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Neustart bei Ferrari und McLaren

Haben Vettel und Alonso richtig gepokert?

Fernando Alonso - McLaren 2014 Foto: McLaren 44 Bilder

Sie waren einmal Top-Teams. Doch seit zwei Jahren fahren Ferrari und McLaren nur noch hinterher. Die letzten GP-Siege liegen weit zurück. Jetzt versuchen die Formel 1-Dinos mit Sebastian Vettel und Fernando Alonso einen Neuanfang. Kann das gut gehen?

27.01.2015 Michael Schmidt

Sie sind die beiden ältesten Formel 1-Teams. Ferrari debütierte beim GP Monaco 1950, McLaren in Monte Carlo 1966. Zusammen haben sie 403 Grand Prix gewonnen. Das entspricht 44,4 Prozent aller 916 Formel 1-Läufe seit 1950. Doch beide warten seit mindestens 33 Rennen auf einen Sieg. Ferrari seit dem GP Spanien 2013, McLaren seit 2012 in Brasilien.

Die Dinos der Königsklasse fuhren zuletzt nur noch hinterher. 2014 stritten sie sich um die Plätze vier und fünf in der Konstrukteurs-Wertung. Die Punktezahlen haben sich gegenüber 2012 fast halbiert. Der letzte WM-Titel liegt bei Ferrari acht, bei McLaren sieben Jahre zurück.

Jetzt stehen Ferrari und McLaren vor einem Neuanfang. Beide haben Weltmeister im Cockpit, das Personal ausgetauscht, die Struktur im Team verändert. Ferrari zieht im März in eine neue Fabrik. McLaren tauscht den Motorpartner. Von Mercedes zu Honda. Auch für Sebastian Vettel und Fernando Alonso ist es ein Start in ein neues Zeitalter. Mit ungewissem Ausgang. Die Experten sind sich einig. Weder bei Ferrari noch bei McLaren wird der Erfolg über Nacht zurückkehren.

Wie lange ist Maranello ein Spielzeugladen?

Vettel und Alonso haben sich nicht viel zu sagen. Sie respektieren sich, mehr nicht. Und doch ist ihr Schicksal jetzt irgendwie miteinander verknüpft. Fernando Alonso machte bei Ferrari den Platz für Vettel frei. Der Spanier verließ Ferrari im Frust. Nach fünf Jahren ohne Titel verlor der Spanier das Vertrauen in das Team. Er wollte zu Mercedes, weil er den schnellen Erfolg suchte, handelte sich eine Absage ein und landete bei McLaren, weil es seine letzte Option war.

Ein Team, von dem er sich Ende 2007 mit Schimpf und Schande getrennt hatte. Jetzt ist es sein Wunschteam. Sagt er zumindest. Doch man kann sich die Welt auch schönreden. Als er Ferrari verließ, begründete er das damit, dass er in einem Alter von 33 Jahren nicht mehr viel Zeit habe, den WM-Titel ein drittes Mal zu gewinnen.

Inzwischen hat sich die Tonlage geändert: "Ich schließe mich diesem Projekt an im Wissen, dass sich die Resultate nicht sofort einstellen werden. Damit habe ich kein Problem." Wer den 32-fachen GP-Sieger kennt, fragt sich unwillkürlich: Wie lange? Alonso ist nicht für einen langen Geduldsfaden bekannt.

Vettel ist 6 Jahre jünger als sein Leidensgenosse. Das nimmt ihm den Zeitdruck, und mit 4 WM-Titeln in der Tasche lässt sich ein neues Projekt gelassen angehen. Doch im Prinzip tickt Vettel wie Alonso. Für Siegertypen ist der Erfolg die einzige Droge.

Noch fühlt sich Vettel bei seinen Maranello-Besuchen wie im Spielzeugladen. Im Gegensatz zu Michael Schumacher hat er einen Sinn für Geschichte und den Mythos Ferrari. Vettel hat nicht nur die Rennfabrik besucht. Er war auch schon an allen historischen Plätzen in Maranello, im Museum, in den Restaurants Cavallino und Montana, in Enzo Ferraris altem Büro. Und er nimmt Italienisch-Unterricht.

In der Formel 1 wird Konstanz belohnt

Ferrari hat für die Ära Vettel kräftig ausgemistet. Mit Ausnahme von Technikdirektor James Allison wurden alle Schlüsselpositionen neu besetzt. Präsident Sergio Marchionne versucht sein Erfolgsrezept von Fiat auf Ferrari zu übertragen. Er ist ein Mann der Zahlen, knapper Worte und unbürokratischer Handlungen.

"Manchmal ist es leichter Herausforderungen zu meistern, wenn man die Führungspositionen mit neuen Leuten besetzt." Das mag für die Autowelt gelten. In der Formel 1 wird meistens Konstanz belohnt. Statthalter Maurizio Arrivabene stellt fest: "Die Konstanz beginnt bei uns in der zweiten Reihe. Da ist alles gleich geblieben."

McLaren ist eine Hängepartie. Wenn Ron Dennis bis Ende Januar keine Investoren findet, müssen sich Mitbesitzer Mansour Ojjeh und die Bahrain Mumtalakat Holding überlegen, wer die Firma in Zukunft leiten soll. Eigentlich stand der Posten von Dennis zur Disposition, wenn er seine Großaktionäre nicht ausbezahlt. Doch dann müsste man erst einmal Ersatz finden, der besser ist.

McLaren-Kenner Gerhard Berger glaubt, dass Dennis bleibt, auch wenn er kein Geld auftreibt. "Wen sollen sie nehmen? Ron ist vielleicht nicht mehr ihr Freund, aber er kennt sich in der Szene aus wie kein Zweiter. Dass er Alonso zu McLaren gelockt hat, war eine starke Nummer."

McLaren hat im abgelaufenen Jahr aber auch 4 potenzielle Hauptsponsoren verprellt und alte Geldgeber verloren. Wenn Dennis nicht noch in letzter Minute einen großen Geldgeber aus dem Hut zaubert, dann werden die Overalls so weiß bleiben, wie auf den jüngsten Twitter-Fotos des Teams bei der Einkleidung von Alonso (siehe Galerie).

Immerhin begann sich die Neubesetzung des Aerodynamikbüros mit Peter Prodromou von Red Bull, Tony Salter von Sauber und Guillaume Catalani und Ettore Graffini von Lotus bereits im letzten Saisondrittel 2014 auszuzahlen. Kaum legte Prodromou Hand an, wurde der McLaren schneller. Spötter sagen: Er wurde dabei dem Red Bull auch immer ähnlicher. Alonso wollte neben seinem Leibingenieur Andrea Stella noch drei weitere Techniker aus Maranello mitbringen, doch die ließen sich nicht weglocken.

McLaren gegen Ferrari - 47 gegen 59 GP-Siege

Zur Zeit hat Ron Dennis außer Zahlenspielen nicht viel zu bieten. Er zitiert die Erfolge der alten Ehe McLaren-Honda mit 8 WM-Titeln und 44 GP-Siegen. Und er preist seine Fahrerpaarung, die es zusammen auf 500 GP-Einsätze bringt, als die beste der Welt. Fernando Alonso und Jenson Button haben 47 Siege und drei Titel auf dem Konto. Das kann Ferrari noch besser. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen bringen es auf 59 Siege und fünf Weltmeisterschaften.

Größtes Fragezeichen ist der neue Honda-Motor. Die Japaner haben sich bei ihrem ersten Auftritt in Abu Dhabi bis auf die Knochen blamiert. Drei Runden an zwei Tagen. Keine Rundenzeit. Honda entschuldigte sich mit Elektronikproblemen. Man hört aber, dass es auch auf dem Prüfstand Probleme mit der Zuverlässigkeit gibt.

Auf dem politischen Parkett hat Honda immerhin einen Teilerfolg erreicht. Sie dürfen nachrüsten, je nachdem wie viele Token sich die Mitbewerber für die Zeit nach dem 28. Februar aufheben. Es wird wohl auf 8 Token hinauslaufen. Ein schönes Geschenk. Honda wird sie brauchen, wenn sich alte Traditionen fortsetzen. Honda hat bei früheren Motorenprojekten immer konservativ begonnen. Und dann erst zugelegt.

Ferrari kauft sich Zeit

Ferrari kauft sich zuerst einmal Zeit. Marchionne warnte die Tifosi: "Wir mussten Entscheidungen des alten Managements korrigieren. Der Entwicklungsfahrplan wurde neu ausgerichtet. Deshalb starten wir mit Verspätung in die Saison." Er meint damit den Motor. Die Produktion der neuen Turbolader soll im Rückstand sein. Ferrari braucht größere Lader, auch um mehr Energie aus der MGU-H zu ziehen.

Marchionne verweist auf das Beispiel Mercedes: "Dort hat es auch zwei Jahre gedauert, bis sie erfolgreich waren." Das ist eine blauäugige Einschätzung. Das Unternehmen Weltmeisterschaft begann bei Mercedes schon 2010. Niki Lauda glaubt: "Auch Ferrari braucht vier Jahre." Und er warnt vor dem Moment, an dem der Fortschritt ins Stocken gerät: "Dann beginnt für Sebastian der Druck, die Politik, das Spießrutenlaufen in den Medien. Das ist bei Ferrari doppelt so schlimm als bei Red Bull."

Vielleicht leistet ein neues Reglement Ferrari und McLaren bald schon Hilfestellung. Bernie Ecclestone will aggressivere Autos, stärkere und lautere Motoren und geringere Kosten. Ferrari unterstützt ihn nach Kräften dabei. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Ferrari wünschte sich das aktuelle Motorenreglement, in der Hoffnung nicht mehr so abhängig von der Aerodynamik zu sein. Mit diesem politischen Schachzug ist Maranello böse auf die Nase gefallen. 2014 waren Auto und Motor nur zweite Wahl.

Neue Regeln helfen außerdem immer nur denen, die früh auf den Zug aufspringen. Das bedeutet, dass man sich aus der laufenden Saison ausklinkt, auch auf die Gefahr hin, immer weiter in Rückstand zu geraten. Hier ist die Frage erlaubt: Haben Ferrari und McLaren diesen Mut? In Italien gäbe es einen Aufschrei, wenn man freiwillig hinterherfährt. Und McLaren braucht dringend Resultate, um für Sponsoren attraktiv zu bleiben. Auch da käme ein früher Entwicklungsstopp in der Saison nicht besonders gut an.

Ferrari
JahrWM-PunkteSiegeTeamwertungFahrerwertung
20051001P3P3 (Schumacher)
20062019P2P2 (Schumacher)
20072049P1P1 (Räikkönen)
20081728P1P2 (Massa)
2009701P4P6 (Räikkönen)
20103965P3P2 (Alonso)
20113751P3P4 (Alonso)
20124003P2P2 (Alonso)
20133542P3P2 (Alonso)
20142160P4P6 (Alonso)
McLaren
200518210P2P2 (Räikkönen)
20061100P3P5 (Räikkönen)
20072188DQP2 (Hamilton)
20081516P2P1 (Hamilton)
2009712P3P5 (Hamilton)
20104545P2P4 (Hamilton)
20114976P2P2 (Button)
20123787P3P4 (Hamilton)
20131220P5P9 (Button)
20141810P5P8 (Button)
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