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Nico Rosberg verliert zweiten Platz

Eine Funknachricht zu viel

Nico Rosberg - Mercedes - GP England 2016 - Silverstone Foto: sutton-images.com

220 Minuten nach der Zielflagge verlor Nico Rosberg seinen zweiten Platz. Die Sportkommissare brummten ihm 10 Strafsekunden auf, weil er nach einem Getriebeproblem von seiner Box eine Information zu viel zur Selbsthilfe bekam. Mercedes überlegt sich, in Berufung zu gehen.

10.07.2016 Michael Schmidt 2 Kommentare

Es ist der Fluch der Formel 1. Die Technik ist zu kompliziert. Wenn das geringste an diesen Höllenmaschinen schiefgeht, ist der Fahrer in der Hand Gottes. Oder seines Kommandostandes. Doch seit dieser Saison sind Funksprüche nur noch sehr eingeschränkt erlaubt. Auch bei technischen Problemen. Das Team darf dem Fahrer gemäß der Technischen Direktive 014-16 nur noch dann beistehen, wenn sich ein Defekt anbahnt, der den Ausfall des Autos bedeuten könnte.

Selbst in diesem speziellen Fall ist nicht alles gestattet. Das Team darf den Mann im Cockpit davon unterrichten, dass es ein Problem gibt und wie er aus der Falle herauskommt. Jede weitere Instruktion, wie er das Auto dann am besten ins Ziel bringt, ist verboten. Im Fall von Nico Rosberg ging Mercedes einen Schritt zu weit. Damit lag eine Verletzung von Artikel 27.1. des Sportgesetzes vor, der besagt, dass der Fahrer sein Fahrzeug allein und ohne fremde Hilfe steuern muss.

„Vermeide es, in den 7. Gang zu schalten“

In Runde 46 steckte das Getriebe im Mercedes mit der Startnummer 6 plötzlich im 7. Gang fest. Früher hätte das nicht unbedingt zum Ausfall geführt. Michael Schumacher fuhr beim GP Spanien 1994 das halbe Rennen im fünften Gang. Doch das war die Zeit vor den aktuellen Schnellschaltgetrieben, die beim Hochschalten die Gänge ohne Zugkraftunterbrechung wechseln. Rosberg hätte es im 7. Gang nach Aussage der Mercedes-Techniker nicht mehr über die restlichen 7 Runden geschafft.

Zwei Kurven nachdem der Schaden aufgetreten war, bekam der WM-Spitzenreiter von seinem Renningenieur die Warnung über „Chassisproblem 01“. Mit dem Hinweis, sofort in den so genannten Default-Mode zu schalten. Damit ist ein Standardprogramm gemeint, das jeden eingelegten Gang freigibt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Mercedes nach Ansicht der vier Kommissare Tim Mayer, Nish Shetty, Dennis Carter und Nigel Mansell nichts falsch gemacht. Erst als Rosberg nachfragte, was jetzt zu tun sei, geriet Mercedes auf die schiefe Bahn. Antwort: „Vermeide es, in den 7. Gang zu schalten.“

Genau das war nach Ansicht der Schiedsrichter eine Information zu viel. Rosberg hätte wissen müssen, wie er für den Rest des Rennens mit seinem Getriebe hätte umgehen müssen. Schnellschaltgetriebe sind heikel, wenn man Gänge überspringen will. Das weiß auch Mark Webber, der als TV-Reporter für Channel 4 arbeitete: „Ich habe mich das nie getraut. Wenn du nicht direkt hintereinander an der Schaltwippe ziehst, machst du das Getriebe kaputt. Dann meldet sich ein Gang nach dem anderen ab.“

„Regel ist Regel“

Mercedes konnte das Urteil der Sportkommissare nicht nachvollziehen. Die fällige 10-Sekunden-Strafe kostete Rosberg den zweiten Platz und damit 3 WM-Punkte. Somit ist sein Vorsprung in der WM auf einen kümmerlichen Zähler vor Lewis Hamilton geschrumpft. Mercedes hat deshalb eine mögliche Berufung angekündigt. Der Rennstall muss das Vorhaben innerhalb der nächsten 96 Stunden über den DMSB bei der FIA anmelden.

Die Mercedes-Ingenieure verstehen nicht, was der zusätzliche Funkspruch an der Sachlage ändert. „Was wir Nico gesagt haben, hat nicht die Performance des Autos beeinflusst. Es war lediglich dazu gedacht, das Auto ins Ziel zu bringen.“

Keiner im Fahrerlager liebt diese Regelung. Man ist sich einig, dass Ratschläge über die Linienwahl, Brems- und Schaltpunkte sowie Spritspar-Tipps weiterhin geahndet werden müssen. Doch bei technischen Problemen sollte die FIA die Kirche im Dorf lassen. Trotzdem forderte Red Bull-Chef Christian Horner eine Strafe. Nicht nur weil sein Fahrer Max Verstappen damit einen Platz aufrückte. „Kein Zweifel, die Regelung ist unsinnig. Aber Regel ist Regel. Mercedes hat Rosberg gesagt, welchen Knopf er drücken soll und wie er ohne 7. Gang zu fahren hat. Unter den bestehenden Regeln ist das untersagt.“

Force India-Teammanager Andy Stevenson sieht es genauso: „Wir durften Perez in Österreich nicht vor seinem Bremsproblem warnen. Daraufhin ist er in der letzten Runde abgeflogen.“ Williams-Technikchef Pat Symonds greift genau diesen Punkt auf: „Wie absurd ist das denn? Das ist nicht nur falsch, sondern fahrlässig. Der Unfall kostet das Team Zehntausende von Pfund.“

Zum ersten Mal alle Funkkanäle offen

Die Untersuchung und die Urteilsfindung im Fall Rosberg dauerte geschlagene 3 Stunden und 40 Minuten. Doppelt so lang wie der Grand Prix selbst. Das sorgte bei den Kritikern für viel Unmut. Die 135.000 Zuschauer bekamen am Montag in den Zeitungen einen anderen Zweiten präsentiert, als denjenigen, den sie in Silverstone auf dem Siegerpodest gesehen hatten. Die Welt musste wegen einer strittigen Interpretation einer schwer verständlichen Regel 220 Minuten warten, bis das Resultat veröffentlicht werden konnte. Und sie muss weitere vier Tage ausharren, bis es offiziell ist.

Der Grund für die lange Entscheidungsfindung lag auch darin, dass die FOM beim GP England den Teams zum ersten Mal alle Funkkanäle zur Verfügung gestellt hatte. Die Sportkommissare wussten, dass die Teams im Verlauf dieser Woche jeden Funkspruch während des Rennens auswerten und ihn gegen Rosbergs Fall stellen werden. Gut möglich, dass irgendeinem Mitbewerber Mitteilungen ins Cockpit erlaubt wurden, die unter der Interpretation für Rosberg genauso wenig erlaubt gewesen wären. Stevenson erzählt: „Wir wissen, dass Williams in Österreich Massa vor einem Bremsproblem warnen durfte. Uns war das nicht erlaubt. Das versteht keiner.“

Christian Horner will dieses Fass schließen. „Wir müssen bei der nächsten Strategiesitzung dieses Thema ansprechen und die Regel modifizieren. Ich verstehe, was die FIA damit erreichen wollte. Wir sind dafür, dass Fahrer-Coaching weiter verboten bleiben muss. Aber bei technischen Probleme muss es Hilfestellung geben. Diese Autos sind so komplex, dass es ohne nicht geht.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff pflichtet bei: „Diese Regeln brauchen eine Reform. Es muss klar sein, was erlaubt ist und was nicht.“

Neuester Kommentar

Immer wenn man denkt blöder geht´s nimmer bereist die Formel 1, dass es doch noch blöder geht. Die Rennergebnisse spiegeln nicht mehr das Renngeschehen. Grundsätzlich ist der Fahrer und mit ihm der Zuschauer der Dumme, wenn das Team patzt. Das Team montiert den Reifen nicht richtig, der Fahrer wird bestraft. Das Team baut ein defektes Getriebe ein, der Fahrer wird bestraft. Das Team sagt zum Fahrer im Rennen was das es nicht darf, der Fahrer wird bestraft. Es hat geregnet die Fahrer dürfen nicht racen und werden damit bestraft.

Man sollte sich mal über das Verursacherprinzip Gedanken machen. Wenn das Team einen Fehler macht, wann muss es dafür büßen. Das kann über die Aberkennung der Teampunkte geschehen und damit dann über Geld. Oder direkt über die Sonderzahlungen die im Verhältnis zu den, von Bernie erhaltenen Geldern gekürzt werden. Damit es den Großen genau so weh tut wie den Kleinen, auch eine Kombination wäre denkbar. Aber warum muss ein Fahrer mit Getriebeschaden dafür bestraft werden. Er kann nichts dafür, wenn das Ding versagt. Wenn sich ein Ingenieur verquasselt, dann kann auch ein Fahrer nichts tun. HAM´s Ingenieur war schlau genug in Baku nichts zu sagen. ROS´s Ingenieur in GB nicht. aber ist das ROS´ Schuld? Der Fan sieht ein Rennen dessen Ausgang erst Stunden später feststeht. Der Fahrer wird um den gerechten Lohn seiner Bemühungen gebracht. Es ist schon schlimm genug, dass der Fahrer aufgrund versagender Technik ausfällt, aber das gehört zu einem derart technisierten Sport dazu, es ist ein Element dessen. Aber diese merkwürdige Bestraferei mit ihren willkürlichen Strafzumessungen, bringt ein künstliches, dem Sport nicht gerecht werdendes Moment in die Sache. Bald könnte es sein, dass HAM eine +10 Strafe dafür ausfasst, dass eine Motoreinheit getauscht wird, die das Motorenteilebudget überschreitet. Im Zweifelsfall wird er also nicht Weltmeister, weil Mercedes es nicht geschafft hat ihm einen haltbaren Motor zu geben. Evtl. wird dann der Fahrer und der Zuschauer um den legitimen Weltmeister gebracht. Wir sehen dann den Weltmeister von FIA´s (Bernies) Gnaden. Was für eine Farce.

Akki174 11. Juli 2016, 12:48 Uhr
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