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Neuer Plan von Ecclestone

Weniger Leistung, weniger Gewicht

Bernie Ecclestone - GP Kanada 2015 Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone fürchtet das Franchise-Modell der großen Teams. Weil es ihn an die Konstrukteure ausliefert. Deshalb hat er jetzt eine neue Idee zur Rettung der kleinen Teams zur Hand. Die Lösung sieht so aus: Weniger Leistung, weniger Gewicht, geringere Kosten.

07.06.2015 Michael Schmidt

Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren und Williams treiben ihr Kundenauto-Modell voran. Sie reden nicht mehr von Kunden, sondern von Franchise-Nehmern. Das klingt freundlicher, ist aber unter dem Strich das gleiche. Es findet bei den potenziellen Kundenteams nur keinen Gefallen. "Die großen Teams wollen nur unsere FOM-Einnahmen abschöpfen, um sich noch reicher zu machen", warnt Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn.

Das Rundum-Wohlfühlpaket der Konstrukteure soll 50 Millionen Euro kosten. Das ist ungefähr das Geld, das die Teams von Platz 6 bis Platz 9 von Bernie Ecclestone bekommen. Es soll in Zukunft direkt an jene Teams ausgezahlt werden, die Autos bauen und an die Franchise-Nehmer abgeben. "Es wird für beide Parteien billiger. Für uns, weil der Stückpreis sinkt, für die Abnehmer, weil sie keine Autos mehr bauen müssen", wirbt Niki Lauda für die Reform.

Die betroffenen Teams zweifeln, ob dieses Geschäftsmodell aufgehen kann. Sie bekämen von Ecclestone kein Geld mehr und müssten die Einsatz-, Reise-, Ersatzteil- und Lohnkosten aus Sponsoren oder Bezahlfahrern bestreiten. Das kostet noch einmal zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Wenn die Konstrukteure dann noch einen Fahrer aus ihrem Talentschuppen bei den Kunden installieren wollen, wird es schon eng.

Force India-Teamchef Bob Fernley weist auch darauf hin, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen. Wie viele, kann man sich leicht ausrechnen. Ein Franchise-Nehmer käme mit 100 Angestellten über die Runden. Bei Lotus, Force India, Sauber und Manor würden damit in Summe 930 Leute ihren Job verlieren. "Die großen Teams wehren sich gegen Sparvorschläge mit dem Argument, dass sie dabei viele Leute entlassen müssten. Sind ihre Angestellten wertvoller als unsere?", fragt Lotus-Besitzer Gérard Lopez.

Bernie Ecclestone soll die Autos kaufen

Bernie Ecclestone gefällt der Vorschlag der Top-Teams nicht. Weil er Angst hat, dass ihm die großen Teams dann noch mehr auf der Nase herumtanzen, als sie es jetzt schon tun. Die Verlierer in dem Spiel werden nach neuen Regeln rufen und mit Ausstieg drohen, wenn nicht ihrem Wunsch entsprochen wird. Red Bull gibt jetzt schon einen Vorgeschmack, wie sich die Machtverhältnisse verschoben haben.

Wenn Dietrich Mateschitz den Stecker zieht, fehlen 4 Autos im Feld. Das ist ein gewichtiges Druckmittel. "Wenn ein Team rausfällt, müssen die anderen halt einspringen. Es werden neue Teams dazukommen, weil der Einstieg billiger ist", antwortet Lauda. Der Außenminister von Mercedes versteht Ecclestones Sorge nicht. "Wir haben Bernie das Angebot gemacht, dass er von uns die Autos kaufen und dann nach seinen Spielregeln an die Teams weitergeben kann. Er kann zum Beispiel den Kunden erlauben, dass sie die Autos verändern."

Konkurrenzfähige Autos mit 80 Millionen Euro

Der Formel 1-Chef traut dem Braten nicht. Er hat inzwischen eine andere Idee ausgeheckt, wie die notleidenden Teams zu retten sind. Sie sollen weiter als eigenständige Bewerber antreten. Mit dem Geld, das sie haben. "Die Hersteller sollen sie mit billigen Motoren versorgen. Sagen wir 6 Millionen Euro. Das können ruhig ältere Spezifikationen mit 100 PS weniger sein."

Das PS-Handikap will Ecclestone mit einem entsprechenden Gewichtsbonus ausgleichen. "Sagen wir, 100 PS kosten drei Sekunden. Dann müssen wir nur noch ausrechnen, wie viel Gewicht wir den Teams erlassen, damit sie konkurrenzfähig mitfahren können." Der PS-Zampano regt auch an, dass die kleinen Teams auf Windkanalentwicklung verzichten und stattdessen mit Computersimulationen (CFD) arbeiten. "Mit diesem Modell können sie mit 80 Millionen Euro gut mitfahren. Und sie bleiben eigenständige Teams."

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