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Nico Rosberg exklusiv

"Ich höre wieder Reifenquietschen"

Nico Rosberg - Test Bahrain 2014 Foto: xpb 110 Bilder

Nico Rosberg geht als einer der Favoriten in die neue Formel 1-Saison. Im Interview mit auto motor und sport sprach der Mercedes-Pilot über die Chancen, in dieser Saison das ganz große Ziel zu erreichen, über die technische Herausforderung und die neuen Gefühle im Rennauto.

05.03.2014 Michael Schmidt
Nach 12 Testtagen haben Sie einen besseren Überblick. Sagen Sie mir bitte die ersten Drei von Melbourne?

Rosberg: Das bringt ja nichts. Was kann ich sagen momentan? Es scheint so, dass Mercedes mit seiner Antriebseinheit einen guten Job gemacht hat und wir deshalb einen leichten Vorteil vor manch andere haben. Aber Prognosen führen zu nichts. Red Bull war letztes Jahr beim Testen hinterher. Und beim ersten Rennen sind sie dominant mit fünf Zehntel Vorsprung in der Qualifikation gefahren.

Sind Sie mit den Testfahrten für sich zufrieden?

Rosberg: Wir hatten eine gute Testphase, aber auch da muss man vorsichtig sein. Die letzten zwei Testtage vor Melbourne standen wir den halben Tag in der Box, um zu reparieren. Das ist schon eine riesen Herausforderung. Es wird enorm schwer sein, das Auto für Melbourne perfekt hinzukriegen. Was hilft dir der Speed, wenn du nicht ins Ziel kommst? Es ist eine mega-interessante Zeit in unserem Sport. Alles ist erfrischend neu. Die Hoffnung ist da, dass Red Bull nicht mehr so überlegen vorneweg bläst, dass die Reihenfolge durcheinander gewürfelt wird. Dazu kommt die neue Technologie. Das ist absolut faszinierend. Die Möglichkeiten, die das Team und der Fahrer haben, um dir das Auto wie einen Maßanzug anzupassen, das ist eine echt spannende Aufgabe. Und das motiviert mich voll.

Um wie viel mehr spielt der Kopf jetzt eine Rolle?

Rosberg: Der spielte auch früher eine Rolle. Aber da sind wir Fahrer verschieden. Mancher denkt überhaupt nicht mit beim Fahren, und ich versuche halt mir Gedanken zu machen, weil ich hoffe, dass mir das vielleicht ein paar Vorteile verschafft. Ob es so ist oder nicht, weiß ich nicht, aber das ist halt mein Weg. Und ich interessiere mich einfach für die ganze Technologie und versuche, das für mich zu nutzen. Mir ist es wichtig, dass mein Auto eins ist mit mir. Dann kann ich noch mal ein paar Zehntel rausholen aus dem Ganzen. Ich kann nur eins werden mit dem Auto, wenn es absolut meinen Bedürfnissen entspricht. Da habe ich jetzt so viele Werkzeuge und Einstellmöglichkeiten dieses Jahr, und die will ich nutzen.

Haben die Testfahrten ausgereicht, den Mercedes hundertprozentig an Sie anzupassen?

Rosberg: Auf gar keinen Fall. Ich bin auf einem guten Weg, ich bin zufrieden, aber das wird eine ständige Entwicklung, jedes Rennwochenende. Da ist noch kein Team so weit. Das wird noch ein langer Weg. Jetzt gibt es so viele Möglichkeiten mehr. Mit dem V8 war alles am Limit. Ich habe drei Jahre lang darum gebeten, die Fahrbarkeit des Motors zu verbessern. Aber da ging nicht mehr viel, weil alles schon homologiert war. Dieses Jahr ist noch alles möglich, egal ob Fahrbarkeit oder Spritverbrauch. Da kannst du noch mit schlauen Ideen kommen, und plötzlich verbrauchst du ein halbes oder gar ein Kilogramm weniger.

Auf ihre Trainingsbestzeit von 2013 fehlte nur eine knappe Sekunde. Wie wird das am Ende des Jahres aussehen?

Rosberg: Bahrain ist eine Motorstrecke. Das haben wir schon 2009 gesehen. McLaren hatte als einziger KERS aber ein schlechtes Auto. Trotzdem waren sie vorne dabei. Weil ihnen KERS geholfen hat. Jetzt sind wir einfach viel schneller auf den Geraden. Das macht die Zeit, die wir in den Kurven einbüßen wieder gut. Auf anderen Strecken wird mehr Rundenzeit fehlen.

Wie ist das neue Gefühl mit 330 bis 340 km/h auf der Geraden?

Rosberg: Mir wäre lieber ein bisschen langsamer auf der Geraden, dafür schneller in den Kurven. Die Kurven, das ist das Coole. Am stärksten spürst du den Speedverlust jetzt in den schnellen Kurven, weil da einfach der Abtrieb fehlt.

Verstehen Sie alles, was da hinter Ihrem Rücken passiert?

Rosberg: Nein, definitiv nicht. Ich gebe mir aber Mühe, das alles zu verstehen, was mich betrifft. Ich weiß jetzt nicht unbedingt im Detail, wie mein Getriebe den Gang wechselt. Aber ich weiß genau, was ich alles mit meinem Getriebe machen kann. So weit geht es bei mir und nicht weiter.

Rennfahrer fahren ja auch mit dem Gehör. Stimmt es, dass das jetzt schwieriger geworden ist?

Rosberg: Dieses Jahr höre ich Reifenquietschen. Ich weiß gar nicht, wann mir das zuletzt in meiner Karriere passiert ist. Das ist total komisch, aber interessant. Sogar die Hinterreifen quietschen beim Bremsen. Ich wusste gar nicht, dass es das überhaupt gibt, denn du blockierst die Hinterräder ja nicht. Der Motorsound ist leiser. Vielleicht hörst du deshalb die anderen Geräusche.

Wie groß wird der Unterschied zwischen Qualifikation und Rennen. Kann es da zwei unterschiedliche Rangordnungen geben?

Rosberg: Nicht unbedingt, obwohl es zwei unterschiedliche Disziplinen sind. Ich glaube nicht, dass sich die Reihenfolge groß ändert.

Wie viele Spritspar-Techniken haben Sie schon gelernt?

Rosberg: Wir haben auch schon letztes Jahr Sprit gespart. Da ist nicht viel Neues dazugekommen. Es wird nur noch wichtiger. Die beste Art Sprit zu Sparen ist am Ende der Geraden. Wenn du 50 Meter vor dem Bremspunkt vom Gas gehst und nur noch rollen lässt, holst du am meisten raus. Da ist der Luftwiderstand am größten. Wenn du da voll stehen lässt, geht das auf den Verbrauch. Du verlierst aber am wenigsten Zeit, wenn du ein bisschen früher Gas rausnimmst.

Ist dieses Jahr für Sie die goldene Chance Weltmeister zu werden?

Rosberg: Es ist zu früh, das zu sagen. Es ist eine goldene Chance für uns als Team, wieder einen Schritt vorwärts zu schaffen. Die Regeländerungen und der neue Antrieb haben alles auf Null gestellt. Wer es jetzt gut geregelt kriegt, wird sich Vorteile verschaffen. Beim V8 ging da nicht mehr viel. Es scheint so, dass Mercedes einen guten Job gemacht hat und die Teams mit den Mercedes-Motoren davon profitieren. Aber auch wir sind noch nicht so weit.

Haben Sie sich zum richtigen Zeitpunkt die Startnummer 6 reserviert?

Rosberg: Es ist die Glückszahl meines Vaters und meiner Verlobten Viviane. Da habe ich mir gesagt: Mit der "6" kann nichts mehr schiefgehen, vielleicht bringt sie mir ja auch Glück.

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