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Nico Hülkenberg exklusiv

"Formel 1 muss Nonplusultra bleiben"

Nico Hülkenberg - Force India 2014 Foto: Force India 59 Bilder

Nico Hülkenberg ist genauso gespannt auf die neue Formel 1-Saison wie Sie und wir. Der neue Force India-Pilot erzählt auto motor und sport im Exklusiv-Interview, was ihn wenige Tage vor dem Start zu den Wintertests bewegt.

21.01.2014
Wie haben Sie den Winter verbracht?

Hülkenberg: Ganz ruhig eigentlich. Ich war viel zuhause, habe mich vorbereitet und zuletzt die Trainingsschraube wieder etwas angezogen.

Was heißt das?

Hülkenberg: Da kommt dann der Trainer vorbei, und da wird intensiver gearbeitet. Vormittags und nachmittags jeweils eine Einheit.

Wie oft waren Sie in Silverstone bei Force India?

Hülkenberg: Vor Weihnachten war ich einmal da, dann letzte Woche und jetzt diese Woche wieder. Und dann geht es ja auch schon los.

Wie haben Sie den Bau Ihres neuen Formel 1-Autos verfolgt. Haben Sie eine Standleitung zu Ihren Ingenieuren?

Hülkenberg: Die Teams halten da schon die Hand drauf und schicken delikate Informationen nicht per E-Mail herum. Da musst du schon selbst in die Fabrik fahren. Wenn ich in Silverstone bin, gehe ich mit den Ingenieuren in den Windkanal und schaue mir an, woran sie gerade arbeiten, und lasse mir von unserem Technikchef Andy Green die Fortschritte erklären.

Tut es noch weh, dass es letztes Jahr mit Ferrari, McLaren und Lotus nicht geklappt hat?

Hülkenberg: Ehrlich gesagt, denke ich da nicht mehr dran. Das liegt alles hinter mir. Die Konzentration ist jetzt voll auf der neuen Saison. Das wird ein spannendes Jahr, weil keiner so richtig weiß, was einen erwartet. Da liegt viel Ungewisses in der Luft. Ich bin mal gespannt, wie sich das alles entwickelt.

Worauf sind Sie am meisten gespannt?

Hülkenberg: Als Fahrer natürlich, wie sich das Fahrgefühl ändert im Vergleich zu dem, was ich in den letzten vier Jahren in der Formel 1 erlebt habe. Wie verhält sich der Motor, wie das Auto, wie wird das Grip-Niveau sein, werden die Autos viel langsamer sein? Alles Fragen, die mir als Fahrer im Kopf herumschwirren. Die werden unbeantwortet bis nach den ersten Testfahrten bleiben. Selbst in Jerez wird es nicht auf alle Fragen Antworten geben. Das komplette Bild werden wir erst nach den Testfahrten in Bahrain und den ersten Rennen sehen.

Wäre es eine große Enttäuschung, wenn die Autos drei bis vier Sekunden langsamer werden als 2013?

Hülkenberg: Irgendwie schon. Das wäre ein Schritt in die falsche Richtung. Die Formel 1 muss das Nonplusultra bleiben. Wenn wir vier Sekunden verlieren, dann wäre die GP2 schon sehr nahe an die Formel 1 gerückt, und da wäre der Unterschied nicht mehr deutlich genug.

Kann man also nicht sagen: Ich muss immer am Limit fahren, egal wie schnell das Auto ist?

Hülkenberg: Der Maßstab ist nun mal da, wo er war. Die Autos in den letzten vier Jahren waren zumindest im Qualifikationstrimm schön schnell. Das ist als Erfahrung im Kopf abgespeichert. Davon will man als Fahrer nicht weg. Weil es sich schnell anfühlt, weil es Spaß macht, und weil es einen Kick gibt.

Wie viel wissen Sie denn von den neuen Autos? Haben Sie schon im Simulator gesessen?

Hülkenberg: Nein. Force India hat einen Simulator, aber die Software und die Modelle sind noch nicht auf dem 2014er Stand. Dann macht es auch keinen Sinn, im Simulator zu testen. Wir sind in der Abwartephase. Nach dem Test gibt es viele Eindrücke und Daten. Damit lassen sich die Rechenmodelle im Simulator dann füttern. Ich glaube, da kommt mehr bei raus, als wenn man jetzt auf der Grundlage der Theorie herumtestet.

Sieht das Lenkrad viel anders aus? Mit zwei Hybridsystemen gibt es ja viel mehr Einflussmöglichkeiten für den Fahrer.

Hülkenberg: Das Lenkrad bleibt erst einmal gleich. Das Team will zunächst schauen, was die Anforderungen sind, und dann anhand dieser Erfahrungen reagieren. Danach wird das Lenkrad feingetunt.

Die Bremsbalance darf dieses Jahr je nach Hybrideinsatz automatisch verstellt werden. Eine Hilfe für den Fahrer?

Hülkenberg: Ich hatte letztes Jahr ein Mal einen KERS-Ausfall und fand es jetzt nicht so schlimm, die Bremsbalance manuell nachzuregulieren. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was mich da erwartet. Ich bin zunächst einmal auch nur Passagier und lasse mich überraschen.

Sind Sie in Ihrer Karriere schon mal einen Turbo-Motor gefahren?

Hülkenberg: Ich glaube nicht.

Wie sieht das neue Auto aus?

Hülkenberg: Ein bisschen anders. Für den Laien stechen natürlich der schmalere Frontflügel und die markante Nase ins Auge, die etwas gewöhnungsbedürftig aussieht. Nicht mehr so hübsch. Dass der untere Heckflügel fehlt, ist für den Fan auf den ersten Blick am Fernseher nicht so schnell erkennbar. Er war ja gut versteckt. Das Auto ist relativ schlicht. Die Seitenkästen sind nicht großartig anders, bis auf die Auspuffrohre, die dort jetzt nicht mehr sein dürfen.

Was hat sich bei Force India nach einem Jahr Pause verändert?

Hülkenberg: In der Fabrik wurde ein bisschen umgebaut, es sind ein paar Sachen dazugekommen. In jedem Bereich gibt es mehr Leute. Ein gutes Zeichen, wenn das Team wächst.

Nach Barrichello, Di Resta und Gutierrez kommt jetzt Perez. Was erwarten Sie von Ihrem neuen Teamkollegen?

Hülkenberg: Das wird ein heißes Duell. Ich schätze Sergio als sehr stark ein. Wir kennen uns schon lange, haben 2005 zusammen in der Formel BMW zusammen angefangen. Seitdem haben wir uns immer wieder getroffen. 2009 sind wir zusammen noch in der GP2 gefahren. Ich erwarte einen engen Zweikampf.

Er steht im Ruf ein Reifenstreichler zu sein. Wird das 2014 noch eine Rolle spielen?

Hülkenberg: Ohne einen Test ist es unheimlich schwer, da irgendwelche Prognosen abzugeben. Die Reifen verändern sich von den Mischungen her. Was da vom Fahrer gefordert wird, kann ich nicht sagen. Auch wie sich das Drehmoment anfühlen wird, wie die Hybridpower reinkommt, das ist alles ein großes Fragezeichen. Ich muss mich wie alle anderen auch überraschen lassen.

Für Ihre Generation war eine Zielankunft eine Selbstverständlichkeit. Das könnte sich ändern. Wird es ein Erfolg sein, überhaupt anzukommen?

Hülkenberg: Es kann sein, dass wir da umdenken müssen. Wir tappen da alle im Dunklen, auch die Teams. Wir müssen die Saison mal anfangen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das alles verhalten wird, wie standfest die neue Technik ist. Von da, wo ich sitze, ist es unmöglich vorherzusagen, was passieren wird.

Wer ist Favorit? Gibt es überhaupt einen?

Hülkenberg: Es ist offener als in den Jahren zuvor. Trotzdem sind die großen Teams mit den großen Budgets im Vorteil. Die können bei so einer kompletten Umstrukturierung einfach schneller entwickeln. Aber so ein neues Reglement gibt auch die Chance, als kleinerer Rennstall etwas besser zu machen als die anderen. Denken Sie nur an Brawn GP 2009. Du kannst natürlich auch leichter ins Klo greifen. Da gibt es Potenzial in beiden Richtungen.

Es soll noch mehr Strafen geben, dazu ein Punktekonto. Wird das langsam zu viel?

Hülkenberg: Es macht die Sache noch komplizierter. Für jedes Vergehen gibt es eine dafür bestimmte Strafe. Für die Fans ist das sicher schwerer zu verstehen. Auch wir Fahrer müssen uns da erst einmal dran gewöhnen.

Doppelte Punkte zum Schluss könnte für die Teams, die im Mittelfeld um Positionen und Geld aus der Kasse von Bernie Ecclestone kämpfen, fatal sein.

Hülkenberg: Wenn du da im letzten Rennen in der ersten Kurve blöd abgeräumt wirst, und dein Gegner fährt in die Punkte, und das gleich doppelt, dann kann sich daraus eine heikle Situation ergeben. Ich weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll.

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