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Nelson Piquet

"Will Flavio gegen die Wahrheit klagen?"

Formel 1, Grand Prix Ungarn 2009, Hungaroring, 26.07.2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 56 Bilder

Nelson Piquet Senior sieht der Verleumdungsklage von Flavio Briatore gelassen entgegen. Der dreifache Ex-Weltmeister steht nach Briatores Rausschmiss bei Renault wie ein Sieger da. Wie nun bekannt wird, hatte Briatore seinen Fahrer die ganze Saison unter Druck gesetzt.

16.09.2009 Michael Schmidt

Nelson Piquet sitzt in Brasilien und verfolgt die heißeste Geschichte der Formel 1 aus 12.000 Kilometer Entfernung. Die von Flavio Briatore angekündigte Verleumdungsklage entlockt ihm nur ein müdes Lächeln: "Soll er mal machen. Ich habe das Geld, um mir die besten Anwälte zu leisten. Und gegen was will er eigentlich klagen? Gegen die Wahrheit?"

Die Kündigung von Briatore bei Renault gibt dem 57-jährigen Ex-Champion in der Sache Recht. Am kommenden Montag (21.9.) wird vor dem FIA-Weltrat die ganze Wahrheit auf den Tisch kommen. Nicht einmal mehr Renault selbst bestreitet die Vorwürfe der FIA. Piquet hatte ein Jahr lang gewartet, um Briatore der FIA auszuliefern. Der Vorwurf der Erpressung zieht bei ihm nicht: "Ich habe einem FIA-Mann von der Geschichte schon letztes Jahr erzählt. Die haben aber gesagt, dass sie nichts unternehmen könnten, solange mein Sohn nicht zu einer offiziellen Aussage bereit sei."

Piquet systematisch unter Druck gesetzt

Nach den Vorfällen in diesem Jahr war der Zeitpunkt gekommen. Dabei war die Kündigung nach dem GP Ungarn nur noch die Spitze des Eisbergs. Briatore hatte Piquet seit letztem Jahr systematisch unter Druck gesetzt. "Er kam mehrmals kurz vor dem Start eines Rennens und forderte mich auf, die Fristen für Optionen zu verlängern. Das hätte mir verboten, mit anderen Teams zu verhandeln. Ich wäre bis zum Ende der Saison blockiert gewesen", erzählt Nelsinho.
 
Auch in diesem Jahr betrieb Briatore seine Spielchen mit dem 23-jährigen Brasilianer. Als Piquet vor dem Start zum GP Deutschland Richtung Boxengarage aufbrach, eröffnete ihm sein Chef: "Das wird dein letztes Rennen." Nur um seinem zweiten Fahrer einen Tag später Hoffnungen zu machen, dass es noch ein Rennen Gnadenfrist gäbe. Piquet senior sprach Briatore in Budapest auf dieses Verhalten an: "Wieso zerstörst du einen jungen Fahrer, der noch dazu von dir gemanagt wird?" Die Antwort war niederschmetternd. "Flavio sagte mir, dass Fahrer für ihn nur Figuren in einem Geschäft seien."

Möglichkeit aus Briatore-Vertrag zu kommen

Nach Meinung von Piquet war die Kündigung seines Sohnes nach zehn Rennen rechtlich nicht gedeckt. "Ich konnte aber nicht mit dem Team darüber reden, weil Nelsinho bei Flavio angestellt war, und dessen Managementfirma hat wiederum einen Vertrag mit dem Team. Erst jetzt habe ich ein Druckmittel, wegen Vertragsverletzung aus der Nummer herauszukommen. Wenn beim Urteil des FIA-Weltrats die Vorwürfe bestätigt werden, habe ich eine Handhabe für einen Fall vor einem ordentlichen Gericht."

Piquet junior hätte noch in den nächsten 15 Jahren 20 Prozent seiner Einnahmen bei Briatore abliefern müssen. Die einzige Freiheit, die der Fahrervertrag ihm ließ, war die Wahl des Teams: "Die Entscheidung, für wen wir fahren wollen, liegt bei uns." Vor diesem Hintergrund fragt man sich, warum Briatore das Risiko einer vorzeitigen Kündigung von Piquet einging. Ihm musste klar sein, das die Gegenpartei über jedes Detail des getürkten Rennens in Singapur Bescheid wusste. Und er kennt den alten Piquet. Der lässt sich nicht so einfach über den Tisch ziehen wie die Geschäftspartner, mit denen Briatore sonst zu tun hat.

Briatore unterschätzt seine Gegner

Trotzdem ließ es der gefeuerte Teamchef von Renault auf eine Konfrontation ankommen, nur um sieben Rennen lang Ersatzpilot Romain Grosjean ausprobieren zu können. Nelson Piquet kann sich Briatores Poker nur so erklären. "Ab einem gewissen Punkt bekommen Leute wie Flavio soviel Macht, dass sie glauben, sie könnten über Wasser gehen. Er ist tatsächlich davon ausgegangen, dass ihm trotz der eindeutigen Beweislage niemand etwas anhaben kann."

Briatore hat vor allem auch eines unterschätzt: Dass FIA-Präsident Max Mosley und Bernie Ecclestone immer noch die mächtigsten Männer in diesem Sport sind. Und die haben ihren früheren Mitstreiter jetzt dafür büßen lassen, dass er als heimlicher Rädelsführer der FOTA versuchte, Mosley und Ecclestone zu entmachten. Ein Formel 1-Experte meinte: "Max und Bernie werden dafür sorgen, dass Flavio auch nicht mehr durch die Hintertür ins Formel 1-Fahrerlager zurückkommt."

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