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Montoya

Absichtliche Unfälle?

Foto: dpa 49 Bilder

Die Beteuerungen von Juan Pablo Montoya, er wolle alles tun, um McLaren-Mercedes und Kimi Räikkönen zum Titel zu verhelfen, mag im Fahrerlager nicht jeder glauben. Der Kolumbianer arbeitet heftig an seiner eigenen Demontage.

13.09.2005

Die TV-Bilder in Spa zeigten nur zwei austrudelnde Autos mit abgeknickten Rädern. Der McLaren-Mercedes von Juan Pablo Montoya war hinten zerdeppert, beim Williams-BMW von Antonio Pizzonia hing ein Vorderrad am stählernen Faden. Der Fall schien klar: Pizzonia hatte Montoya torpediert. "Juan Pablo war schuldlos" verkündete Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Ganz so eindeutig ist der Fall aber doch nicht. Während McLaren-Chef Ron Dennis die Version präsentierte, Pizzonia (auf Slicks) habe Montoya (Intermediates) passieren lassen und sei ihm eine Kurve später ins Heck gerauscht, erzählt der betroffen Pizzonia eine ganz andere Version: "Ich war mit Slicks deutlich schneller als Juan Pablo und habe zu ihm aufgeschlossen. Er hat überraschend früh gebremst ich musste ausweichen und bin auf den nassen Teil der Strecke geraten. Dann hat er mir die Tür zugehauhen." Die Ansicht der Schäden ergab, dass der Williams dem McLaren nicht mittig ins Heck geknallt war sondern seitlich.

Misstrauen im Team

Auch wenn Montoya beteuert, er fahre für das Team und tue alles, um McLaren und Räikkönen zum Titel zu verhelfen, haben viele im Fahrerlager Zweifel an der Wahrheit dieser Aussage. Selbst bei McLaren ist man misstrauisch geworden. Nach der Kollision mit Tiago Monteiro in Istanbul und dem anschließenden Abflug Montoyas, der Fernando Alonso zum zweiten Rang verhalf, sagte Geschäftsführer Martin Whitmarsh: "Wir müssen uns das Auto erst mal genauer anschauen."

Zuvor hatte Montoya behauptet, sein Diffusor sei völlig zerstört gewesen, daher habe er dieKontrolle über sein Auto verloren. Kollege Felipe Massa schüttelt den Kopf: "Bei einem kaputten Diffusor hätte er Übersteuern bekommen müssen, aber er rutschte untersteuernd von der Strecke. Er war schlicht zu schnell." Fakt ist: Eine Untersuchung des McLaren-Hecks ergab lediglich zwei kleine Risse in der hinteren Aerodynamik. Montoyas Leitwerke waren gut genug, um im letzte Umlauf noch die drittschnellste Runde des Rennens zu fahren.

Im Pressezentrum der Formel 1 wird Montoya schon als Alonsos bester Helfer betitelt. Mancher Insider traut dem Kolumbianer zu, seine Rennen absichtlich zu vergeigen, um in jedem Fall zu verhindern, dass sein Teamkollege Kimi Räikkönen Weltmeister wird. In den letzten drei Rennen koste Montoya Räikkönen vier Punkte, in der Konstrukteurswertung läge McLaren-Mercedes eigentlich an der Spitze. Nach Spa sind es weiterhin sechs Zähler Rückstand.

Montoya: Demontage alle zwei Wochen

Sollten die Verschwörungstheoretiker recht haben, erweist sich Montoya einen Bärendienst. Die Dominanz des Finnen ist an jedem zweiten Wochenende klar erkennbar. Abgesehen vom Rennen in Montreal war Montoya im teaminternen Duelle immer zweiter Sieger. Darüber kann auch die ein oder andere Pole Position des Südamerikaners nicht hinwegtäuschen. In Monza war Räikkönen in der Qualifikation zwei Zehntelsekunden schneller, obwohl er für 17 Kilogramm mehr Benzin an Bord hatte - ein rechnerischer Zeitverlust von sieben Zehnteln.

Der angebliche Tennisunfall und zwei verpasste Rennen im Frühjahr lassen sich noch unter Pech abbuchen, ebenso, dass Montoya zu früh wieder einstieg und drei Grand Prix nur mit Schmerzmitteln bestreiten konnte. Unentschuldbar dagegen Aussetzer wie ein absichtliches Revanchefoul gegen Ralf Schumacher im Training von Monaco, bei dem Jacques Villeneuve und David Coulthard in die Planken rauschten. Unnötig der Abflug in der Qualifikation von Hockenheim. McLaren ging ein sicherer Sieg verloren.

Ebenso sinnlos die beiden Kollisionen von Istanbul und Spa. Abgesehen von RTL-Experte Niki Lauda schüttelten sämtliche Ex-Profis im Fahrerlager den Kopf. "Ich muss doch vor allem die Aufgabenstellung im Kopf haben" sagt Christian Danner. Es ging um die Sicherung des Doppelsieges. Als Zweiter hätte Montoya den überrundeten Pizzonia bequem passieren lassen können. Der ausgeschiedene Brasilianer wunderte sich nach dem Crash über seinen südamerikanischen Kollegen: "Der war nicht mal sauer."

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