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Newey erklärt Getriebe-Misere

15 Runden lang Zittern bei Red Bull

Red Bull GP Italien 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Sebastian Vettel musste sich in Monza weder vor Alonso noch vor Hamilton fürchten. Die Gefahr drohte vom Getriebe. Der Kommandostand wies ihn an, früher in die drei oberen Gänge zu schalten. Schon vor dem Rennen waren Gangräder und Schaltklauen getauscht worden. Technikchef Adrian Newey erklärt, wie ernst es wirklich war.

09.09.2013 Michael Schmidt

Im Moment der Zieldurchfahrt stützte Red Bull-Technikpapst Adrian Newey sein kahles Haupt auf seine Hände. Die Erleichterung war ihm anzusehen. Red Bull hatte wie 2011 auf seiner Angststrecke gewonnen. Und das auch noch ziemlich überlegen.

Sebastian Vettel amüsierte sich: "Adrian hat uns vor dem Wochenende gewarnt, dass wir uns auf Schadensbegrenzung einstellen sollten. Bei der Siegerehrung habe ich ihm gesagt: Wenn Schadensbegrenzung so aussieht, will ich immer Schaden haben." Nur die letzten 15 Runden musste Vettel ein bisschen Zittern. Da meldeten sich die Getriebesorgen vom Training zurück.

Newey steht vor einem Rätsel

Der WM-Spitzenreiter hatte in Monza auf der Strecke keinen Gegner. Auch ein Bremsplatten, den er sich beim Anbremsen der ersten Kurve zuzog, konnte Vettel nicht stoppen. Erst am Ende des ersten Stints holte Fernando Alonso auf den Red Bull leicht auf. Und Vettel musste früher an die Box als geplant.

Das größere Problem war das Getriebe. "Wir hatten schon am Freitag Probleme damit", räumte Vettel ein. Die setzen sich fort, als am Samstag die Renngetriebe in die beiden Red Bull eingebaut wurden. Die Telemetrie zeigt hohe Öltemperaturen. Adrian Newey ordnete nach dem Datenstudium an, in beiden Kraftübertragungen den fünften, sechsten und siebten Gang, die entsprechenden Schaltklauen und die Getriebeölfilter zu tauschen.

"Ehrlich gesagt, ist mir das alles ein Rätsel", schüttelte Newey nach dem Rennen den Kopf. "Monza ist zwar wegen der langen Übersetzung besonders hart für das Getriebe, aber wir hatten hier noch nie ein Problem. Wir wissen auch noch nicht, warum es ausgerechnet die oberen drei Gänge betraf." Auch Teamchef Christian Horner war ratlos: "Caterham benützt identische Getriebe und hatte kein Problem damit."

Schalten im Regenmodus trotz trockener Piste

Newey ließ sich noch eine zweite Vorsichtsmaßnahme einfallen. Beide Fahrer mussten bei der Schaltstrategie den Regenmodus wählen. Dabei werden die Gänge weicher eingelegt. Deshalb blinkte bei Vettel und Webber das ganze Rennen lang das Rücklicht. Alonso beschwerte sich sogar darüber, weil ihn die Funzel in Vettels Heck störte.

Der Zeitverlust durch die schonenderen Schaltmanöver ist nicht sonderlich groß. "Weniger als ein Zehntel pro Runde", winkt Newey ab. "Schlimmer ist es, wenn der Fahrer von sich aus früher hochschalten muss." Mark Webber wurde mehrmals eindrücklich gewarnt, die Gänge zwei und drei nicht bis an die Schmerzgrenze auszudrehen. Hinweis: "Sonst kommst du nicht ins Ziel."

Newey bestätigt: "Bei Mark war es ernst. Wir konnten sehen, dass der Öldruck immer wieder phasenweise absackte. Bei Vettel war die Warnung eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es ist gut möglich, dass wir sein Getriebe in der Fabrik aufmachen, und es ist alles perfekt." Das wäre wünschenswert, denn Vettel muss mit dieser Schaltbox auch noch beim GP Singapur über die Runden kommen. Ginge etwas vorher kaputt, müsste er fünf Startplätze zurück.

Strategiewechsel am Samstag

Newey gab auch zu, dass man ursprünglich mit einer anderen Abstimmung ins Rennen gehen wollte. Am Freitag spielten Vettel und Webber den Fall 2011 noch einmal durch. Beide Red Bull waren kurz übersetzt und kamen nur auf 328 km/h Top-Speed. Doch Vettel demoralisierte die Konkurrenz mit Rundenzeiten, die sechs Zehntel unter denen seiner Verfolger lagen.

Trotzdem baute Red Bull am Samstag auf einen längeren Gang zurück und steigerte sich auf 336 km/h. "Uns war die Nummer zu heiß", verrät Vettel. "Wenn das geringste schiefgegangen wäre, hätten wir nicht den Top-Speed gehabt, um uns zu wehren oder zu überholen. 2011 war die ganze Nummer schon auf der heißen Nadel gestrickt. Ich hatte Glück, dass ich schnell an Alonso vorbeikam."

Newey ergänzt: "Am Freitag war die Taktik noch nicht ganz klar, ob ein oder zwei Stopps. Außerdem sprach der Wetterbericht von Regen. Bei so vielen Unbekannten kannst du nicht hoch pokern." Dass dann trotzdem zwei Red Bull in die erste Startreihe fuhren und auf dem Podium landeten, zeigt die Qualitäten dieses Autos. Egal, welche Abstimmung: Es war in Monza das schnellste Paket im Feld.

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