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Mysteriöse Probleme in Melbourne

Falsches Signal bremste Ferrari

Kimi Räikkönen - GP Australien 2014 Foto: xpb 24 Bilder

Ferrari hängt das Thema nicht an die große Glocke. Aber die roten Autos wurden in Melbourne durch zwei Probleme gebremst, die Fernando Alonso möglicherweise einen dritten Platz gekostet haben. Der Fall ist so mysteriös wie kompliziert. Alles dreht sich um ein falsches FOM-Signal in der Standard-Elektronik.

27.03.2014 Michael Schmidt

Ferrari fehlten beim Saisonauftakt in Melbourne 35 Sekunden auf Sieger Nico Rosberg. Es hätte weniger sein können. Doch die roten Autos wurden von zwei mysteriösen Problemen gebremst. Das könnte Fernando Alonso Platz 3 gekostet haben. Und Kimi Räikkönen eine bessere Platzierung.

Ferrari-DRS nur kurzfristig im Ruhestand

Der eine Aussetzer betraf DRS. Für einige Runden funktionierte an den Autos von Alonso und Räikkönen der Klappmechanismus des Heckflügels nicht, obwohl sie am Messpunkt weniger als eine Sekunde hinter dem vorausfahrenden Auto lagen. Nach Aussage von Ferrari-Elektronikexperte Dieter Gundel ist der Grund für dieses Phänomen bis heute nicht ganz geklärt.

Normalerweise messen Induktionsschleifen im Boden den Abstand zwischen zwei Autos. Irgendwie kam dieses Signal nicht bei den Autos mit den Startnummern 7 und 14 an. Das kann passieren. Dann darf das Team mit Erlaubnis der Rennleitung das System überschreiben. So weit kam es jedoch nicht, weil der Klappmechanismus plötzlich wieder funktionierte.

Beim Start keine Elektro-Power bis 100 km/h

Das zweite Problem war ernster und noch mysteriöser. Ferrari konnte bis zum ersten Boxenstopp die Elektro-Power von der MGU-K entweder gar nicht oder in beschränktem Ausmaß abrufen. Und kurzfristig fiel sogar die Anzeige über den Benzinverbrauch aus.

Dazu muss man folgendes erklären. Die Standard-Elektronik erlaubt den Einsatz der 160 PS aus der Batterie-Reserve beim Start erst ab 100 km/h. Intern wird das so geregelt, dass der Computer in dem fraglichen Zeitraum entsprechend weniger Drehmoment freigibt, als der Fahrer über das Gaspedal anfordert. Der Fachjargon nennt diesen Vorgang "De-rating". Außerdem sind in der Startrunde noch einige andere Einstellungen am Lenkrad gesperrt.

FOM-Zeitsignal wurde auf null gestellt

Um diese Beschränkungen nach dem Start wieder aufzuheben, braucht die Standard-Elektronik ein Zeitsignal, das von der mit der für die Zeitnahme beauftragte FOM (Formula One Management) bereitgestellt wird. Dieses Signal steht beim Start auf Null und beginnt ab dem Zeitpunkt zu zählen, an dem die Startampel auf Grün springt. Aus irgendeinem Grund wurde die sogenannte Renn-Zeit bei den beiden Ferrari und einigen anderen Autos kurz nach dem Start auf Null gestellt.

Die Standardelektronik musste also glauben, dass ein neuer Start erfolgt, sperrte die Power-Abgabe durch die MGU-K und aktivierte zusätzlich den "De-rating"-Prozess. Für Alonso wirkte sich das wie folgt aus. Der Spanier hatte einen Bombenstart. Bei 100 km/h lieferte die MGU-K wie geplant 160 Zusatz-PS. Sekundenbruchteile später, bei 144 km/h, wurde die Uhrzeit genullt und die Power war plötzlich weg. Deshalb verlor Alonso eine Position an Nico Hülkenberg und auch Räikkönen sackte ab.

Erst beim Boxenstopp gab es einen Reset

Während der ersten elf Runden trat das Problem der Uhr-Rückstellung immer wieder auf. Ferrari behalf sich dadurch, dass man den Fahrern sagte, den Überholknopf zu drücken, der gar kein Überholknopf mehr ist, sondern nur die einprogrammierte Power-Abgabe durch die Elektromotoren auf Wunsch des Fahrers außer Kraft setzt.

So konnte Ferrari die Blockade wenigstens auf den Geraden überschreiben. "Aber uns fehlte natürlich die Elektrokraft zu Beginn der Beschleunigung, weil der Überholknopf erst eine Sekunde nach dem Beschleunigungsvorgang bei mindestens 99 Prozent Gaspedalstellung wirksam ist", erklärte Gundel. Das Problem löste sich erst beim ersten Boxenstopp. Da machte das System automatisch einen Reset und übernahm die richtige Renn-Zeit.

Zeitweise hatte Ferrari null Benzin verbraucht

Die Aussetzer sorgten auch bei der Verbrauchskalkulation für Verwirrung. "Wir bekamen plötzlich angezeigt, dass wir null Sprit verbraucht hatten, zu einem Zeitpunkt da schon 20 Kilogramm verbrannt sein mussten." Am Ferrari-Kommandostand wurde hektisch hochgerechnet, wie der Benzinstand tatsächlich war.

Man war auf eigene Messungen mit dem von der FIA angegebenen Korrekturfaktor angewiesen. Deshalb konnte Alonso auch nicht so Druck machen wie er wollte. Man musste sich in den Phasen der Ungewissheit ein bestimmtes Sicherheitspolster schaffen.

Software weniger sensibel bei falschen Zeitsignalen

Beim GP Malaysia sollten die Probleme nicht mehr auftauchen. Mclaren Electronic Systems (MES) hat auf Anweisung der FIA die Software der Standard-Elektronik so umgeschrieben, dass sie auf ein fehlerhaftes FOM-Zeitsignal nicht mehr so rigoros reagiert. Würde jetzt eine Nullstellung nach Beendigung der Startphase auftreten, gäbe die MGU-K trotzdem ihre volle Power ab.

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