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Nico Hülkenberg im Interview

"Es soll mein bestes Formel 1-Jahr werden"

Porträt - Nico Hülkenberg - Force India - 2015 Foto: Force India 59 Bilder

Was macht ein Formel 1-Fahrer über den Winter? Wir haben bei Nico Hülkenberg nachgefragt und wollten auch noch wissen, was er sich von der neuen Saison verspricht. Der Force India-Pilot stand auto motor und sport Rede und Antwort.

01.02.2016 Michael Schmidt
Wie verlief Ihr Winter?

Hülkenberg: Erstmal war ich 10 Tage am Stück auf Reisen. Und gleich danach krank. Der Rennfahrer hat im Winter auch mal Pause, und sie tut auch ganz gut. Es ist Zeit für Urlaub, abzuschalten und Kraft zu tanken. Ich war nach dem Finale auch noch 2 Tage in der Fabrik und habe mit den Ingenieuren die Saison Revue passieren lassen. Nochmal alles analysiert: Was war gut, was war schlecht, woran müssen wir arbeiten? Weihnachten und Neujahr ist wirklich Winterschlaf. Auch in der Fabrik ist es da ziemlich ruhig. Da kriegst du auch weniger E-Mails vom Team.

Und jetzt im Januar?

Hülkenberg: Jetzt geht es langsam wieder los. Sitz anpassen, in der Realität zu sehen, wo das Auto steht, was gemacht wurde. Dazwischen immer wieder Telefonate mit deinem Ingenieur und dem Management.

Wie lange sind Sie relaxt, wann werfen Sie den Turbo wieder an?

Hülkenberg: Den Turbo für das Training wirfst du Anfang Januar schon wieder an. Aber das ist ja alles Trockentraining. Die Begeisterung kommt dann, wenn der erste Fahrtermin näher rückt.

Fällt das Training schwer, wenn man weiß, dass die ersten Tests erst in 12 Wochen stattfinden?

Hülkenberg: Klar, manchmal muss man sich schon in den Hintern treten und von der Couch runter. Aber man ist ja für sich selbst verantwortlich und muss wissen, wie viel Gas man geben muss, um auf Touren zu kommen.

Was heißt "Gas geben" bei Ihnen?

Hülkenberg: Alleine spule ich konstant ein Programm für mich ab. Nur Ende Dezember fahre ich für 2 Wochen runter. Nicht länger, sonst fällst du zu sehr ab, und musst wieder zu viel aufholen. Aber danach wird es intensiv. Da bin ich mit dem Trainer ein bis zwei Wochen in einem Camp. Das geht dann den ganzen Tag mit zwei ordentlichen Trainingseinheiten am Vormittag und Nachmittag. Dazwischen Training für Reaktion und Balance. Jetzt geht auch die Rumreiserei wieder los, und da musst du natürlich alles drumherum planen. Mir wird es nicht langweilig.

Sie waren letzte Woche für ein Sport-Quiz bei der BBC im Abendprogramm. Welche Motorsport-Frage konnten Sie nicht beantworten?

Hülkenberg: Nur eine. Sie wollten wissen, wie der Tennisspieler heißt, der den gleichen Namen wie ein Formel 1-Fahrer trägt, der 2015 einen Podiumsplatz geholt hat.

Und wer war es?

Hülkenberg: Ein gewisser Sebastien Grosjean.

Sie können aber zweieinhalb Monate kein Rennauto fahren. Reagieren Sie sich da mit Kartfahren ab?

Hülkenberg: Das machen einige meiner Kollegen. Ich überlege gerade auch, im Februar noch mal auf die Kartstrecke zu gehen. Es ist schon komisch bei uns. Der Tennisspieler spielt jeden Tag Tennis, der Schwimmer geht jeden Tag schwimmen. Nur wir müssen warten. Teilweise tut der Abstand ja auch ganz gut, auch wenn diesmal die Pause ein bisschen lang ist. Aber ich weiß aus Erfahrung: Wenn ich mich in Barcelona ins Auto setze, dann ist das Gefühl sofort wieder da und ich weiß, was ich zu tun habe. Es ist einfach unser Handwerk und nicht so, dass ich mich mega eingerostet fühle.

Hatten Sie eigentlich Kontakt zu Ihrem Teamkollegen über den Winter?

Hülkenberg: Hey komm, der Teamkollege ist jetzt keiner, den du zu Weihnachten anrufst. Wir schicken uns auch keine Neujahrs-Karte. Letzte Woche haben wir uns um einen Tag in der Fabrik verpasst. Wir werden uns bei einem PR-Event im Februar treffen.

Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?

Hülkenberg: Ich bin hungrig. Ich will angreifen. Und ich will, dass 2016 mein bestes Jahr in der Formel 1 wird. Es gibt keinen Grund, warum Force India nicht an die guten Leistungen anknüpfen sollte, seit wir mit letztes Jahr der B-Version des Autos unterwegs waren.

Die Plätze 4 bis 6 werden hart gekämpft sein?

Hülkenberg: Da kann man viel spekulieren. Wir müssen uns auf uns selbst fokussieren und unsere Hausaufgaben machen. Und die Schwächen beheben, die wir letztes Jahr noch hatten. Das ist das, was wir in der Winterzeit gemacht haben. Deshalb bin ich auch zuversichtlich. Es ist uns auch klar, dass da jeder potenzielle Gegner ein harter Brocken sein kann. McLaren, wenn mehr Power von Honda kommt. Toro Rosso mit Ferrari-Motoren. Red Bull sowieso. Auch Haas F1 schätze ich gleich von Anfang stark ein. Unser Ansatz sollte vielleicht sein, dass wir auf das Niveau von Williams kommen.

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