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Montezemolo-Kritik

"KERS war ein Fehler"

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Weniger Teams, unzufriedene Fans und GP-Absagen - die Formel 1 entwickelt sich nach Ansicht von FOTA-Chef Luca di Montezemolo in die falsche Richtung. Der Italiener forderte Maßnahmen von der FIA und den F1-Bossen.

18.12.2008 Michael Schmidt

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo liebt die großen Gesten. Und die starken Sprüche. Der Vorsitzende der neuen Teamvereinigung FOTA gilt aber auch als Architekt der jüngsten Sparpläne der Formel 1. Sein Wort hat Gewicht. Der frühere Ferrari-Rennleiter und Organisator der Fußball-WM 1990 in Italien ist einer der wenigen, die mit FIA-Präsident Max Mosley auf Augenhöhe reden können.

Die Ereignisse der letzten Wochen lassen den Schluss zu, dass die Teams unter dem Vorsitz von Montezemolo die Vorherrschaft in der Formel 1 übernommen haben. "Wir brauchen einen starken Verbandspräsidenten", sagt Montezemolo. "Er muss uns die Ziele vorgeben. Realistische Ziele. Die Teams legen dann den Weg dorthin fest." Da versteckt sich schon die erste Kritik an der Sportbehörde. Zu oft habe sie ihre Entscheidung nicht richtig überdacht, zu oft die Regeln ohne Grund geändert.

Hybrid-Zeitplan stimmt nicht
 
"KERS war ein Fehler. Es muss unser Ziel sein, in diese Richtung zu entwickeln, denn wir können vor Themen wie Verbrauch und Umweltverträglichkeit nicht die Augen schließen", räumt Montezemolo ein, "nur der Zeitplan stimmt nicht. Es kommt zu schnell und zur falschen Zeit. Und es hat in seiner augenblicklichen Form nichts mit der Serienentwicklung zu tun. Wir sollten damit warten, bis es eine neue Motorenformel gibt. Nur im Paket macht KERS Sinn."

Ein Aufschub scheiterte am Veto von BMW. Montezemolo gibt sich gnädig. "Sie haben ihre Gründe dafür gehabt, und wir respektieren das. Wichtig ist, dass wir in Zukunft als Einheit auftreten. Die Formel 1 steht vor einer Zäsur. Da müssen wir Schritt für Schritt hin. Das geht aber nur, wenn wir alle zusammen in die gleiche Richtung arbeiten. In schwierigen Zeiten gilt das umso mehr." Der FOTA-Chef will die drei Parteien zusammenschweißen: "Die Teams, die FIA und die Rechteinhaber haben die Verpflichtung, diesen Sport in eine neue Ära zu führen. Wir müssen die Dinge antizipieren. Das geht nicht mit einer Diktatur oder Polemik."

Erste Antwort auf Kostenexplosion



Indirekt geht der Ferrari-Chef mit den Plänen der FIA hart ins Gericht. "Eine Formel 1 ohne technischen Wettbewerb gibt es für uns nicht. Bei einem Einheitsmotor hätte sich Ferrari zurückgezogen. Wir sind Teilnehmer, nicht Sponsor." Nach den Plänen der Teams sollen die Kosten bis 2013 auf das Niveau von 1990 sinken. Dass der erste Sparplan noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, weiß auch Montezemolo: "Es war eine erste Antwort auf die Krise. Jetzt müssen Schritt für Schritt weitere Maßnahmen folgen."

Man habe mit dem Motor angefangen. Als nächstes stehen die Aerodynamik, die Materialien und die Kraftübertragung auf dem Prüfstand. Auch Bernie Ecclestone bekommt sein Fett ab: "Bernie hat Großartiges für die Formel 1 geleistet. Aber die Welt ändert sich. Wir haben den Kontakt zu den Fans verloren. Es kann nicht sein, dass eine Weltreise billiger ist als ein Grand Prix-Besuch." Dann redet sich der ranghöchste Ferrari-Mann in Rage: "Im Fahrerlager herrscht eine Stimmung wie im Straflager, und wir tun nichts, um unseren Sport besser zu vermarkten."

Die Absage der Rennen in Frankreich und Kanada ist Montezemolo ein Dorn im Auge. "Wir müssen die Traditionsrennen im Kalender halten. Eine Formel 1-Weltmeisterschaft ohne einen GP USA ist nicht akzeptabel. Stattdessen fahren wir in Singapur auf einer Rennstrecke, auf der man besser joggt als mit Rennautos seine Runden zu drehen." Gleichzeitig fordern die Teams aber mehr Geld von den Rechteinhabern. Passt das zusammen? Irgendwie schon meint Montezemolo. Die Teams wollen ihren Anteil am Kuchen erhöhen, nicht von den Veranstaltern noch mehr Geld erpressen. "Es ist richtig, dass ein guter Kinofilm einen Regisseur und einen Produzenten braucht. Aber ohne Schauspieler geht es auch nicht."

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