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Neuer Frontflügel rettet Red Bull

Red Bulls Monte Carlo-Geheimnis

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco 2013 Foto: Red Bull 20 Bilder

Am Donnerstag sah Red Bull nicht wie ein möglicher Sieger aus. Zwei Tage später lag die Pole Position in greifbarer Nähe. Hätte Sebastian Vettel beim Start beide Mercedes überholt, wäre ein Sieg möglich gewesen. Die Steigerung war auch einem neuen Frontflügel zu verdanken. Politisch hat Red Bull verloren. Man wünscht sich die 2012er Reifen zurück, bekommt sie aber nicht.

28.05.2013 Michael Schmidt

Am Donnerstag ging bei Red Bull nicht viel. Die Dauerläufe waren ganz ordentlich, doch auf eine Runde lagen Mark Webber und Sebastian Vettel nur auf den Plätzen 5 und 9. "Wir lagen eine Sekunde von der Bestzeit weg", analysierte auch Teamberater Helmut Marko.

Am Samstag drehte sich das Bild. Vettel und Webber fuhren sich in die zweite Startreihe. Für Vettel lag sogar die Pole Position im Bereich des Möglichen. Er verpasste sie um eine Zehntelsekunde, vermutlich weil er beim letzten Versuch auf eine zweite fliegende Runde verzichtete.

Der Red Bull RB9, der am Donnerstag noch Durchschnitt war, mutierte ab Samstag zu einem Siegerauto. Das war schon im letzten Jahr so. Doch während die Ingenieure 2012 nur die mechanische Abstimmung veränderten, kam diesmal auch noch ein bisschen Extraleistung aus der Fabrik dazu. Mark Webber deutete es an: "Adrian Newey und Peter Prodromou haben scharf nachgedacht und eine gute Lösung gefunden."

Buemi bringt neuen Red Bull-Flügel

Was Webber damit andeutete, war auf Twitter-Fotos zu sehen. Die zeigten Testfahrer Sebastien Buemi am Londoner Flughafen Heathrow mit Übergepäck. Der Schweizer, der zuvor auch noch 400 Monaco-Testrunden im Simulator abgespult hatte, gab zwei riesige Transportboxen als Handgepäck auf.

Man musste in der Boxengasse schon genauer hinschauen, um zu erkennen, was die geheimnisvolle Fracht enthielt. Äußerlich sah der Frontflügel aus wie immer. Doch auf der Unterseite war er völlig neu gestaltet. Unter anderem mit anders platzierten Luftleitblechen.

Das Problem des Red Bull liegt nämlich vorne. Deshalb kämpft Red Bull auch so eifrig um neue Reifen. Am liebsten hätte man die 2012er Konstruktionen zurück. Doch das wird nicht passieren. Weil die Konkurrenz gemerkt hat, welches Spiel Red Bull spielt. Und weil Pirelli auf Druck der FIA und der Red Bull-Konkurrenz nur die Außenschulter der Hinterreifen ändert. Damit ist Red Bull aber wenig gedient.

Ecclestone spottet: "Wie 19 Regenrennen"

Das Pirelli-Problem ist bekannt. Der neue Stahlmantel der Reifen erhitzt den Gummi unter bestimmten Umständen so stark, dass sich Teile der Lauffläche ablösen. Pirelli geriet dabei zwischen die Fronten der Teams. Red Bull sieht in den aktuellen Reifen den Grund dafür, dass sie nicht jedes Rennen gewinnen. Das Auto produziere zu viel Abtrieb für diese Reifen, heißt es aus dem Lager der Weltmeister. Man reduziert dabei die Qualität des Autos allein auf die Aerodynamik, und gibt den Reifen die Schuld, dass man mechanische Einstellungen fahren müsse, unter denen die Aerodynamik leide.

Mercedes bläst in das gleiche Horn, nur etwas weniger laut. Bernie Ecclestone spottet: "Die diesjährigen Pirelli-Reifen verlangen ein weich abgestimmtes Fahrwerk. Wie bei einem Regenrennen. Früher gab es eines pro Saison, jetzt haben wir dank Pirelli 19 davon. Ich habe Red Bull gesagt, dass sie ihr Auto einfach für Regen abstimmen sollen."

Red Bull braucht einen neuen Vorderreifen

Red Bull hat seine Reifenkritik geschickt verpackt. Die Klagen über den zu weichen Gummi sollen vom eigentlichen Problem ablenken, das Red Bull mit den 2013er Pirellis hat. Und das liegt in der Konstruktion der Reifen. Wegen der weicheren Seitenwände walken die Reifen mehr als im letzten Jahr. Weshalb alle an der Vorderachse die Bodenfreiheit erhöhen, um bei hohen Geschwindigkeiten vorne nicht aufzusetzen.

Grundsätzlich gilt: Jeder Millimeter, den man vorne tiefer fahren könnte, bringt Red Bull bei seinem Fahrzeugkonzept ein Zehntel. Wer sein Auto stark nach hinten anstellt wie Red Bull oder Mercedes, bekommt ein Problem.

Adrian Newey ist gezwungen, das Auto hinten noch höher zu setzen als üblich, weil es ja vorne schon höher steht als gewünscht. Das erschwert das Abdichten des Diffusors, da die Lücke zur Straße größer wird (siehe Technik-Feature in der Fotogalerie). Deshalb wurden im Vergleich zum Vorjahr Rollsteifigkeit und Radsturz erhöht, um das Kippen des Fahrzeugs bei Kurvenfahrt zu reduzieren. Und das killt im Dauerbetrieb die Reifen. Der neue Frontflügel sollte die Strömung nach hinten für höhere Bodenfreiheiten verbessern. Offenbar mit Erfolg.

Lotus hat Red Bull durchschaut

Die Reifen mit der 2012er Karkasse würden Red Bull das Leben trotzdem leichter machen. Die von Pirelli geplante Modifikation an der Reifenschulter hinten bringt Red Bull gar nichts. Das Problem sitzt vorne. Lotus und Force India haben das längst durchschaut. Deshalb lehnen sie alle Änderungen an der Konstruktion, die das Walkverhalten verändern, ab. Lotus-Besitzer Gerard Lopez erklärt: "Der Hinterreifen ist uns eigentlich egal. Aber beim Vorderreifen bleiben wir hart. Red Bull soll sein Auto umbauen, wenn sie ein Problem haben."

Ferrari, Lotus und Force India sind mit den aktuellen Reifen zufrieden. Sie haben genügsame Autos, deren Aerodynamik in einem breiten mechanischen Fenster funktioniert. Und sie merken, dass Red Bull ein Problem damit hat. Deshalb spielte Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer lange den Hardliner. "Wir haben unser Auto für die Reifenspezifikation gebaut, die uns Pirelli am 1.September mitgeteilt hat. Das hätte Red Bull auch machen können." Bernie Ecclestone hat die Gemüter jetzt beruhigt. Pirelli wird die geplante Änderung am Hinterreifen durchführen. Aber vorne bleibt alles beim alten.

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