Nicht nur bei den Fahrern, wo Ayrton Senna mit sechs Siegen den Rekord hält, während Jean-Pierre Beltoise (1972), Olivier Panis (1996) und Jarno Trulli (2004) hier ihre einzigen Grand Prix gewonnen haben. Bei den Teams ist es ähnlich. McLaren führt mit 15 Siegen mit weitem Abstand die Monaco-Rangliste an. Ferrari-Piloten standen nur acht Mal in der Fürstenloge. Nur jeweils einen Grand Prix im Fürstentum gewannen Alfa Romeo (1950), Wolf (1977), Ligier (1996) und BrawnGP (2009).

Im Jahr 1957 ging der der Grand Prix über die längste Distanz. Sieger Juan-Manuel Fangio wurde erst nach 105 Runden abgewinkt. Das entsprach einer Distanz von 330,225 Kilometern. Das kürzeste Monte Carlo-Rennen fand 1984 statt. Nach 31 Runden oder 102,672 Kilometern sah Alain Prost schon die Zielflagge. Starker Regen veranlasste Rennleiter Jacky Ickx zum Abbruch.

Taki Inoue war 1995 im Training unfreiwilliger Hauptdarsteller in einem der kuriosesten Formel 1-Unfälle aller Zeiten. Der Japaner wurde nach einem Dreher an die Boxen zurückgeschleppt. Safety-Car-Fahrer Jean Ragnotti übersah bei seiner Inspektionsrunde den Konvoi und krachte mit seinem Renault Clio am Schwimmbad in den Arrows. Der überschlug sich und begrub den nicht mehr angeschnallten Inoue unter sich. Nach der Bergung war der Unglückspilot 5 Minuten lang bewusstlos, ansonsten aber unversehrt.

In Monte Carlo gingen schon viele Autos fliegen: 1974 Hans-Joachim Stuck nach einer Kollision mit James Hunt. 1979 Didier Pironi nach einem Auffahrunfall gegen Niki Lauda. 1983 krachten Marc Surer und Derek Warwick am Ende der Zielgeraden gegeneinander. Zwei Jahre später Nelson Piquet und Riccardo Patrese. 1986 stolperte Patrick Tambay in der Mirabeau-Kurve über Martin Brundles Tyrrell. 1987 wurde Michele Alboretos Ferrari zum Flugzeug, als er auf der Steigung zum Casino hoch mit Christian Danners Zakspeed zusammenstieß. Und 2010 landete der Caterham von Jarno Trulli auf dem HRT von Karun Chandhok.

Alle reden von Michael Schumachers Parkmanöver 2006, das den vierfachen Monaco-Sieger zur Strafe den letzten Startplatz einbrachte, weil er damit Fernando Alonso die mögliche Pole Position klaute. Doch das unglaublichste Einparkmanöver lieferte 1992 Ivan Capelli in der Rascasse-Kurve ab. Der Italiener stellte seinen Ferrari im Rennen hochkant an die Leitplanke. Natürlich unfreiwillig.

Verkehrsstaus sind keine Seltenheit in den engen Straßen von Monte Carlo. 1990 staute es sich nach einem Crash zwischen Alain Prost und Jean Alesi in der Mirabeaukurve. 2000 hingen nach einer Kollision in der Startrunde acht Autos vor der Loews-Kurve fest. In beiden Fällen gab es einen Neustart. Das Nadelöhr war auch 2008 Schauplatz eines Staus.

Neun Grand Prix von Monaco wurden vorzeitig abgebrochen oder neu gestartet. 1975, 1984, 1990, 1995, 1996, 1997, 2008, 2011 und 2013. Vier davon wegen Überschreitens der Zweistunden-Regel (1975, 1996, 1997, 2008).

1981 wurde der Start um eine Stunde verschoben. Ein Feuer im Loews-Hotel war schuld. Das Löschwasser drang durch die Tunneldecke und setzte die Rennstrecke unter Wasser. Draußen war schönstes Sommerwetter.

1982 gab es einen Grand Prix, den keiner gewinnen wollte: Zuerst crashte Alan Prost in Führung liegend. Drei Runden vor Schluss. Dann drehte sich der neue Führende Riccardo Patrese in der Loews-Haarnadel, wurde angeschoben und fuhr an dritter Stelle weiter. Auch die nächsten Spitzenreiter kamen nicht ins Ziel. Andrea de Cesaris ging der Sprit aus. Im Ferrari von Didier Pironi versagte die Einspritzung. So siegte doch wieder Patrese. Ohne Teamchef Bernie Ecclestone. Der Brabham-Boss hatte aus Ärger über Patreses Dreher vorzeitig die Strecke verlassen.

Fotofinishs sind in Monaco keine Seltenheit. 2003 trennten 1,72 Sekunden die ersten Drei Juan-Pablo Montoya. Kimi Räikkönen und Michael Schumacher. 2012 kamen Mark Webber, Nico Rosberg, Fernando Alonso und Sebastian Vettel innerhalb von 1,343 Sekunden ins Ziel. 1992 rettete Ayrton Senna 0,215 Sekunden vor Nigel Mansell über den Zielstrich. 1979 endete Clay Regazzoni Aufholjagd 0,44 Sekunden hinter Sieger Jody Scheckter. Der elektrisierendste Zieleinlauf aber wurde 1970 geboten. Jochen Rindt fing den führenden Jack Brabham in der letzten Kurve der letzten Runde noch ab. Brabham ließ sich vom näherrückenden Lotus irritieren und rutschte untersteuernd in der Gasometer-Kurve in die Strohballen. Er kam mit beschädigtem Auto noch als Zweiter ins Ziel.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen einige Highlights aus der Monaco-Historie.

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