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Niki Lauda exklusiv

"Ich gehe noch zur Schule"

Niki Lauda Silberpfeil Foto: xpb 66 Bilder

Niki Lauda ist der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Mercedes Formel 1-Teams. In einem Gespräch mit auto motor und sport erzählt der Österreicher, wie er Mercedes wieder fit für Erfolge machen will und warum er nicht der Totengräber von Michael Schumacher ist.

30.10.2012 Michael Schmidt
Wie können Sie Mercedes wieder auf die Erfolgsstraße bringen?

Lauda: Der erste Teil dieser Aufgabe ist eine Bestandsaufnahme. Ich befinde mich gerade in der Lernphase. Deshalb bin ich schon einige Mal in der Fabrik in Brackley gewesen und werde das auch weiterhin regelmäßig tun. Es ist für mich wichtig, zusammen mit Ross Brawn in alle Details des Teams, des Autos und der Werkzeuge in der Fabrik eingeführt zu werden. Jedes Mal, wenn ich nach Brackley gehe, lerne ich dazu. Ich muss die Zusammenhänge der Abläufe verstehen, um dann mit meinem logischen, direkten Zugang, den ich habe, mit Ross gemeinsam ein Lösung zu finden.

Wie sind Sie überhaupt zu diesem Job gekommen. Wie die Jungfrau zum Kind?

Lauda: Nein, sicher nicht. Ich wurde vor einem halben Jahr von Herrn Zetsche gefragt, ob ich mithelfen kann, die Verhandlungen über den Beitritt zu einem neuen Concorde Abkommen zu begleiten. Das habe ich gemacht. Daraufhin bin ich zusammen mit Finanzvorstand Bodo Uebber in die Verhandlungen gegangen. Als diese Aufgabe nach einigen Verhandlungsrunden erfolgreich abgeschlossen wurde, hat man mich gefragt, ob ich nicht noch mehr machen will. Da ich meine Fluglinie im November letzten Jahres verkauft hatte, habe ich noch Kapazitäten frei und habe zugesagt. Eine meiner Aufgaben ist es auch, mit Ecclestone und der FIA über die weitere Entwicklung der Formel 1 zu sprechen.

Wie kann es sein, dass der Getränkehersteller Red Bull seit drei Jahren die beiden berühmtesten Autokonzerne der Welt, Mercedes und Ferrari, schlägt?

Lauda: Red Bull hat ein bestehendes Team gekauft, und sie waren in der Lage mit den richtigen Leuten am richtigen Platz und den richtigen Entscheidungen dieses Projekt zum Erfolg zu bringen. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass es sich dabei um einen Getränkehersteller oder einen Autokonzern handelt. Das ist vollkommen logisch. In der Formel 1 gibt es keine Geheimnisse.

Red Bull gibt über 250 Millionen Euro pro Saison aus, andere nagen am Hungertuch. Braucht der Sport eine Budgetdeckelung?

Lauda: Es hat in der Formel 1 immer den Unterschied zwischen Arm und Reich gegeben. Auch im normalen Wirtschaftsleben gibt es diese Unterschiede. Wer Erfolg hat, kriegt mehr Sponsoren und hat deshalb auch mehr Geld. Es wäre falsch, die Erfolgreichen zu bestrafen und die Erfolglosen zu belohnen. Trotzdem muss die Formel 1 ein System finden, dass die Kosten begrenzt, damit die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß wird. Die Hoffnung, dass alle gleich behandelt werden müssen wir aber aufgeben. Sport ist ein Wettbewerb.

Mercedes fehlen 1,5 Sekunden auf Red Bull. Sie geben 100 Millionen Euro weniger Geld aus. Wie viel von dem Rückstand erklärt das geringere Budget?

Lauda: Mercedes wollte es so. Wir müssen jetzt genau analysieren, ob der Faktor Geld eine Rolle spielt und wenn ja welchen. Ich kann das aber noch nicht sagen, weil ich ja noch zur Schule gehe. Das ist Teil der Bestandsaufnahme.

Ist Ihre Rolle von heute mit der des Jaguar-Teamchefs vor zehn Jahren vergleichbar?

Lauda: Ich bin kein Teamchef wie damals bei Jaguar. Das kann ich nicht, und es wäre unmöglich, das von mir zu verlangen. Heute brauchst du für jede Position im Team einen absoluten Spezialisten. Da haben wir mit Ross Brawn den richtigen Mann. Ich kann nur den Weg mitgestalten.

Sie haben mitgeholfen, Lewis Hamilton zu verpflichten. Sind Sie der Totengräber von Michael Schumacher?

Lauda: Das ist eine absolute Falschinterpretation und stimmt von vorne bis hinten nicht. Ross Brawn hat die Gespräche mit Hamilton geführt. Über das Singapur-Wochenende hat uns Hamilton signalisiert, dass er in ernsthafte Verhandlungen einsteigen will. Es ging dann alles sehr schnell. Michael hatte sich Bedenkzeit erbeten. Man hat sie ihm natürlich gewährt. Es ist aber auch logisch, dass sich das Team ab einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Plan B für den Fall absichern musste, dass Schumacher aufhört. Das ist kein Akt, der sich gegen Schumacher gerichtet hat. Nachdem klar war, dass Hamilton kommt, hat sich Michael ein paar Tage überlegt, was er tun soll. Auch das ist normal. Ich kann das nachvollziehen, denn ich bin ja selbst zwei Mal zurückgetreten. Innerhalb einer Woche hat er seine Entscheidung getroffen. Es war allein seine Entscheidung. So etwas lässt sich kein Rennfahrer von anderen abnehmen.

Stehen Sie bei Hamilton in der Bringschuld, ein Siegerauto bauen zu müssen?

Lauda: Absolut. Es ist eine riesengroße Verpflichtung, ihm ein konkurrenzfähiges Auto hinzustellen. Ich traue mich zu sagen, dass Mercedes im nächsten Jahr die bestmögliche Fahrerpaarung hat. Rosberg zählt zu den Top-Fahrern. Er wird sich mit Hamilton an der Seite zu absoluten Spitzenleistungen hochmotivierten. Da wir die Fahrerfrage hundertprozentig gelöst haben, liegt es jetzt an uns, das gleiche mit dem Auto zu machen.

Können Sie als Mercedes-Mann bei RTL noch objektiv berichten?

Lauda: Ich bin bei RTL unter Vertrag. Als das Mercedes-Angebot kam, habe ich sie gefragt, ob sie darin einen Interessenskonflikt sehen. RTL hat nein gesagt. Daraufhin habe ich Mercedes gefragt, ob sie Probleme mit meinem RTL-Job hätten. Auch auf diese Frage wurde mit nein geantwortet. Ich bin intelligent genug, meine beiden Funktionen nicht miteinander zu vermischen. Bis jetzt habe ich im Fernsehen zu allen Dingen immer brutal meine Meinung gesagt, so wie ich sie gesehen habe. Ich garantiere, dass dies so bleiben wird. Am Ende wird der Zuschauer entscheiden. Er soll sich das anschauen und dann beurteilen, ob ich auch weiter ein objektives Expertenurteil abgebe.

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