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Nico Rosberg im Weltmeister-Porträt

Der lange Weg zum Formel 1-Titel 2016

Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 Foto: sutton-images.com 110 Bilder

Nico Rosberg hat es tatsächlich geschafft. Der 31-jährige Deutsche darf sich nun offiziell Weltmeister nennen. Rosberg hat es damit allen Kritikern gezeigt. Auch weil er sich in seiner Karriere immer wieder neu erfunden hat.

27.11.2016 Tobias Grüner 2 Kommentare

Man kann nicht gerade sagen, dass sich dieser Titel angedeutet hat. 11 Jahre und 206 Rennen musste Nico Rosberg in der Formel 1 auf den ganz großen Erfolg warten. Einen so langen Weg bis auf den F1-Olymp hatte zuvor noch kein anderer Pilot in der Königsklasse genommen. Doch mit dem hart erkämpften zweiten Platz in Abu Dhabi ist die Reise endlich beendet. Als dritter deutscher Weltmeister steht der Name Rosberg nun für immer und ewig in einer Reihe mit F1-Legenden wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

Dabei hätte beinahe gar nicht Deutschland seinen dritten Champion gefeiert, sondern Finnland. Die ersten Rennen bis hin zur Formel 3 absolvierte Rosberg unter der Flagge der Heimat seines Vaters. Erst im Laufe der Karriere fand der Mercedes-Pilot die Liebe zu seinem Geburtsland. Beim Gewinn des GP2-Titels 2005 verriet er der finnischen Tageszeitung „Helsingin Sanomat“ noch, dass er keine besondere Zugehörigkeit zu irgendeiner Nation spüre. „Bei meinem Sieg wurde die deutsche Nationalhymne gespielt. Das hat sich für mich etwas seltsam angefühlt“, soll Rosberg damals gesagt haben.

Nico Rosberg bekommt Virus früh eingepflanzt

Nach 23 Siegen in der Formel 1 dürfte sich der Pilot mittlerweile an das Deutschland-Lied gewöhnt haben. Zur Entscheidung, warum er damals Finnland offiziell den Rücken gekehrt hat, gibt es unterschiedliche Versionen. Aus seiner GP2-Zeit ist die Begründung überliefert, dass der Sprung in die Formel 1 mit deutschen Sponsoren im Rücken leichter sei. Dagegen steht eine jüngere Aussage gegenüber der Bild-Zeitung, nach der Rosberg die Entscheidung zu Ehren seiner deutschen Mutter getroffen habe.

Während Vater Keke noch auf den Formel 1- und DTM-Rennstrecken dieser Welt unterwegs war, kümmerte sich Mama Sina meist im Alleingang um die Erziehung. Doch für die Einpflanzung des Rennvirus war wieder der Papa zuständig. Schon im Alter von zwei Jahren drehte der kleine Nico auf dem Schoß des Daddys am Lenkrad eines Karts. Die passende Bahn hatte der Vater neben dem Familienhaus in Ibiza errichten lassen.

Man darf es Nico Rosberg nicht vorwerfen, dass er erst spät eine nationale Identität entwickelt hat. Lebensmittelpunkt schon in der Kindheit war Monte Carlo. Das Abitur (Note: 1,2) machte er auf der internationalen Schule in Nizza. Rosberg musste sich also schon immer gut anpassen können. Mit seinen Freunden sprach er abwechselnd Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch oder Deutsch. Alle 5 Sprachen beherrscht der Pilot auch heute noch fließend. Nur Finnisch stand nicht auf dem Stundenplan.

Ecclestone wollte Rosberg als Schumi-Nachfolger

Eigentlich sollte nach dem Abschluss ein Ingenieursstudium in London folgen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Nach dem Titel in der Formel BMW wurde der Blondschopf Berufsrennfahrer. Es folgte eine Karriere im Eiltempo. Den ersten Formel 1-Test im Williams absolvierte der Youngster bereits im Alter von 17 Jahren.

Nach dem GP2-Titel im Jahr 2005 setzte sich sogar F1-Boss Bernie Ecclestone dafür ein, dass der talentierte Junior einen Vertrag als Stammfahrer bekommt. Weil sich Michael Schumacher mit den ersten Rücktrittsgedanken plagte, suchte der F1-Boss einen neuen Grand Prix-Helden aus dem Erfinderland des Automobils. Als multilingualer Weltmeistersohn sah er in Rosberg den perfekten Kandidaten. 10 Jahre später ist Ecclestone nicht mehr ganz so begeistert vom neuen Weltmeister. Der introvertierte Familienmensch Rosberg, der mittlerweile verheiratet ist und eine Tochter hat, sorge nicht für genügend Schlagzeilen, so der Vorwurf des Chef-Vermarkters.

Doch das ist Rosberg mittlerweile egal. Der Mercedes-Pilot hat in den vergangenen Jahren eine spürbare Wandlung vollbracht. Er will sich nicht mehr anpassen. Er will nicht mehr „Everybodys Darling“ sein und es allen recht machen. Auf und außerhalb der Rennstrecke gibt es keine Kompromisse mehr. Rosberg hält dagegen, egal ob die Angriffe von Teamkollege Hamilton oder der Presse kommen. Der 31-Jährige zieht sein Ding durch. Auf Kritik reagiert er gar nicht mehr. Kostet nur unnötig Kraft.

Deutsche Journalisten, die Rosberg gut kennen, wurden von ihren ausländischen Kollegen in den vergangenen Jahren regelmäßig gefragt, ob die Karriere wie zum Beispiel bei Heinz-Harald Frentzen oder Ralf Schumacher ohne Titel enden werde. Talent und Fleiß konnte man dem Piloten nie absprechen. Aber der ganz große Durchbruch? Und dann noch mit Lewis Hamilton als Teamkollege? Kaum einer glaubte an das Wunder. Statistisch drohte der gebürtige Wiesbadener als bester Nicht-Weltmeister in die Formel 1-Geschichte einzugehen.

Rosberg wird verdient Weltmeister

Doch mit dem Titelgewinn 2016 dürften alle Zweifler verstummen. Nach 9 Siegen in einem Jahr dürften wohl nur ganz fanatische Hamilton-Fans abstreiten, dass dieser Titel verdient war. Der neue Weltmeister leistete sich über die ganze Saison kaum einen Fehler. Auch im Finale ließ er sich von den Spielchen des Teamkollegen nicht aus der Ruhe bringen. Ja, er profitierte auch etwas vom Technik-Pech seines Kontrahenten. Aber wie er vor allem im Finale dem Druck des Dauerrivalen stand hielt und die nötigen Punkte einsammelte, verdient höchsten Respekt.

34 Jahre nach dem Titel von Vater Keke ist Nico Rosberg nun nicht mehr nur der „Weltmeister-Sohn“, sondern selbst ein Titelgewinner. Genauso groß war die Zeitspanne übrigens auch bei Graham und Damon Hill, dem ersten Weltmeister-Vater-Sohn-Gespann der F1-Geschichte. Manchmal muss man also einfach etwas länger auf den richtigen Zeitpunkt warten.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die wichtigsten Stationen Rosbergs auf dem Weg zum Titel.

Neuester Kommentar

Rosberg hat verdient gewonnen,weil er von Hamiltons Start Probleme kalt blutig ausgenutzt hat deswegen hat er auch glücklich gewonnen:warum?
Weil Hamilton ihn sowohl in Quali als auch im Rennen geschlagen hat; so gesehen ist es schwierig Nico als Weltmeister zu nennen ohne Lewis Pech zu betrachten.

Biyao 28. November 2016, 15:00 Uhr
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