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Newey über den neuen RB8

Harte Zeiten für Red Bull

Adrian Newey GP Spanien 2011 Foto: xpb 22 Bilder

Red Bull-Technikchef Adrian Newey ist frustriert. Immer, wenn er die Konkurrenz mit einem genialen Auto demoliert, bremst ihn das Reglement ein. Diesmal haben sie dem Weltmeisterauto die größte Trumpfkarte weggenommen: Das Anblasen des Diffusors. Und damit kann Red Bull sein Auto nicht mehr so stark anstellen wie im Vorjahr.

07.02.2012 Michael Schmidt

Seit drei Jahren ist Red Bull eine Macht. Mit der großen Regelreform 2009 begann die Siegesserie des Teams aus Milton Keynes. Für Sebastian Vettel hat es sich ausgezahlt. Der Heppenheimer wurde ein Mal Zweiter in der WM und zwei Mal Weltmeister und gewann 20 Grand Prix. Technikchef Adrian Newey hatte den Start bei Null dazu genutzt, die Konkurrenz mit einem alternativen Konzept an die Wand zu fahren. Wäre ihm 2009 nicht der Doppeldiffusor dazwischen gekommen, hätte Vettel vielleicht da schon seinen ersten WM-Titel gewonnen.

Im letztjährigen Red Bull RB7 wurden Neweys Konstruktionsprinzipien zur Perfektion gebracht. Die Eigenheit des Autos bestand darin, dass die Bodenfreiheit hinten deutlich höher ausfiel als vorne. Der Red Bull war viel mehr nach vorne angestellt als jedes andere Auto im Feld. Möglich machte es der angeblasene Diffusor. Die Auspuffgase zielten auf die Spalte zwischen Hinterrädern und Unterboden und versiegelten so den Diffusor gegen seitliche Einströmung. Das ist umso wichtiger, je höher das Auto hinten steht.

Aus für Flatter-Flügel und angeblasenen Diffusor

Newey gibt zu, dass ihm dieser Weg mit dem neuen RB8 verbaut war: "Unsere letzten beiden Autos waren um den angeblasenen Diffusor herum gebaut. Seit die FIA im August die neuen Auspuffregeln festgelegt hat wissen wir, dass das nicht mehr geht. Das Anstellen des Autos hing in einem starken Maße davon ab, wie wir mit dem Auspuff im Heck extra Abtrieb produzieren konnten." Der 53-jährige Engländer glaubt nicht, dass der Auspuff mit den neuen Regeln auch nur annährend so viel zur Aerodynamik beisteuert, wie das im letzten Jahr noch der Fall war. "Die Teams werden verschiedene Positionen probieren im Rahmen dessen, was die FIA erlaubt. Ich sehe da keine große Chance, entscheidend Abtrieb zurückzugewinnen. Das Reglement ist sehr spezifisch und sehr restriktiv." Auch in einem zweiten Punkt wird Red Bull zurückstecken müssen. Die Biegsamkeit des Frontflügels wird durch schärfere Tests weiter eingeschränkt. Auch da hatte Red Bull im Vergleich zur Konkurrenz die Nase vorn. Newey erzählt leicht angesäuert: "Im November haben wir von den strengeren Tests erfahren. Die hat uns vermutlich Ferrari mit seinem Flatterflügel eingebrockt. Die Konsequenz ist, dass der Frontflügel jetzt erheblich schwerer wird. Das bestraft schwere Fahrer. Sie müssen unter Umständen eine nicht optimale Gewichtsverteilung in Kauf nehmen. Das höhere Gewicht vorne schränkt unseren Spielraum ein." Also keine guten Nachrichten für Mark Webber, der schon letztes Jahr an seinem Zehn-Kilogramm-Handikap gegenüber Sebastian Vettel schwer tragen musste.

Red Bull RB8 ohne Supertrick

Auch auch Vettel muss sich fragen, ob die Siegesserie in diesem Jahr so weitergeht. Er wird in einem kastrierten Red Bull sitzen. Newey bedauert, dass er ihm diesmal keinen Supertrick bieten kann. "Als Ende 2010 der Doppeldiffusor verboten wurde, waren wir mit dem Anblasen des Diffusors in der Lage, den verloren gegangenen Abtrieb so gut wie möglich zu ersetzen. Diesmal gibt es leider keine geniale Idee, um den Verlust an Anpressdruck zu kompensieren. Alle werden versuchen auf konventionelle Art so viel wie möglich zurückzuholen. Es ist aber im augenblicklichen Stadium unmöglich zu sagen, wer das am besten gelöst hat." Mit einem Stoßsäufzer klagt der Mann mit der hohen Stirn: "Es ist schade, dass die Regeländerungen den Erfindergeist immer weiter einschränken. Irgendwann haben wir eine GP1-Klasse, bei der alle Autos gleich ausschauen." Die viel kritisierte Nase spielt laut Newey keine entscheidende Rolle, wenn es um Rundenzeit geht. "Leider hat uns das Reglement zu einer hässlichen Lösung gezwungen. Wir favorisieren seit der großen Regelreform 2009 das Konzept der hohen Nase. Ich will damit aber nicht sagen, dass McLaren mit seiner niedrigen Nase falsch liegt. Sie haben Erfahrung mit diesem Konzept. Da liegt es auf der Hand, dass sie das weiterverfolgen." Der vermeintliche Flügel in der Stufe der Nase ist übrigens kein Flügel. Ein Blick auf das Originalauto offenbart, dass es nur vorne eine Öffnung gibt. Newey klärt auf: "Die Luft, die dort reingeht, wird ins Cockpit geblasen. Beim letztjährigen Auto haben wir die Luft durch ein Loch vorne in der Nase eingeleitet. Jetzt hat sich diese Lösung angeboten."

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