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Niki Lauda über Michael Schumacher

Michael Schumachers Fahrstil passt wieder

Michael Schumacher - Mercedes - GP Australien - Melbourne - 17. März 2012 Foto: xpb 153 Bilder

Im Trainingsduell der Mercedes-Piloten steht es überraschend 2:0 für Michael Schumacher. Kimi Räikkönen fährt nach seinem Comeback so, als hätte es eine Pause nie gegeben. Niki Lauda analysiert, warum die beiden älteren Herren plötzlich Oberwasser haben.

31.03.2012 Michael Schmidt

Im Duell Michael Schumacher gegen Nico Rosberg gab es 2010 und 2011 einen klaren Sieger. Rosberg stahl Schumacher die Show. Im Training mehr als im Rennen. Den Vergleich der schnellsten Trainingsrunden gewann Rosberg 15:4 und 16:3. Im Rennen hatte er mit 142:72 und 89:76 Punkten ebenfalls die Nase vorn. Doch das Blatt hat sich gewendet. Bei den ersten beiden Grand Prix stand Michael Schumacher zwei Mal vor Nico Rosberg in der Startaufstellung. Und im Rennen hat der Altmeister bereits einen Punkt. Das Konto seines 16 Jahre jüngeren Kollegen ist noch leer.

Rosberg, der Unfehlbare im Training, macht plötzlich Fehler. Zwei Mal begann er die entscheidende Qualifikationsrunde mit einem Verbremser. Schumacher, der in den abgelaufenen zwei Jahren für eine Vielzahl von Pannen kritisiert wurde, fährt plötzlich fehlerlos. Formel 1 verkehrt? Nicht für Niki Lauda. Der dreifache Ex-Weltmeister sieht in dem neuen Kräfteverhältnis bei Mercedes ein logische Entwicklung.

AMGW03 ist der erste Silberpfeil, der berechenbar ist

Michael Schumacher kehrte schlicht zum falschen Zeitpunkt zurück. Er bekam von Mercedes ein Auto hingestellt, das mit seinem Fahrstil nicht harmonierte. "Wenn du als Schumacher nach drei Jahren Pause zurückkehrst und kriegst so ein kritisches Auto", führt Lauda aus, "dann kämpfst du mit dir und deinem Auto. Du willst nicht wahrhaben, dass es nicht schneller geht und versuchst mit Macht mehr zu erreichen. Dabei wirst du langsamer. Michael musste alles, was sich in den drei Jahren Pause verändert hatte, neu lernen. Er ist zu verbissen an die Sache herangegangen und dabei übers Limit hinausgefahren. Der Rosberg kannte nur diese Art von Autos. Er hat einen etwas ruhigeren Fahrstil als Michael, und der war ideal für diesen unberechenbaren Mercedes."

Der neue Mercedes AMGW03 ist das erste echte Rennauto in der modernen Silberpfeil-Ära. Eines, das die Piloten nicht mit launischen Reaktionen überrascht. Eines, das logisch funktioniert. "Jetzt kann Schumacher dem Auto wieder mit seinem aggressiven Fahrstil seinen Willen aufzwingen. Das Auto kommt ihm quasi entgegen. Nico fährt weiter an seinem sauberen Limit, aber das ist mit einem Auto, das Aggressivität verzeiht, eben nicht genug." Jetzt kommt der Kopf ins Spiel. Rosberg spürt plötzlich vom Teamkollegen eine Gegenwehr, mit der er nicht mehr gerechnet hat. "Und das provoziert Fehler."

Kimi fährt als wäre er nie weg gewesen

Am meisten aber überrascht Niki Lauda, wie schnell sich Kimi Räikkönen nach seinen zwei Jahren Pause in der Formel 1 zurechtgefunden hat. Der Österreicher machte sich in Malaysia die Mühe, den Finnen aufzusuchen und vor ihm die rote Kappe zu ziehen. "Der fährt als wäre er nie weg gewesen. Dabei hat er beim Rallyefahren bestimmt nichts gelernt, was ihm für die Formel 1 hätte nützlich sein können. Im Gegenteil: Das ist ein ganz anderer Sport. Was er da lernt, kann dir in der Formel 1 nur schaden." Einen entscheidenden Unterschied zu Michael Schumachers Comeback gibt es abgesehen von dem Altersunterschied von elf Jahren jedoch. Räikkönen sitzt auf Anhieb in einem konkurrenzfähigen Auto. Mit dem Lotus E20 kann er theoretisch auf die Pole Position fahren und ein Rennen gewinnen. Das war mit den Mercedes von 2010 und 2011 nicht möglich.

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