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Neue Details zum Alonso-Unfall

McLaren-Lenkung war intakt

Alonso - Unfall - Test - Grafik - 2015 Foto: ams 24 Bilder

Der Crash von Fernando Alonso bei den Testfahrten in Barcelona wird vermutlich nie aufgeklärt werden. Trotzdem können viele Theorien ausgeschlossen werden. Auch die Erklärung des Unfallpiloten selbst erscheint beim Blick auf die Fakten wenig plausibel.

05.04.2015 Michael Schmidt

Schön, dass die moderne Technik noch Rätsel offen lässt. Es wäre ja auch langweilig, wenn sich alles erklären ließe. McLaren und die FIA haben den Unfall von Fernando Alonso am 22. Februar bei Testfahrten in Barcelona bis ins Detail untersucht, sie haben Fotos, Videos und Daten ausgewertet, das Auto und den Helm untersucht, die beteiligten Ärzte befragt. Und sie sind immer noch nicht in der Lage zu sagen: Das war es.

Sie können allerdings einige Unfalltheorien ausschließen. Zum Beispiel die von Fernando Alonso selbst. Der Spanier erzählte im Rahmen der Pressekonferenz in Malaysia: "Wir hatten definitiv ein Lenkungsproblem in der Mitte der Kurve 3. Die Lenkung blockierte auf Rechtseinschlag. Als ich die Mauer näherkommen sah, habe ich vom fünften in den dritten Gang geschaltet und gebremst.“ Das steht im krassen Gegensatz zu der Einlassung von McLaren, die behauptet hatten, es sei nichts am Auto gebrochen.

Nur Alonso kann Erklärung für Unfall liefern

auto motor und sport hat in den vergangenen Wochen viele Zeugen befragt, welche den Unfall selbst gesehen haben, das Video, die Unfallskizzen oder die Daten. Daraus ergibt sich ein relativ klares Bild vom Unfallhergang. Was offenbleibt ist die Frage nach dem Warum. Und die Antwort kann nur der Fahrer selbst liefern. Die Version, die Alonso in Malaysia zum Besten gab, kann so nicht stimmen.

Beginnen wir mit der Behauptung des Spaniers, die Lenkung sei festgegangen. Alle Personen, die Einblick in die Unfalldaten hatten, haben uns bestätigt. Das ist unmöglich. Die Daten zeigen eindeutig, dass mit der Lenkung alles in Ordnung war. Alonso hat nie versucht, nach links zu lenken. Dann hätten die Drehmomentsensoren am Lenkrad angeschlagen. Selbst bei blockierter Lenkung würde man sehen, ob der Fahrer Kraft aufgewendet hat, den Lenkeinschlag zu verändern.

Tatsächlich hat Alonso am Ende der Kurve sogar noch etwas weiter nach rechts eingeschlagen. Als auf die Rechtskurve die Gerade Richtung Kurve 4 folgte, bog das Auto logischerweise nach innen ab. Auch Alonsos erster Erklärungsversuch wird durch die Daten nicht erhärtet. McLaren hatte in einer Pressemitteilung seinen Fahrer dahingehend zitiert, dass sich die Lenkung schwer angefühlt habe. Es gab allerdings keinerlei Druckspitzen im Hydrauliksystem der Servolenkung.

Führte Schwächeanfall zu einer Fehlinterpretation?

Alonso ist entweder absichtlich in die Mauer gefahren, oder er war aus medizinischen Gründen nicht mehr in der Lage, von ihr wegzulenken. Da wir dem McLaren-Piloten keine Absicht unterstellen wollen, gehen wir von einem Schwächeanfall aus. Es muss nicht einmal ein echter Blackout gewesen sein, wie uns einer der Unfallexperten erklärte: "Wenn ihm schwarz vor Augen wird, schwinden seine Kräfte. Unter dem Eindruck fühlte es sich für ihn vielleicht wirklich so an, als sei die Lenkung immer härter geworden."

In der Unfalldarstellung gab es viele unterschiedliche Theorien. Die meisten waren falsch. Eine spanische Sportzeitschrift schloss aufgrund von Reifenspuren an der inneren Mauer, dass Alonso im Scheitelpunkt in Schwierigkeiten gekommen ist und dann noch innen abbog. Es waren die falschen Reifenspuren. Das Entscheidende spielte sich erst am Kurvenausgang ab.

McLaren brachte die Theorie auf, dass ihn der Seitenwind auf den Kunstrasen geweht haben könnte, und er dort das Auto verloren habe. Das wurde von Alonso bestritten. "Bei der Geschwindigkeit, die ich drauf hatte, hätte nicht einmal ein Hurrican das Auto aus der Bahn geworfen." Irreführend war auch die Meldung, dass Alonso angeblich schneller als zuvor in die Kurve eingebogen sei. Wir hören inzwischen aus verlässlicher Quelle, dass er in dieser 21. Runde mit 20 km/h weniger unterwegs war.

Auch Alonsos Vermutung, dass vielleicht eine Modifikation an der Lenkung die Erklärung sei, erscheint wenig glaubwürdig. McLaren baute bei ihm auf eigenen Wunsch lediglich die Lenkübersetzung um. Das zusätzliche Zahnrad war aber nicht beschädigt. Inzwischen fährt Alonso wieder die Standardvariante, die auch Button benutzt.

Keine Vollbremsung vor der Mauer

auto motor und sport hat aufgrund von Zeugenaussagen den Weg nachgezeichnet, den Alonso in der Unfallrunde durch Kurve 3 nahm (siehe Grafik). Bis zum Scheitelpunkt gleicht die Fahrspur der Ideallinie. Dann driftet der McLaren etwas weiter nach außen ab, ohne dabei aber den Kunstrasen auf der Außenseite entscheidend zu berühren. Was von einem Fotografen bestätigt wurde.

In dieser Phase schaltet Alonso drei statt wie von ihm behauptet zwei Mal runter und lenkt am Kurvenausgang sogar noch etwas stärker nach rechts. Er fährt die Kurve einfach weiter, als würde sie nie aufhören. Ab jetzt zeigt die Nase Richtung Mauer. Der McLaren steuert mit einer Geschwindigkeit von 135 km/h auf das Hindernis zu.

Bei dieser Geschwindigkeit hätte er locker noch die Fahrtrichtung ändern oder eine Vollbremsung einleiten können, aber nichts passiert. Das Bremsmanöver ist laut Datenaufzeichnung nur ein halbherziger Versuch. Augenzeugen, darunter auch der nachfolgende Sebastian Vettel, sprachen davon, dass der Unfall gar nicht wie ein Unfall aussah. Eher wie ein missglücktes Parkmanöver.

Alonso muss dabei nicht das Bewusstsein verloren haben. Vielleicht fühlte er sich nur unwohl. Er selbst sagt, dass er sich an alles erinnern könne. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem er den Funk ausgeschaltet und den Hauptschalter umgelegt hat. Warum er die Aufprallgeschwindigkeit und die Verzögerungswerte verschweigt, ist wiederum merkwürdig. Sie sprechen nicht gegen seine These, also hätte er sie durchaus verraten können.

Alonso aus Versehen zwei Mal sediert?

Der McLaren schlägt mit 105 km/h in die Mauer ein. Bei den beiden Kontakten wird das Auto mit 31 und 16 g verzögert. In den Ohrsensoren werden 18 und 8 g gemessen. Weil der Aufprall seitlich erfolgt und die Aufhängung intakt bleibt, wird die Kraft ungefiltert an den Kopf weitergeleitet. Deshalb die Gehirnerschütterung.

Bei der Bergung wird es wieder rätselhaft. An den Unfall kann sich Alonso klar erinnern. Ihm fehlen vier Stunden danach. Alonso antwortete auf die Frage nach der Bewusstlosigkeit wie folgt: "Es muss in der Ambulanz oder in der Notfallstation an der Strecke vor dem Helikopter-Transport passiert sein. Die Ärzte haben mir erklärt, das sei wegen der Medikamente, die mir verabreicht wurden, normal."

Inzwischen hört man Gerüchte, dass Alonso aus Versehen zwei Mal sediert wurde. Am Unfallort und im Streckenhospital. Die hohe Dosis würde erklären, warum die Erinnerung an den Crash erst mit Verzögerung zurückkam und warum es zwischen 14 und 18 Uhr ein großes schwarzes Loch gibt. Sie wäre auch ein Beleg dafür, warum der Patient dreieinhalb Tage im Krankenhaus verbracht hat. Man wollte offenbar sichergehen, dass Alonso wirklich nur eine Gehirnerschütterung davongetragen hat.

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