Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Nico Rosberg

Wie der Vater so der Sohn

Foto: Wolfgang Wilhelm 9 Bilder

Nico Rosberg geht bei Williams in seine vierte Saison. Auch sein Vater fuhr vier Jahre für den britischen Rennstall. Wir sagen Ihnen, welche erstaunlichen Parallelen noch zwischen Vater und Sohn bestehen.

23.03.2009 Michael Schmidt

Die vierte Saison bei Williams versöhnte für zwei harte Jahre. Keke Rosberg schloss die WM 1985 mit zwei Siegen und 40 Punkten als Dritter ab. Sohn Nico würde das für sein viertes Jahr mit dem Rennstall aus Grove sofort unterschreiben. "Auf zwei Siege zu hoffen, das wäre schon sehr optimistisch. Mein Vater hatte 1985 das beste Auto im Feld. Es war nur ein bisschen unzuverlässig. Das traue ich uns noch nicht zu. Ich würde mal sagen: Es sollte für mich ein gutes Auto werden, mit dem ich Podestplätze herausfahren kann."
 
Der 13. der abgelaufenen Weltmeisterschaft findet gleich noch eine Übereinstimmung mit seinem alten Herrn: "Sein 1984er Jahr war auch eine Katastrophe. Wie bei mir das dritte. Also muss jetzt logischerweise ein gutes folgen." Es gibt noch mehr Parallelen zwischen Vater und Sohn. Beide begannen mit einem Cosworth-Motor und hatten zum Schluss einen japanischen Motorenpartner. Keke fuhr mit Honda-, Nico fährt mit Toyota-Power. Beide hatten in ihrer Williams-Zeit drei Teamkollegen, wobei beim Vater der schwierigste Brocken ganz am Ende wartete. 1985 stieß Nigel Mansell zum Team.

Nico spürte die größte Gegenwehr gleich im ersten Jahr: "Mark Webber war superschnell. Bei mir kam dazu, dass ich neu in der Formel 1 war. Ich habe ihn trotzdem in jedem dritten Qualifying geschlagen." Die alten Schlachtrösser Frank Williams und Patrick Head führen auch 24 Jahre nach der ersten Rosberg-Episode den Rennstall. Rosberg junior stieß 2006 nicht unvorbereitet zu dem erzbritischen Team. "Mein Vater hat mir erzählt, wie ich mit Frank und Patrick umgehen muss und wie diese Truppe tickt."

Große Motivation bei der Belegschaft

Auch wenn er keine Vergleiche zu anderen Teams anstellen kann, spürt Nico diese williamstypische Begeisterung für den Sport: "Alle legen sich für Frank ins Zeug. Keiner beschwert sich, wenn er abends länger oder an Feiertagen arbeiten muss. Am 24. Dezember war am späten Nachmittag der Firmenparkplatz zur Hälfte noch voll."
 
Nach drei Jahren müsste man eigentlich ein Familienmitglied sein, doch Williams ist eine eigenwillige Firma. Eine enge Beziehung zwischen der Teamleitung und dem Fahrer gab es nur mit Alan Jones. "Den ganz engen Kontakt, den gibt es nicht", räumt die heutige Nummer eins im Stall ein. "Sie halten immer ein bisschen Distanz. Vielleicht auch, weil sie mit einigen Fahrern schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie haben sich da ein Fahrerbild geschaffen, dass es auch mir schwierig macht, an sie ranzukommen." Williams ist für eine klare Sprache bekannt. Man sagt sich seine Meinung ins Gesicht.

Die Chefs können austeilen, aber durchaus auch einstecken. Rosberg differenziert: "Du musst mit Kritik diplomatisch sein. Wo man’s macht, wann, mit wem und wie. Das verlangt Fingerspitzengefühl. Wenn ich zu sehr um mich schlagen würde, ginge der Schuss schnell nach hinten los."
 
Dem drittältesten Rennstall im Feld wird oft vorgeworfen, er lebe zu sehr in der Vergangenheit. Rosberg will sich da kein Urteil erlauben. "Da greifen so viele Prozesse in sich, dass es für mich als Fahrer schwierig ist, die genaue Ursache dafür herauszufiltern, warum wir letztes Jahr so geschwächelt haben. Sicher ist, dass in der Aerodynamik etwas schiefgelaufen ist. Was genau, das ist mir ein Rätsel. Wir haben tolle Leute in der Aero-Abteilung. Die haben früher den Renault oder McLaren gebaut."

Zeitunterschiede kleiner als damals
 
Den Einwand, dass in Summe weniger als ein Prozent der Rundenzeit auf die Besten gefehlt hat, lässt der GP2-Meister von 2005 nicht gelten. "Jeder ist verdammt nah an der Perfektion. Da ist ein Prozent viel. Ich bin kürzlich ein altes Buch durchgegangen, und da ist mir eine Startaufstellung im Gedächtnis geblieben, bei der der Teamkollege meines Vaters zwei Sekunden langsamer war, trotzdem aber nur zwei Plätze hinter ihm stand. Mein Vater widerum war zwei Sekunden langsamer als die Pole-Position. Das sind Welten, mit heute gar nicht vergleichbar."
 
Womit wir wieder bei der guten alten Zeit wären. Keke Rosberg rauchte in der Startaufstellung noch schnell eine Zigarette, die ihm der Manager zusteckte. Sein Sohn muss daran denken, dass jedes Gramm, das er abspeckt, eine Trumpfkarte in Form von Ballast sein könnte. Zum Thema Abnehmen vertritt er eine klare Meinung. Das Team könne ihm da nicht dreinreden. Es sei Sache des Fahrers, sich optimal vorzubereiten. "Ich habe mir über den Winter zwei Kilo abgehungert. Damit ist eine Grenze erreicht. Ich will nicht magersüchtig werden. Eigentlich ist das ja alles Quatsch. Wenn du schwerere Knochen hast, ist das ein Riesennachteil. Bei so einem Millionensport sollte das keinen Unterschied ausmachen."

Dieses Jahr soll die Wende bringen, nach einer mit vielen Defekten gepflasterten ersten Saison, dem Aufschwung 2007 und der Enttäuschung des letzten Jahres, die nur durch die Podestplätze in Melbourne und Singapur erträglich gestaltet wurde. Alles beginnt bei null. Das ist laut Rosberg eine Chance. Unruhe, dass andere die neuen Regeln besser interpretiert haben könnten, kommt nicht auf. "Es kann nicht schlechter werden."

Fährt Nico 2010 bei einem Top-Team?

Sogar mit der Optik der Autos kann er sich anfreunden. "Lassen Sie ein paar Monate ins Land ziehen, dann finden wir die Autos ganz cool. Sie sehen mit dem Riesenflügel von vorne richtig aggressiv aus. Die Form ist sauber, ohne das ganze Zeug drumherum. Okay, der Flügel hinten ist ein bisschen dürftig geraten, aber auch daran kann man sich gewöhnen. Das 84er Auto meines Vaters sah viel schlimmer aus. Ein viereckiger Kasten, würde ich sagen."
 
Stichwort Vater: Keke Rosberg wechselte nach vier Jahren bei Williams 1986 zu McLaren. Ist das ein Wink des Schicksals für 2010? "Sagen wir so", antwortet der Sohn: "Er ist bei einem Top-Team gelandet. Vielleicht ist das Top-Team bis dahin Williams. Ich würde in meinem fünften Jahr gerne für ein Siegerteam fahren, weil ich weiterhin das Zeug dazu habe. Ich bin ein guter Allrounder. Es reicht heute nicht mehr, nur schnell Autofahren zu können."

Umfrage
Künftig entscheiden auschließlich Siege über den WM-Titel. Was halten Sie vom neuen F1-Wertungssystem?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden