Nächstes Rennen: 26. Mai 2013
GP Monaco

Ross Brawn: Mercedes mit "kontrollierter Aggressivität"

Mercedes W03 2012 Barcelona

Die Vorstellung des neuen Mercedes AMGW03 fand mit vier Minuten Verspätung statt. Dann zogen Michael Schumacher und Nico Rosberg das schwarze Tuch von ihrem 2012 Dienstfahrzeug. Ross Brawn bezeichnet den Ansatz seiner Techniker als "kontrollierte Agressivität".

Die Katze ist aus dem Sack. Nachdem der neue Mercedes AMG W03 am Sonntag in Barcelona bereits 370 Kilometer ohne Probleme abgespult hat, zeigte er sich heute mit vier Minuten Verspätung auch der Konkurrenz. Die Mercedes-Ingenieure um Bob Bell, Geoff Willis und Aldo Costa haben das Rennauto nicht neu erfunden, aber der Silberpfeil Jahrgang 2012 trägt trotzdem einige interessante Details in sich. So wie die spitze Nase, die hohe Stufe im Chassis, den zerklüfteten Frontflügel, den verlängerten Radstand, die Miniflügel auf dem Diffusor, die allerdings bei der Präsentation noch fehlten.

Mercedes so gut vorbereitet wie noch nie

Nachdem Mercedes im vergangenen Jahr mit einem alternativen Konzept auf die Nase gefallen war, gab Technikdirektor Bob Bell diesmal die Devise aus, auf riskante Projekte zu verzichten. Der längere Radstand ist nur ein Beispiel dafür. Ross Brawn nennt den Ansatz seiner Ingenieure eine "kontrollierte Aggressivität". Ein Auto, das aggressiv aussieht, muss nicht unbedingt besser sein. "Im letzten Jahr waren wir zu aggressiv. Bei diesem Ansatz läuft man Gefahr, dass man über das Ziel hinausschießt. Diesmal haben wir darauf geschaut, dass wir für jede alternative Lösung gute Gründe haben. Es macht keinen Sinn anders zu sein, nur weil man anders sein will."

Auch die Vorbereitung auf die neue Saison lief in anderen Bahnen ab. Mercedes zeigte sein neues Auto erst mit zwei Wochen Verspätung. Die erste Testwoche nutzte die Truppe aus Brackley dazu, mit dem alten Auto die neuen Reifen kennenzulernen. So hatte man einen besseren Vergleichsmaßstab als die Teams, die sofort mit neuen Modellen auf die Strecke ging und dann rätselten, woher der Fort- oder Rückschritt kam: Vom Auto oder den Reifen?

Mercedes zeigt sich gut vorbereitet

Den gesparten vierten Testtag von Jerez nutzte man zu einem Exklusivtest in Barcelona mit dem 2012er Mercedes. "Wir sind so gut vorbereitet wie noch nie", behauptet Brawn. "Das Auto ist von der Mechanik her seit geraumer Zeit fertig. Seitdem wurde es intensiv auf Prüfständen getestet. Die Aerodynamiker können sich jetzt voll auf die Melbourne-Spezifikation konzentrieren. Das Timing mit dem verzögerten Testbeginn war für unser Programm ideal. Ich hätte mir nur Sorgen gemacht, wenn es jetzt hier in Barcelona fünf Zentimeter Schnee gebabt hätte."

Jetzt wird sich zeigen, was die neuen Leute im Technikbüro von Mercedes wert sind. Die Veränderung fand hauptsächlich in den Führungspositionen statt. Die Designer des Autos sind die gleichen, die auch schon in der Vergangenheit den Mercedes gebaut haben. Das Trio Bell, Willis und Costa soll nun "mehr aus einer guten Mannschaft herausholen".

Für Ross Brawn ergibt sich dadurch einen Entlastung, sich um die Belange eines Teamchefs zu kümmern. "Das Team befindet sich immer noch im Umbau. Seit zwölf Monaten ist unser Technischer Direktor Bob Bell an Bord. Das hat uns einen großen Schritt vorangebracht. Ich kann mich jetzt auf meinen Job als Teamchef konzentrieren und muss nicht mehr in Techniksitzungen kümmern."

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Michael Schmidt

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