Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Motorseuche bei Renault

Zwei Motorschäden, zwei Punkte

Daniil Kvyat - Formel 1 - GP China 2015 Foto: xpb 60 Bilder

Red Bull ging mit großen Hoffnungen in den GP China. Doch Teil eins der Aufholjagd endete in Tränen. Motorschäden kosteten Max Verstappen und Daniil Kvyat WM-Punkte. Daniel Ricciardos neunter Platz war kein Trost. In Paris herrscht jetzt Alarmstufe 1.

12.04.2015 Michael Schmidt

Die China-Bilanz der Red Bull-Teams ist niederschmetternd. Vier Autos, zwei WM-Punkte, zwei Motorschäden, dazu drei Fahrer, die bereits mit der dritten von vier Antriebsquellen antreten müssen. Renault klaubte nach dem Grand Prix die Scherben einer unglaublichen Defektserie auf.

Daniil Kvyat und Max Verstappen scheiterten am gleichen Defekt. "Das hatten wir im letzten Jahr schon einmal und auch zuvor in dieser Saison. Es ist eine Schwachstelle, die wir kennen, und die wir schleunigst abstellen müssen", verrät Sportdirektor Cyril Abiteboul. Es handelt sich offenbar um einen anfälligen Stirnradsatz. Wie bei Ricciardo in Melbourne. Ob Renault bis zum GP Bahrain die nötigen Modifikationen anbringen kann, steht noch nicht fest. Und wenn nicht? "Augen zu und durch. Was sollen wir sonst tun?", fragt Teamchef Christian Horner verzweifelt.

Motorwechsel vor dem Start

Daniel Ricciardo wäre beinahe ebenfalls ausgefallen. Er hatte Glück, dass Renault-Ingenieure in der Nacht vor dem Grand Prix alarmierende Werte in der Telemetrie erkannten. Sein V6-Turbo wurde am Sonntagmorgen getauscht. "Wir müssen das Triebwerk in Paris checken, ob es noch zu retten ist."

Das Problem war dabei aber ein anderes als bei Kvyat und Verstappen. Erhöhter Druck im Kühlsystem lässt auf die Wiederholung eines neuen Leidens schließen: Risse in den Laufbuchsen. Mercedes hatte das Problem bei den Wintertestfahrten ebenfalls. Es ist ein Thema, an dem alle Motorenhersteller arbeiten. Mehr Drehzahl, höherer Ladedruck, ein breiteres Drehzahlband erhöhen die Druckimpulse auf Kolben und Laufbuchsen.

Bald drohen Strafen für Kvyat, Ricciardo und Verstappen

Es brennt an allen Ecken und Enden. Bei Red Bull und Toro Rosso gibt man sich keinen Illusionen mehr hin. Die Fahrer werden sich bald Strafen einhandeln, weil das Motorenkontingent fast ausgereizt ist. Trotzdem stellt Renault den Einsatzplan nicht um.

Red Bull und Toro Rosso akzeptieren lieber eine Strafversetzung in der Startaufstellung für die fünfte Antriebseinheit, statt sich jetzt mit gedrosselter Leistung mit den zwei noch verbleibenden Triebwerken über die Saison zu hungern. "Wir haben letztes Jahr mit Vettel gesehen, dass man dabei trotzdem noch in die Punkte fahren kann", erinnert Marko an den GP USA in Austin.

Der Motorenschwund zieht noch ein zweites Problem nach sich. Bis zum dritten Motor konnte Renault noch keinen seiner 12 Entwicklungs-Token einbauen. Was aber nicht Priorität hat, wie Abiteboul betont. "Wir haben die Fahrbarkeit stark verbessert. Das brachte eine halbe Sekunde in der Rundenzeit. Bis zum sechsten Rennen in Monaco muss unsere Antriebsquelle auch standfest sein. Erst dann können wir mit dem Entwicklungsprogramm beginnen. Jetzt irgendetwas am Motor zu ändern um des Änderns willen, macht keinen Sinn. Erst kommt die Zuverlässigkeit, dann die PS."

Zu viele Baustellen auf einmal

Abiteboul will nichts beschönigen. Er weiß, dass in Paris Druck auf dem Kessel ist. "Wir mussten in kurzer Zeit so viele Probleme lösen, dass dieaktuelle Schadensquelle vernachlässigt worden ist. Aber wir kennen die Lösung dazu." Und warum waren die nötigen Modifikationen nicht schon in den zweiten Motoren eingebaut? "Weil wir die zweiten Motoren früher bringen mussten als geplant. Sie kamen dann natürlich aus dem gleichen Los wie die ersten."

Renaults Motorseuche erreichte Red Bull zum falschen Zeitpunkt. Der Vize-Weltmeister des Vorjahres hatte gerade erste Schritte für eine Aufholjagd begonnen. Modifikationen am Frontflügel und an den Bremsen verbesserten das Auto beim Einlenken und die Balance in schnellen Kurven. Die harmonischere Leistungsentfaltung verbesserte die Traktion.

Die Fahrer haben wieder Vertrauen in ihren RB11. Das Leistungsdefizit zwischen Prüfstand und Realität kann sich Renault auch nicht erklären. Abiteboul zweifelt aber, ob es so groß ist, wie von Red Bull angegeben. "Prüfstandsmessungen sind bei diesen komplexen Motoren immer mit Fehlern behaftet. Wir trauen den Drehmomentsensoren nur bedingt. Unser Maßstab ist die Rundenzeit. Und wenn wir die hernehmen, ist das PS-Defizit zu unseren Mitbewerbern nicht so groß wie kommuniziert."

Kettenhund Marko gab sich nach der Pleite von Shanghai ungewohnt milde: "Wenn Leistung fehlt und dann noch Standfestigkeitsprobleme dazukommen, macht das die Aufgabe doppelt schwer. Wir müssen jetzt die Probleme so schnell wie möglich, aber solide gemeinsam lösen."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden