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Nico Hülkenberg im Interview

"Es gibt mehrere Interessenten"

Nico Hülkenberg Foto: dpa 8 Bilder

Nach seinem GP2-Titel ist Nico Hülkenberg ein sicherer Kandidat für ein Formel 1-Cockpit in der nächsten Saison. Dabei verhandelt der Emmericher nicht nur mit seinem aktuellen Arbeitgeber Williams, sondern auch mit anderen Teams. Die neuen Rennställe sind allerdings keine Alternative.

15.09.2009 Tobias Grüner, Michael Schmidt

Ist der GP2-Titel der größte Erfolg Ihrer Karriere?
Hülkenberg: Jeder Titel ist schön und gut und ich weiß nicht, welcher mehr Wert ist. Alle sind irgendwie wichtig.

Haben Sie erwartet, dass Sie am Ende der Saison so wegziehen können?
Hülkenberg: Nein, gar nicht erwartet. Am Anfang der Saison sah es ja nicht danach aus. Da hatten wir einen richtig großen Rückstand auf Romain Grosjean und auch auf Vitaly Petrov, weil wir am ersten Wochenende in Barcelona trotz guter Ausgangsposition überhaupt keine Punkte geholt haben. Danach haben wir uns wirklich permanent gesteigert, sind immer besser geworden und hatten dann unser Hoch am Nürburgring und in Valencia.

Woran lag es? Wie wurde das Ruder herumgerissen oder waren es nur Rookie-Probleme am Anfang?
Hülkenberg: Ja, ich denke es war der Lerneffekt und auch mit dem Auto waren wir nicht da, wo wir jetzt sind. Wir haben ein paar gute Sachen gefunden. Da haben wir uns auf jeden Fall verbessert und auch ich habe mich verbessert. Ich fühle mich richtig wohl im Auto und ich denke, es ist das Zusammenspiel von allem.

Wann war für Sie der Durchbruch, wo Sie gedacht haben, jetzt bin ich eins mit dem Auto, jetzt habe ich begriffen, wie das Setup sein muss, jetzt fühle ich mich wohl?
Hülkenberg: Es fing in Silverstone schon ein bisschen an. Und dann richtig ab dem Nürburgring, auch weil ich die Strecke natürlich gut kannte. Da hat es dann einfach gepasst. Ungarn war anschließend auch ganz gut, da haben wir von fünf aus gewonnen, und dann kam Valencia. Valencia war ein Traum, so ein gutes Gefühl hatte ich noch nie.

Was hat Ihnen die GP2 Saison persönlich gebracht, wie haben Sie sich fahrerisch weiterentwickelt?
Hülkenberg: Ich habe gelernt mit dem Auto umzugehen. Am Anfang war ich kein Fan von dem Auto, weil es im Vergleich zum Formel 3 und Formel 2 ziemlich schwer und träge ist, vor allen Dingen in schnellen Kurven. Aber daran habe ich mich gewöhnt und jetzt macht mir das GP2-Fahren richtig Spaß. Es ist eine richtig schöne Serie, wo noch richtig viel Racing mit dabei ist und wo man noch überholen kann.

Sie sind mit einem gigantischen Vorsprung in die letzten zwei Rennen gegangen. Fährt man da irgendwie anders, taktischer?
Hülkenberg: Man muss immer noch eine gesunde Aggressivität haben. Dieses zu konservativ Fahren finde ich nicht gut. Das geht meistens nach hinten los. Ich wollte keine dummen Sachen machen, wollte aber auch nicht rumfahren wie so ein Weichei.

Würden Sie sagen, dass die GP2 eine gute Vorbereitung auf die Formel 1 ist? Ist es das, was am nächsten drankommt?
Hülkenberg: Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich aber auch schon vor der Saison bereit für die Formel 1 gefühlt.

Wie sieht es aus für nächstes Jahr? Stecken Sie in Verhandlungen oder ist noch alles in der Schwebe?
Hülkenberg: Es gibt Gespräche, aber es sieht gut aus.

Ist Williams da der erste Ansprechpartner?
Hülkenberg: Ich habe halt seit zwei Jahren schon eine Zusammenarbeit mit Williams und es gibt da auch Verträge. Aber es gibt auch andere Interessenten.

Gibt es auch mit den neuen Teams Verhandlungen?
Hülkenberg: Nein, von den neuen Teams ist keiner dabei.

Arbeiten Sie noch bei Williams in der Fabrik?
Hülkenberg: Ja. Ich geh jetzt in den Windkanal. Es war ja jetzt Sommerpause, da war ich nicht viel in der Fabrik. Ich war auch selbst viel unterwegs gewesen. Aber das wird sich jetzt im Winter wieder ändern.

Hat man Ihnen schon etwas von der neuen Entwicklung für das nächste Jahr gezeigt?
Hülkenberg: Nein, gar nichts.

Inwiefern hat Sie das ganze Drumherum für das nächste Formel 1-Jahr von der GP2 abgelenkt?
Hülkenberg: Eigentlich gar nicht. Klar hört man hin, aber ich könnte jetzt nicht behaupten, dass ich deswegen keinen klaren Gedanken mehr fassen könnte. Ich kann mich trotzdem noch auf mein GP2-Qualifying und Rennen konzentrieren.

Inwieweit sind Sie selbst involviert in diese Gespräche oder überlassen Sie das alles dem Management?
Hülkenberg: Klar überlasse ich die Gespräche dem Management, aber wir reden natürlich auch darüber, was es Neues gibt, welches die beste Option ist, was wir wollen und wo wir am besten hinpassen.

Bis wann denken Sie, wird die Entscheidung fallen?
Hülkenberg: Ich hoffe in den nächsten Wochen.

Grosjean fährt jetzt in der Formel 1, Alguersuari auch, also junge Leute, die von unten kommen. Verfolgen Sie das ein wenig, welche Probleme die haben?
Hülkenberg: Klar schau ich mir an, was die so machen. Im Gegensatz zu Grosjean bin ich aber in einer anderen Situation. Ich weiß, was mich in der Formel 1 erwartet. Ich bin viel mehr gefahren als er. Ich weiß von den Tests und von den Daten her, wo ich ungefähr stand und was mich erwartet. Diese Situation hatte er nicht.

Können Sie sich darauf einstellen, im nächsten Jahr vielleicht nur im Mittelfeld rumzufahren? In den letzten Jahren ging es immer um den Titel.
Hülkenberg: Schwer. Will ich auch gar nicht. Aber man muss auf jeden Fall damit rechnen.

Wieviel schlechter ist ein GP2-Auto im Vergleich zur Formel 1?
Hülkenberg: Wenn du immer am Limit fährst, ist jedes Auto schwer zu fahren. Das ist in der Formel 1 so und in der GP2 auch, nur die Grenze ist bei uns halt etwas tiefer. Ein Formel 1-Auto ist vielleicht etwas spitzer zu fahren, aber mit dem Bock hier hat man auch gut zu kämpfen, vor allem mit dem Gewicht hinten, wenn Benzin drin ist.

Dann haben Sie ja einen guten Lerneffekt für nächstes Jahr, wenn es keine Tankstopps mehr gibt.
Hülkenberg: Ja, da brauch ich mich gar nicht umstellen.

Sie sind jetzt durch das Testverbot ein Jahr lang gar kein Formel 1-Auto gefahren. Muss man sich da noch einmal neu dran gewöhnen?
Hülkenberg: Ja, klar. Es dauert schon ein paar Ründchen, bis man sich da wieder an das andere Cockpit gewöhnt hat, die andere Sitzposition, die anderen Kräfte und die Beschleunigung.

Sie testen nicht bei Williams in einem Simulator?
Hülkenberg: Ja, doch. Aber das ist halt nicht so wie in einem richtigen Auto.

Wie gut ist die Konkurrenz in der GP2? Wie gut ist dieser Vitaly Petrov?
Hülkenberg: Petrov ist sehr gut. Der fährt im dritten Jahr, der muss eigentlich auch gut sein. Ich glaube, Petrov ist ein Arbeitstier. Der arbeitet sehr hart und nimmt die ganze Sache sehr ernst. Darum habe ich auch sehr viel Respekt vor ihm und er hat vom Willen her auf jeden Fall auch Potential.

Wer hat sonst aus dem Feld noch Potential? Wem würden Sie den Aufstieg noch zutrauen?
Hülkenberg: Das ist sehr schwer zu sagen. Vielleicht dem Sergio Perez, der ist auch sehr schnell.

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