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Motoren alleine Schuld?

Red Bull und McLaren zu langsam

Oliver Turvey - McLaren - Barcelona-Test - 12. Mai 2015 Foto: xpb 35 Bilder

Red Bull-Renault und McLaren-Honda sind in Barcelona ihren eigenen Erwartungen hinterhergehinkt. Beide Teams versteckten sich hinter der mangelnden Motorleistung. Doch eine Analyse zeigt, dass ein Teil des Rückstandes auch von den Autos kommt.

19.05.2015 Michael Schmidt

Red Bull und McLaren reisten mit großen Upgrades nach Barcelona. Die einen brachten ihre kurze Nase, die anderen neue Flügel. Trotzdem fehlten Red Bull im Q2 1,5 Sekunden auf Mercedes. Bei McLaren waren es sogar 2,6 Sekunden. Mehr als in den letzten Rennen. Red Bull bekommt im Kampf um Platz 4 hinter Mercedes, Ferrari und Williams Gegenwind von Toro Rosso und Lotus. McLaren zog vom Speed her an Force India und Sauber vorbei.

Red Bull und McLaren erwecken gerne den Eindruck, als würde der gesamte Rückstand zu Lasten des Motors gehen. Dabei setzten Renault und Honda in Barcelona neue Antriebseinheiten ein. Renault die vierte, Honda die dritte. Honda gab dank Modifikationen im Motor drei Prozent mehr Leistung frei. Also rund 25 PS. Damit dürfte das Defizit zu Mercedes und Ferrari auf 50 PS geschrumpft sein. Renault nahm aus Sicherheitsgründen Leistung zurück. Aus dem Red Bull-Lager war von einer 80 PS-Lücke zu den Top-Motoren zu hören.

Red Bull in Sektor 3 so schnell wie Ferrari

Die Top-Speedwerte im Training deuten in diese Richtung. Die Red Bull- und Toro Rosso-Piloten landeten auf den Plätzen 15, 16, 17 und 19. Höchste gemessene Geschwindigkeit waren die 322,3 km/h von Daniil Kvyat. McLaren kam auf die Ränge 13 und 14. Fernando Alonso wurde mit 326,9 km/h gestoppt. Die Autos mit Mercedes- und Ferrari-Motoren lagen zwar vorne, aber nicht mit einem Abstand, der auf ein so massives PS-Manko hinweisen würde, wie es Red Bull und McLaren durchblicken ließen. Felipe Massa kam im Williams-Mercedes auf 334,2 km/h.

Der Motor spielt in Barcelona nicht die Hauptrolle. Deshalb ist zu vermuten, dass bei Red Bull und McLaren auch die Aerodynamiker noch Nachholbedarf haben. Daniel Ricciardo verlor als Schnellster im Red Bull-Camp im kurvenreichen Sektor 3 fast eine halbe Sekunde auf Nico Rosberg. Aber der Australier war praktisch gleich schnell wie Vettel. Was zeigt, dass der Red Bull in den Kurven besser als auf der Geraden ist. Alonso büßte 9 Zehntel auf Rosbergs Sektor-Bestzeit ein. McLaren muss also auch beim Auto noch richtig nachlegen.

McLaren beim Test schneller als beim Rennen

Sicher ist, dass die neuen Aero-Pakete der beiden Teams nicht so funktioniert haben, wie sie sollten. Jenson Button bezeichnete sein Auto am GP-Wochenende als unfahrbar. Das Heck generierte null Grip. Offenbar lag es an der Abstimmung. Am zweiten Testtag kam Button auf 1.26,9 Minuten. Acht Zehntel schneller als die beste McLaren-Zeit beim GP Spanien. Bei gleich heißen Bedingungen. Es zeigte sich wieder einmal, was Button schon seit Saisonbeginn predigt: "Die Aerodynamikphilosophie ist so neu für uns, dass wir erst einmal Erfahrungen damit sammeln müssen."

Bei Red Bull gab es zur Einführung der neuen Nase selbst intern kritische Stimmen. Daniel Ricciardo sah in der händeringend herbei gesehnten Modifikation noch keine Geheimwaffe. "Ich habe mir mehr versprochen. Bis jetzt sehe ich keinen Fortschritt." Teamberater Helmut Marko bilanzierte: "Unser Chassis hat noch nicht das abgeliefert, was wir erwartet haben. Die Testfahrten müssen zeigen, ob es am Setup gelegen hat, oder ob es ein grundsätzliches Problem gibt."

Das steckt hinter Red Bulls Kurznase

Red Bulls neue Nase ist im Vergleich zum Vorgängermodell um rund zehn Zentimeter kürzer. Sie überlappt kaum noch das Hauptblatt des Frontflügels. Die Vorteile liegen auf der Hand. Weniger Strömungsinterferenzen zwischen Nase und Frontflügel, mehr Luftdurchsatz Richtung Diffusor, eine bessere Kontrolle der Luftwirbel, die vom Flügel produziert werden.

Es gibt zwei Konzepte, die Luft sauber unter der Nase durchzuleiten. Entweder extrem lang wie Ferrari und McLaren, oder extrem kurz wie Mercedes und Red Bull. Eine lange und tiefe Nase, die über den Flügel hinausragt, fängt die Strömung früh auf und hält sie schön unter dem Chassis. Eine kurze mit geringer Überdeckung verhindert, dass sich die Luft zwischen Nase und Flügel staut und dann unkontrolliert nach allen Seiten ausbricht.

Red Bull hofft, dass die Nase erst der Anfang ist. Sie war von Anfang an Teil des Aerodynamikkonzepts des RB11. Auf den Strömungsverlauf hinter der Kurznase war das restliche Auto ausgerichtet. Jetzt werden weitere Modifikationen folgen. Erst dann wird sich zeigen, ob Red Bull auf dem richtigen Weg ist. Auf mehr Motorleistung wird der Vize-Weltmeister des Vorjahres wohl noch länger warten müssen. Das könnte bei Honda schneller gehen.

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