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Nico Hülkenberg exklusiv

"Habe Perez aufs Podium geholfen"

Nico Hülkenberg - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Foto: xpb 59 Bilder

Nico Hülkenberg liegt auf Platz 3 der WM. Er ist einer von vier Fahrern, die immer gepunktet haben. Trotzdem hat die Bilanz des Force India-Piloten einen Schönheitsfleck. Das erste Podium holte Teamkollege Sergio Perez. Im Gespräch mit auto motor und sport zieht Hülkenberg eine Zwischenbilanz.

08.04.2014 Michael Schmidt
Fünfter Platz in Bahrain, Dritter in der WM, und trotzdem nicht ganz happy. Warum?

Hülkenberg: Wegen dem Samstag. Für den einen Fehler im Qualifying habe ich am Sonntag bezahlt. Das hat mich das Podium gekostet. So habe ich den dritten Platz quasi meinem Teamkollegen gegeben.

Wie war der Start?

Hülkenberg: Die erste Runde war gut. Ich kam als Sechster zurück. In Kurve 10 haben die Räder voll blockiert. Das war ein ganz schönes Rumgehacke, wie das ganze Rennen überhaupt. Das war ja irre mit all den Zweikämpfen. Einer nach dem anderen. Da sind die Fetzen geflogen. Das war wie früher beim Go Kart-Rennen. War cool und hat richtig Spaß gemacht.

Wie ging es weiter?

Hülkenberg: In Runde 15 hatte ich meinen ersten Stopp. Die Runde aus der Box raus hat ziemlich gesessen. Innerhalb von 500 Metern habe ich Kimi und Kvyat überholt. Die Runde war so gut, dass ich vor Sergio gekommen bin, obwohl ich vorher 3,6 Sekunden hinter ihm lag. Dann sind wir auf die Williams zugefahren, und das hat uns ein bisschen das Genick gebrochen. Sergio und ich sind hinter denen festgehangen, weil die sauschnell auf der Geraden waren. Die sind mit einer anderen Strategie gefahren, und da haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt.

Dann kam der Zwischenfall mit Massa. Was ist da genau passiert?

Hülkenberg: Er hat mich auf der zweiten Kurve nach rechts raus gedrängt. Dadurch hatte ich in Kurve 4 den Schwung verloren, und Sergio konnte innen durchstechen. Das war die Schlüsselszene, warum ich nur Fünfter bin und nicht Dritter.

War das Manöver von Massa fair?

Hülkenberg: Ich habe es mir im Fernseher noch einmal angeschaut. Da sieht es nach nichts aus. Aber eigentlich gibt es die Regel, dass du deinem Hintermann eine Wagenbreite Platz lassen musst, wenn der mit seinem Flügel auf Radhöhe des Vordermannes ist. Das hat Felipe nicht gemacht. Er hat mich rübergedrückt, so dass ich mit meinen rechten Reifen über die weiße Linie drüber und lupfen musste, um wieder zurückzukommen. Das war schon ein bisschen grenzwertig.

Wie groß war die Versuchung reinzuziehen, als Perez von rechts kam, um ihm zu zeigen: Ich bin der Chef?

Hülkenberg: Keine Chance in der Szene. Ich hatte nur noch einmal nach dem Re-Start die Möglichkeit Sergio anzugreifen. Wir haben natürlich die gleichen Waffen. Die Reifen überhitzen ziemlich schnell. Er hatte freie Fahrt, weil die zwei Mercedes vorne gleich weg gezogen sind. Ich hing im Verkehr. Wenn du so nah hinten dran fährst, zahlen dir das die Reifen sofort heim.

Ricciardo war nicht zu halten?

Hülkenberg: Hallo? Habt ihr nicht gesehen, wie die Red Bull abgegangen sind. In den Kurven und auf der Bremse sind die unheimlich schnell. Ich habe mich lange gegen Daniel gewehrt und habe damit auch dazu beigetragen, dass ein Force India auf dem Podium steht. Wäre Ricciardo zwei, drei Runden früher durchgerutscht, hätte er Sergio sicher auch noch geknackt.

Wie sehr schmerzt es, dass der dritte Platz an den Teamkollegen ging?

Hülkenberg: Da ist schon so ein fader Beigeschmack. Keine Frage, dass ich das Podium gerne geholt hätte. Aber so ist Rennsport. Bei dem Rennen war alles auf einem so schmalen Grat. Da musste alles sitzen. Ich hatte ein kleines Problem am Sonntag und den Haken im Qualifying, und dafür habe ich bezahlt.

Was war das geilste Manöver in diesem irren Rennen?

Hülkenberg: Die Runde, als ich Kimi und Kvyat weggeschnupft habe.

Wo haben Sie am meisten geflucht?

Hülkenberg: Als mich Checo zurücküberholt hat wegen dem Manöver von Felipe.

Sie sind Dritter in der WM, Force India liegt auf Platz 2 vor allen Big Shots. Was ist da los?

Hülkenberg: Wir haben einen konstant guten Job gemacht. Ich bin drei Mal in die Punkte gefahren. Klar, wird die Situation im Moment von den Motoren dominiert. Renault und Ferrari haben Nachholbedarf, und dadurch sehen die Kundenteams von Mercedes gut aus.

Ist Force India das beste Mercedes-Kundenteam?

Hülkenberg: Wenn du dir die Punkte anschaust, dann ja. Vom Eindruck her sind wir alle drei auf Augenhöhe.

War die Kritik an der Formel 1 überzogen?

Hülkenberg: Jeder hat da seine Meinung. Das Rennen war mega-unterhaltsam. Vom Tempo her nach wie vor ein bisschen langsam, aber in der Qualifikation sind wir definitiv näher dran am letzten Jahr. Und das obwohl wir 50 Kilogramm schwerer sind. Rechnet die mal raus, dann sind wir deutlich schneller als vor einem Jahr. Die Autos werden sich entwickeln, und sie werden bis zum Ende des Jahres noch schneller werden.

Warum war gerade dieses Rennen so spannend?

Hülkenberg: Das Streckenlayout ist gut. Wenn du überholt wirst, wird dir immer eine Möglichkeit geboten zu kontern. Dann haben die Hinterreifen stark abgebaut, und das hat viele unterschiedliche Strategien hervorgebracht. Dadurch haben sich die Wege einiger Fahrer immer wieder gekreuzt.

Diese Woche testet Force India viele Aero-Updates, die angeblich eine halbe Sekunden bringen sollen. Wo steht Force India dann in China?

Hülkenberg: Ich weiß nicht, ob die halbe Sekunde realistisch ist. So etwas muss man erst einmal mit Vorsicht genießen. Ich will es am Auto haben und fühlen. Erst dann bin ich zufrieden. Wir müssen die gute Phase nutzen und von den Punkten her das Maximum rausholen. Bisher hat das gut geklappt. Auf dieser Welle müssen wir weiter surfen.

Rückblickend haben Sie mit Ihrer Teamwahl den goldenen Griff getätigt.

Hülkenberg: Auf jeden Fall. Aber es ist natürlich ganz leicht, dass jetzt hier zu behaupten. So oder so bin ich mit meiner Wahl froh. Ich fühle mich bei Force India sehr wohl und kann mit dem Team echt gut arbeiten.

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