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Neuer Verhaltenskodex bei Mercedes

Was ist eine drastische Abschreckung?

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone - Formel 1 - Donnerstag - 7.7.2016 Foto: sutton-images.com 51 Bilder

Das ist das Ergebnis der Krisensitzung bei Mercedes: Freie Fahrt ja, Kontakt nein. Wenn es doch passiert drohen drastische Abschreckungsmaßnahmen. Wie die aussehen, bleibt vorerst geheim. Teamchef Toto Wolff: „Sie können finanzieller und sportlicher Natur sein.“

07.07.2016 Michael Schmidt

Lewis Hamilton und Nico Rosberg trafen erst am Nachmittag in Silverstone ein. Jeder wusste, warum. Beide hatten am Morgen in der Fabrik in Brackley einen Termin. Es ging um die Kollision der beiden Mercedes-Fahrer beim GP Österreich. Und nicht nur um die. Auch der Doppelausfall in der Startrunde von Barcelona und die Startkollision in Montreal kamen zur Sprache. Teamchef Toto Wolff und Technikdirektor Paddy Lowe nahmen sich ihre beiden außer Kontrolle geratenen Fahrer zur Brust.

Hamilton und Rosberg müssen Teamwerte respektieren

Was bei dem Gespräch herauskam, wurde um 14 Uhr Ortszeit in einer Pressemitteilung kommuniziert. Hier der offizielle Text: „Unsere Fahrer wurden darüber informiert, dass sie weiterhin frei fahren und um die Weltmeisterschaft kämpfen dürfen. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies ein Grundbestandteil der Formel 1 ist – auch unter Teamkollegen. Als leidenschaftliche Racer möchten wir sie gegeneinander kämpfen sehen – und das gilt genauso für die Fans der Formel 1.“

Dann kommt das Aber: „Diese Freiheit bringt jedoch auch eine Verantwortung für unsere Fahrer mit sich. Sie müssen die Werte des Teams respektieren. In den vergangenen fünf Rennen gab es drei Zwischenfälle, die uns mehr als 50 Punkte in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gekostet haben. Deshalb haben wir unseren Verhaltenskodex verstärkt. Er enthält nun drastischere Abschreckungsmaßnahmen bei Berührungen zwischen unseren beiden Autos.“

Und die Schlussfolgerung: „Wir vertrauen unseren Fahrern, dass sie sich künftig in solchen Situationen auf der Rennstrecke richtig verhalten. Ihr Schicksal liegt jetzt in ihren eigenen Händen. Die Fahrer wurden auch darüber informiert, dass wir während der Rennen möglicherweise Anweisungen ausgeben werden, um uns vor einem potentiellen Verlust von Konstrukteurs-Punkten zu schützen. So wie dies bereits beim diesjährigen Monaco GP der Fall gewesen ist, als Nico angewiesen wurde, Lewis passieren zu lassen. Sollten die Fahrer den überarbeiteten Verhaltenskodex nicht respektieren, behalten wir uns vor, eine Stallregie als letzten Ausweg auszusprechen.“

Gelbe Karte für die Fahrer

Das Mercedes-Motorhome glich einer belagerten Festung. Eine klare Ansage des Teams, trotzdem viele Fragen. Zum Beispiel diese: Was ist eine drastische Abschreckungsmaßnahme? Dazu Toto Wolff: „Ich will nicht ins Detail gehen. Sie kann finanzieller und sportlicher Natur sein.“ Doch kann man Multimillionäre wirklich beim Geld packen? Für einen Hamilton ist eine Million Dollar immer noch Portogeld.

Sportliche Maßnahmen würden die Fahrer härter treffen. Zum Beispiel ein Nichtangriffspakt, sollte der neue Verhaltenskodex keine Wirkung zeigen. Oder als letzte Maßnahme eine Sperre für ein Rennen. Jeder Rennstall sichert sich gegen Undiszipliniertheiten seiner Fahrer ab. Dazu steht einfach zu viel auf dem Spiel. Wer offensichtlich dem Team Schaden zufügt, kann auch suspendiert werden. Einer juxte: „Man könnte sie bei Zuwiderhandlung zur Strafe ein Rennen für Manor fahren lassen.“

Toto Wolff stellte klar, dass der Punkt erreicht war, mit den Fahrern ein ernstes Wort zu reden: „Es war die letzte Warnung. Eine gelbe Karte gewissermaßen. Und jeder weiß, was bei einer zweiten gelben Karte passiert. Ich werde nicht scheuen, die maximal mögliche Strafe anzuwenden.“

Der Österreicher ist sich bewusst, dass er einen schwierigen Slalom zwischen dem Interesse für das Team und für den Sport fährt. „Die Fahrer sind die Helden dieses Sports. Wir wollen sie nicht einschränken. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo du abwägen musst, ob du deinem Team oder dem Sport mehr schadest. Als Teamchef muss ich dann zuerst an mein Team denken. Wenn deine Fahrer drei Mal in fünf Rennen crashen, dann kann das den WM-Titel gefährden.“

Lewis Hamilton sieht den Fall aus der Brille des Rennfahrers: „Wäre ich Teamchef, wäre ich als Rennfahrer in einer besseren Position. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wann man mit 300 km/h gegeneinander fühlt. Ich ließe meine Fahrer gegeneinander fahren, weil das ist es, was diesen Sport ausmacht. Wenn meine Jungs um die Plätze 1 und 2 fahren, würde ich es noch mehr verstehen. Nico und ich sind jetzt vielleicht 60 Rennen miteinander gefahren, und wir hatte viellecht fünf Kollisionen. Das ist eine kleine Zahl im Vergleich zu den Doppelsiegen, die wir erzielt haben.“

Rosberg verspricht „weitere tolle Duelle“

Nico Rosberg hat offenbar verstanden: „Die Nachricht ist angekommen.“ Aber als er damit konfrontiert wird, dass sein Chef von einer letzten Warnung sprach, schaute der WM-Spitzenreiter erstaunt auf: „Wirklich? Dieses Wort ist heute bei uns nicht gefallen.“ Nach Ansicht von Wolff hätte keines der Duelle in Barcelona, Barcelona und Spielberg zwingend in einer Kollision enden müssen. Er präzisiert auch, was er unter einem „sauberen Zweikampf“ versteht. „Das Duell zwischen Lewis und Nico 2014 in Bahrain.“

Ob er unter den neuen Benimmregeln in Österreich anders gefahren wäre, wollte Rosberg nicht sagen: „Vielleicht ja, vielleicht nicht. Unter dem Strich dürfen wir weiter frei fahren. Wir müssen nur mit härteren Konsequenzen rechnen, wenn es wieder schiefgeht.“ Rosberg verspricht: „Es wir auch unter den neuen Regeln weiter tolle Duelle geben.“

Es war die Häufung der Unfälle, die der Mercedes-Teamleitung sauer aufstößt. Nichts zu machen hätte bedeutet, dass es so weiter geht. Freie Fahrt unter bestimmten Regeln ist die bestmögliche aller unpopulären Maßnahmen. Wolff sieht darin keine Mission impossible: „Es gibt saubere Zweikämpfe. Sonst müsste ja jedes Duell in einer Kollision enden. Und unsere Jungs haben die Qualität, ein Duell sauber durchzuführen. Es sind die besten Fahrer der Welt. Die müssen das können.“

Hamilton äußerte sich vorsichtig zu dem Abkommen hinter verschlossen Türen. „Mein Schicksal lag immer irgendwie in meiner Hand. Eigentlich ändert sich nicht viel. Es gibt keine Stallregie. Das ist großartig für die Fans.“ Und schrecken die Abschreckungsmaßnahmen wirklich ab? Hamilton grinst, schüttelt langsam den Kopf und antwortet dann: „Ich glaube, ich sollte jetzt besser Ja sagen.“

Eine Nachricht haben beide verstanden. Stallregie ist nicht diskutabel. „Wenn sie kommt, werde ich sie befolgen. Das ist mein Job, dafür werde ich bezahlt“, meinte Hamilton. Rosberg pflichtet bei: „Ich respektiere Anordnungen vom Team. Das habe ich in Monte Carlo gezeigt.“

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