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Neues F1-Motoren-Reglement für 2016?

Hybrid-Motor auf der Kippe

Renault V6 2014 - Lotus - GP Singapur Foto: ams 28 Bilder

Am nächsten Donnerstag trifft sich die Strategiegruppe der Formel 1 zu einer außerordentlichen Sitzung in Genf. Tagungspunkte sind die Krise der Privatteams und das Motoren-Reglement. Es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass die Hybrid-Formel 2016 kippt. Weil beim Schreiben des Reglements ein entscheidender Fehler passiert ist.

12.12.2014 Michael Schmidt

Es geht um die Krise der Formel 1. Wieder einmal. Bis jetzt ist bei den Gesprächen um eine Lösung wenig herausgekommen. Die Privatteams warten immer noch auf eine gerechtere Verteilung des Geldes. Und die großen Teams weigern sich etwas abzugeben. Am nächsten Donnerstag (18.12.) trifft sich die Strategiegruppe zu einer außerordentlichen Sitzung in Genf. Und da wird das Thema möglicherweise eine überraschende Wende nehmen.

Bernie Ecclestone stellt die Hybrid-Formel in Frage. Das ist zunächst nichts Neues. Seit einem Jahr plädiert der Zampano der Formel 1 für die Rückkehr des V8. Inzwischen legt er sich nicht mehr genau fest. V8, V10, V6-Biturbo mit Kers: Alles ist ihm Recht, wenn nur das augenblickliche Motoren-Reglement kippt. Ecclestone sieht in den aktuellen Motoren den Preistreiber, der die kleinen Teams in eine Finanzkrise stürzt. Und er gibt dem müden Sound die Schuld, dass die Fans abwandern.

Über die Formel 1-Motoren für 2016 entscheidet die Mehrheit

Die FIA hält stur an ihrem Motoren-Reglement fest. Deshalb wird sich für 2015 nichts ändern. Doch über die Formel 1-Motoren von 2016 entscheidet die Mehrheit. Und das könnte bei der Strategiesitzung kommende Woche in Genf eine ganz knappe Nummer werden. Die Ecclestone-Fraktion braucht 10 von 18 Stimmen, um das Thema eine Stufe weiter in die Formel 1-Kommission zu bringen. Die sechs FOM-Stimmen sind ihm sicher. Die FIA wird mit seinen sechs Gefolgsleuten dagegen sein.

Damit hängt alles an den Teams. Mercedes und McLaren-Honda sind für die aktuelle Motorformel. Red Bull und Ferrari vermutlich dagegen. Damit werden die Mercedes-Kunden Williams und Lotus zum Zünglein an der Waage. Von Williams kann man Wohlverhalten erwarten. Von Lotus auch? Nur dann, wenn die großen Teams dem Druck von Lotus-Chef Gerard Lopez nachgeben. Der will eine größeren Anteil an Ecclestones Kuchen für die Privatteams und eine Begrenzung der Motorkosten. Ansonsten könnte er in die Fraktion der Verweigerer überlaufen.

Im F1-Reglement steckt ein fundamentaler Fehler

Selbst bei Mercedes ist man sich nicht mehr sicher, wo die Reise hingeht. "Für 2015 bleibt es bei dem Motoren-Reglement, wie es ist. Also 32 Token, keine extra Entwicklungszeit", sagt Niki Lauda. Und 2016? "Da kann ich für nichts garantieren. Wir müssen uns darauf einstellen, dass andere ein neues Motoren-Reglement fordern." Was dann passiert, ist absehbar. Stirbt die Hybrid-Formel, steigen Mercedes und Honda aus. Vermutlich auch Renault. Auch wenn Ecclestone nicht daran glaubt. Er meint, man könne die Hersteller auch mit 1.000 PS-Krawallmotoren in den Motorsport locken. Die Zeiten sind vorbei.

Die Formel 1 hat sich in diese Sackgasse selbst manövriert. In der aktuellen Motorformel steckt ein fundamentaler Fehler, der eigentlich nur durch einen Neubeginn zu lösen ist. Die Hybrid-Formel ist nicht nur zu teuer. Sie ist zu komplex. Selbst große Firmen wie Renault und Ferrari sind daran gescheitert. Honda steht das blaue Wunder möglicherweise noch bevor. Die eingeschränkte Entwicklung macht es den Verlierern praktisch unmöglich, den Rückstand aufzuholen. Wenn sie es überhaupt können. Damit würde Mercedes über Jahre dominieren.

Gibt man die Entwicklung frei, wird es für die Kunden zu teuer. Die FIA hat es beim Verfassen des Reglements versäumt, wie beim V8 einen Höchstpreis für Kundenmotoren festzulegen. Der hätte 10 Millionen Euro nicht übersteigen dürfen. Dann hätte man die Entwicklung auch nicht einschränken müssen. Wer dann mehr investiert als er einnimmt, ist selbst schuld. Nachträglich kann die FIA einen Fixpreis nicht mehr festlegen. "Das wäre ein Eingriff in den Markt. Wenn nur ein Hersteller damit nicht einverstanden ist, bekäme die FIA rechtliche Probleme", meint ein Experte.

Hybrid-Formel für Neueinsteiger unattraktiv

Der Entwicklungsfahrplan, der jedes Jahr weniger Eingriffe am Motor erlaubt, birgt noch eine weitere Gefahr. Er macht einen späten Einstieg nicht mehr attraktiv. Schon Honda spürt dieses Problem. Während Renault und Ferrari bis zum 28.Februar 2015 noch 48 Prozent aller Komponenten ändern dürfen, sind es für Honda im Winter 2016 nur noch 38 Prozent. Würden Porsche oder Audi 2017 einen Formel 1-Motor an den Start bringen, hätten sie kaum noch Möglichkeiten, Fehler zu korrigieren. Im Winter 2018 sinkt die Zahl der Motorteile, die man anfassen darf, auf 23 Prozent.

Die komplexe Technologie wird für Privatteams zum Killer. Lotus, Force India und Sauber behaupten, dass sich für sie die Kosten im Vergleich zur V8-Ära inklusive der Integration der Antriebsquellen und der Neukonstruktion von Getriebe und Kühlern mehr als verdoppelt hat. Mercedes bestreitet das. Nach ihrer Rechnung kostet die neue Formel nur drei bis vier Millionen Euro mehr. Was sich im Laufe der Jahre angleichen wird, weil das Motorleasing für die Kunden jede Saison um 500.000 Euro billiger wird.

Doch hier ist schon die nächste Bombe versteckt. Ursprünglich sollten die Teams 2015 mit vier Triebwerken pro Fahrer auskommen. Weil das utopisch ist, wurde pro forma der 21.Grand Prix in den Kalender mit aufgenommen. Damit ist in Stein gemeißelt, dass es auch im nächsten Jahr bei fünf Einheiten pro Fahrer bleibt. Auch dann, wenn das Korea-Rennen wie erwartet abgesagt wird. Dieser fünfte Motor kostet die Kunden aber wieder Geld. Weil er in der Rechnung der Hersteller nicht eingeplant war. Man geht davon aus, dass Mercedes, Ferrari und Renault rund 800.000 Euro extra abkassieren werden. Bei einer ohnehin schon klammen Klientel.

Ferngelenkt wie ein Raumschiff

Die hochgestochene Technologie der Motoren bringt noch ein weiteres Problem mit sich. Man braucht ein Heer von Ingenieuren, damit diese Antriebseinheiten überhaupt betrieben werden können. Auch die Kundenteams. Autos und Fahrer werden wie ein Raumschiff von der Box ferngelenkt. Ohne die externe Hilfe gäbe es zu viele Schäden. Und die Motoren können nicht am Limit betrieben werden. Deshalb haben sich die Teams mit Händen und Füßen gegen ein Funkverbot gewehrt. Beim Wort Telemetrie-Verbot gehen die Ampeln sofort auf Rot. Das halbe Feld würde vermutlich stehenbleiben. Da muss man sich wirklich fragen: Ist das noch Motorsport?

Wie man es auch dreht: Es gibt keinen goldenen Schlüssel, um aus der verfahrenen Situation wieder herauszukommen. Deshalb hilft der Formel 1 nur ein Neustart. Wahrscheinlich mit einem anderen Motoren-Reglement. Die Hersteller werden dann vermutlich nach Le Mans abwandern, wo die Rahmenbedingungen freier sind als in der Formel 1. Wo es auch keine Restriktionen bei der Entwicklung gibt. Die Autokonzerne werden jedoch bald merken, dass auch Le Mans eine Sackgasse ist. Sie sind dort praktisch unter sich. Das Wettrüsten wird so teuer werden, dass die Verlierer irgendwann aussteigen. Und dann hat die Serie ein echtes Problem: Es gibt im Gegensatz zur Formel 1 keine Basis mit Privatteams, die diese Meisterschaft auffangen können.

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