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Nelson Piquet Sr.

"Flavio hat nicht fair gespielt"

Formel 1, Grand Prix Ungarn 2009, Hungaroring, 26.07.2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 56 Bilder

Nelson Piquet senior tauchte zum ersten Mal seit dem Auffliegen des Singapur-Skandals wieder im Fahrerlager auf. Der dreifache Ex-Weltmeister stellte sich allen Fragen zu dem manipulierten Grand Prix des Vorjahres, bei dem sein Sohn Nelson junior eine Hauptrolle spielte.

16.10.2009 Michael Schmidt

Wo ist Ihr Sohn Nelsinho?
Piquet: Er fährt in Monaco gerade ein Kartrennen.
 
Wie groß sind die Chancem, dass er nächstes Jahr in einem Formel 1-Auto sitzt?
Piquet: Das wird sehr schwierig. Es gibt wegen der Geschichte Vorbehalte gegen ihn. Doch die Leute sehen jetzt am Beispiel Grosjean bei Renault, dass Nelsinho kein schlechter Fahrer ist. Sie vergessen auch, dass er die beste erste Saison von allen Brasilianern in der Formel 1 hingelegt hat. Unter schwierigen Umständen, denn der Renault war auch 2008 kein Top-Auto, und Alonso ist der beste Fahrer im Feld. Nelsinho hat 19 Punkte und einen zweiten Platz geholt. Dass ist in der ersten Saison weder Senna, Fittipaldi, Barrichello noch mir selbst gelungen.

Wenn Sie die Wahl hätten: Würden Sie den Skandal noch einmal bei der FIA anzeigen?
Piquet: Auf jeden Fall.
 
Warum haben Sie überhaupt die Sache nach einem Jahr ins Rollen gebracht?
Piquet: Das war nicht ich, sondern Nelsinho. Die Kündigung war ein Vertragsbruch, und sie war nicht fair. Briatore wusste genau, dass er Nelsinhos Karriere zerstört, wenn er ihn mitten in der Saison rauswirft. Wer nimmt schon einen Fahrer, dem gekündigt wurde? Nelsinho stand danach vor der Wahl: Soll ich mir das gefallen lassen oder soll ich Flavio mit gleicher Münze zurückzahlen? Er hat sich für die zweite Lösung entschieden.
 
Warum haben Sie das Team nicht auf Vertragsbruch verklagt?
Piquet: Das war bei der Konstellation, wie sie bei Renault herrscht, nicht möglich. Die Fahrer sind bei Flavios Managementpool angestellt, nicht bei Renault. Ich hätte das Team also nicht verklagen können, weil Nelsinho nicht bei Renault angestellt war. Und was soll ich gegen Flavios Firma unternehmen? Das sitzt irgendwo auf den Cayman Islands. An die kommen sie gar nicht ran.
 
Warum? Der Vertrag hat Briatore die Möglichkeit gegeben, Nelsinho zu kündigen.
Piquet: Das stimmt, aber nicht unter diesen Voraussetzungen. Die Kündigungsmöglichkeit hing von Resultaten im Vergleich zu Alonso ab. Wie kann ich die Resultate von zwei Fahrern miteinander vergleichen, wenn in vier Fällen Alonso ein Auto hatte, das wegen Neuentwicklung um drei bis vier Zehntel schneller war? Wie kann ich zwei Fahrer vergleichen, wenn der eine doppelt so viel testet wie der andere? Der Vertrag ging von gleichen Bedingungen aus. Die gab es nicht. Nelsons Schwäche lag in der Qualifikation. Das Team wusste das. Trotzdem ließ man ihn in den freien Trainingssitzungen immer mit vollen Tanks fahren und hat kurz vor der Qualifikation neue Bremsen eingebaut, die die Balance des Autos durcheinander gebracht haben. Wenn ich weiß, dass mein Fahrer ein Problem hat, aus dem Stand eine schnelle Runde zu fahren, dann lege ich ihm doch nicht solche Steine in den Weg. Jetzt machen sie mit Grosjean das gleiche. Der Junge hat gar keine Chance, gut auszusehen. Es geht heute im Training um jedes Zehntel, weil alle so eng zusammenliegen. Zwischen Renntrim und Qualifikationstrim liegen Welten. Das ist eine andere Kategorie Auto. Da muss ich doch dem Fahrer eine optimale Vorbereitung auf diese Disziplin ermöglichen.
 
Haben Sie Ihren Sohn nicht gewarnt, dass er mit seiner Enthüllung seine Karriere vielleicht ganz zerstört?
Piquet: Ich habe zu Nelsinho nicht gesagt: Geh zur FIA und erzähle alles. Ich habe ihm die guten und die schlechten Seiten einer solchen Aktion erklärt. Um sein Gewissen zu erleichtern, war es sicher gut. Aber er hat auch mit dem Feuer gespielt. Wir wussten nicht, wie die FIA auf eine solche Sache reagieren würde. Heute muss ich sagen, dass ich Max Mosley sehr korrekt verhalten hat. Sie haben dafür gesorgt, dass im Motorsport fair gespielt wird.
 
Ist die Strafe für Briatore gerecht?
Piquet: Es geht nicht, dass einer mit seinen Praktiken Motorsport betreibt. Für Flavio war die Formel 1 nie Sport sondern immer nur Geschäft.
 
Briatore kennt Sie aus den Jahren 1990 und 1991. Wie konnte er glauben, dass Sie sich diese Behandlung gefallen lassen würden?
Piquet: Wenn die Leute zu mächtig werden, und wenn sie glauben, dass sie schlauer sind als alle anderen, dann denken sie nicht mehr logisch. Sie glauben, sie könnten sich alles erlauben.
 
Briatore droht Ihnen mit einer Klage. Haben Sie schon Post von seinem Anwalt bekommen?
Piquet: Bis jetzt noch nicht. Und da wird auch nichts kommen. Was hat er gegen mich in der Hand? Dass Nelsinho die Wahrheit erzählt hat? Das ich ihm ins Gesicht gesagt habe: Wenn du uns aufs Kreuz legen willst, dann können wir das auch.
 
Hätten Sie auf Befehl ein Auto gecrasht?
Piquet: Ich will Nelsinhos Tat nicht schönreden. Aber ehrlich gesagt, ich weiß nicht was ich in seinem Alter getan hätte, wenn mir mein damaliger Chef Bernie Ecclestone gesagt hätte: Du musst dem Team helfen. Vielleicht hätte ich es in einer ausweglosen Lage auch getan. Sie wissen ja nicht, wie Nelsinho an diesem Singapur-Wochenende psychisch unter Druck gesetzt wurde. Flavio wollte ihn bis zum Saisonende blockieren. Er hätte nirgendwo anders verhandeln dürfen und bis zum letzten Rennen warten müssen, bis ihm Briatore sagen würde, ob er ihn behält oder nicht. So ein Papier sollte er unterschreiben. Deshalb bin ich dieses Jahr zu jedem Rennen mitgekommen. Flavio war ziemlich sauer darüber, weil er wusste, dass er Nelsinho nicht mehr so manipulieren konnte, wenn ich vor Ort bin. Er war Nelsinhos Manager, und er hat versucht, ihn kaputtzumachen. Das war einfach nicht fair.

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