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Motorenpoker um Red Bull

"Wir nehmen keine B-Spec Motoren"

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Singapur - 18. September 2015 Foto: xpb 61 Bilder

Red Bull hat nach der Trennung von Renault zwei Optionen. Mercedes oder Ferrari. Viele glauben, dass Mercedes gar nicht mehr zur Wahl steht, und dass es bei Ferrari nur Motoren zweiter Klasse gibt. Red Bull-Berater Helmut Marko stellt klar: "Wir nehmen keine B-Spec-Motoren. In diesem Fall wären wir weg."

18.09.2015 Michael Schmidt

Sieben Monate vor dem Beginn der Formel 1-Saison 2016 stehen Red Bull und Toro Rosso ohne Motoren da. Zumindest bei Red Bull ist keine große Eile im Spiel. Red Bull-Teamchef Christian Horner sieht es fatalistisch: "Irgendeiner muss uns Motoren geben. Oder die Formel 1 riskiert, dass sie zwei Teams verliert."

Die Optionen sind überschaubar: Mercedes oder Ferrari. Teamberater Helmut Marko nimmt kein Blatt vor den Mund: "Mercedes ist scheinbar nicht erfreut, uns einen Motor zu geben." Nur scheinbar? "Es gibt da einen, der schießt gegen uns."

Marko meint Teamchef Toto Wolff. Niki Lauda wiegelt ab: "Es gab nie eine offizielle Anfrage von Red Bull." Soll heißen. Weder Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz noch Teamchef Christian Horner haben bei Mercedes eine Anfrage deponiert. Im Fahrerlager erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand. "Mateschitz ist kein Mercedes-Fan. Er will bei denen nicht betteln gehen."

Marko lobt Ferrari

Also Ferrari? Marko lobt die Italiener: "Sie haben große Fortschritte gemacht. Von der Chemie würden sie besser zu uns passen." Doch glaubt einer ernsthaft, Ferrari würde Red Bull mit Motoren der letzten Ausbaustufe versorgen und sich so der Gefahr aussetzen, von einem Kunden geschlagen zu werden?

"Herr Marchionne ist ein Kämpfer. Er traut sich zu, gegen uns zu gewinnen", stichelt Marko in Richtung Mercedes. Nimmt man dort aus Angst vor dem Feind lieber Manor als Red Bull? "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Von Manor gibt es eine Anfrage. Wenn wir einem kleinen Team helfen können, tun wir das", erwidert Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Bei allen Freundlichkeiten gegenüber Ferrari, in einem Punkt bleibt Marko hart: "Wir nehmen keine B-Spec-Motoren. In diesem Fall wären wir weg. Ich mache dann Forstwart bei mir im Wald." Red Bull ist deshalb gegen eine Regeländerung, wonach Motorenhersteller alte Antriebseinheiten auf dem Markt werfen dürfen. Die FIA kann mittlerweile genau prüfen, ob es Motoren erster und zweiter Klasse gibt. "Die Drehmomentsensoren sind ziemlich exakt", sagt Horner.

Red Bull hat FIA-Präsident Jean Todt und Bernie Ecclestone damit konfrontiert, dass Red Bull nicht um jeden Preis in der Formel 1 bleiben wird. Es gibt die klare Warnung, dass die Formel 1 zwei Teams verlieren könnte, die gut finanziert sind, die den größten Marketingaufwand betreiben und junge Fahrer in die Königsklasse gebracht haben.

Nicht alle lassen sich dadurch beeindrucken. Eine Stimme aus dem Fahrerlager: "Red Bull kann nicht einfach so einen Motorenvertrag aufkündigen und dann fordern, das zu bekommen, was man sich wünscht. Es war ein bisschen blauäugig, sich mit Renault auseinanderzuleben ohne einen Ersatz zu haben. Das ist wie Fahrradfahren in der Nacht ohne Licht."

Ist Audi die große Unbekannte?

Noch ist nicht ganz klar, welches Spiel Red Bull spielt. Man kann nur vermuten, dass es am Ende auf einen kleinen Erpressungsversuch hinausläuft. Red Bull hat bei dem Poker mehr Spielraum als Toro Rosso. "Red Bull kann von den Maschinen und den Leuten relativ spät damit beginnen, ein neues Auto zu bauen. Wir hätten zwar lieber morgen einen Vertrag, aber Dezember ginge schlimmstenfalls auch noch", sagt Marko. Er gibt aber auch zu: "Toro Rosso muss es deutlich früher wissen."

Mercedes steht Red Bull auch deshalb reserviert gegenüber, weil es Gerüchte gibt, dass die Österreicher 2017, spätestens aber 2018 eine eigene Lösung haben. Da besteht wie bei McLaren vor einem Jahr die Gefahr von Technologietransfer. Die Branche tippt natürlich auf Audi, obwohl aus Ingolstadt immer wieder Signale kommen, dass die Formel 1 in den nächsten 3 Jahren kein Thema ist. Erstens, weil Audi erst einmal kräftig in die Infrastruktur investieren müsste. Zweitens, weil sich der VW-Konzern ein massives Sparprogramm verordnet hat. Da wäre die Formel 1 ein falsches Signal.

Mateschitz hat sich am Samstag nach dem GP Italien mit Audi-Vertretern getroffen . Vielleicht gibt es ja auch eine Abkürzung zu Motoren aus dem VW-Konzern. Indem man einen Teil der Entwicklungskosten selbst trägt. Und Audi die nötige Infrastruktur besorgt.

Die Gerüchtebörse bringt Cosworth ins Spiel. Die Motorenschmiede aus Northampton gehört heute dem Kolbenhersteller Mahle (Technology) und Kevin Kalkhoven (Racing). Bei Cosworth müssten aus Sicht von Mercedes alle Alarmglocken klingeln. Der Firmensitz liegt nur 30 Kilometer von der eigenen Motorenfabrik in Brixworth entfernt. Das macht es um ein Vielfaches leichter, gute Leute abzuwerben.

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