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Niki Lauda fordert Reglement-Check

77 Regeländerungen in 10 Jahren

Toro Rosso - Fail - F1 2014 Foto: xpb 33 Bilder

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat mit seiner Kritik an den Regeln den Anfang gemacht. Er fordert die Reform der Reform. Niki Lauda hat einen anderen Ansatz. Er will die neuen Regeln der letzten 10 Jahre auf den Prüfstand stellen. Und bei jeder einzelnen fragen: Ist sie sinnvoll oder nicht?

17.07.2014 Michael Schmidt

Für Niki Lauda liegt das Problem der Formel 1 auf der Hand. Sie ist überreglementiert. Und damit zu kompliziert und nicht nachvollziehbar. Noch nie wurden die Regeln der Königsklasse so stark kritisiert. Und kaum glaubt man, es würde ein Stück Stabilität eintreten, gibt es schon wieder neue Verordnungen. Die dann noch abstruser sind. Die stehenden Re-Starts nach einer Safety-Car-Phase ab 2015 sind ein gutes Beispiel dafür. Ein Eingriff ohne Not. Hat sich je einer über die Re-Starts beschwert?

Noch nie wurde so viel am Regelwerk herumgedoktert wie in den letzten zehn Jahren. Das Verbot von Fric mitten in der Saison könnte das nächste Kapitel der Geschichte sein. Insgesamt 77 Regeln wurden seit 2005 neu eingeführt, abgeschafft oder modifiziert. 45 im Technischen Reglement, 32 im Sportgesetz.

Wir haben dabei nur die spektakulären Fälle herausgesucht. Sämtliche Verschärfungen der Crashtests sind nicht berücksichtigt, weil ausnahmslos sinnvoll. Würde man ins Detail gehen, sind es wahrscheinlich mehr als doppelt so viele Regeländerungen.

Formel 1-Reglement auf dem Prüfstand

Niki Lauda fordert von Bernie Ecclestone und der FIA, genau diese Reglementierungswut auf den Prüfstand zu stellen. "Wir sollten eine Liste mit den Regeln machen, die in den letzten zehn Jahren neu eingeführt oder umgeschrieben worden sind. Und dann müssen wir Regel für Regel prüfen, was uns das gebracht hat, welche Regel sinnvoll, welche sinnlos war."

Das klingt vernünftig. Jedenfalls besser als in einer Panikreaktion wieder alles über den Haufen zu werfen und einen Sport neu zu erfinden, der nicht neu erfunden werden muss. Wir wollen Ihre Meinung zu dem Thema wissen. Schreiben Sie uns und sagen Sie uns anhand der unten stehenden Liste der 77 Regeländerungen seit 2005 die Punkte, die Ihnen sinnlos erscheinen und die gestrichen werden müssten.

2005 Änderungen technisches Reglement

> Die Motoren müssen 2 GP-Wochenenden halten (statt einem)
> Der Frontflügel muss 15 cm hoch sein (statt 10 cm)
> Der Heckflügel muss 15 cm näher ans Auto rücken
> Der Diffusor darf maximal 12.5 cm hoch sein

2005 Änderungen sportliches Reglement

> Die Qualifikation besteht aus 2 Einzelzeitfahren, die addiert werden
> Reifenwechsel im Rennen sind verboten
> Teams ab Platz 5 in der Konstrukteurs-WM dürfen am Freitag ein drittes Auto einsetzen

2006 Änderungen technisches Reglement

> Motor mit 8 Zylindern und 2,4 Liter Hubraum (statt V10 und 3,0 Liter)

2006 Änderungen sportliches Reglement

> Qualifikation besteht aus einem K.O.-System in drei Portionen. Die Top Ten müssen mit der Benzinmenge starten wie zu Beginn von Q3
> Reifenwechsel sind wieder erlaubt

2007 Änderungen technisches Reglement

> Motordrehzahl maximal 19.000/min, Entwicklungsstopp

2007 Änderungen sportliches Reglement

> Das Freitagstraining dauert 2 mal 90 Minuten (statt 2 mal 60 Minuten)
> Bei einem Safety-Car bleibt die Boxengasse geschlossen, bis alle Autos hinter dem Safety-Car aufgereiht sind
> Einheitsreifen: Im Rennen muss jede Mischung wenigstens ein Mal zum Einsatz kommen
> maximal 14 Satz Reifen pro Fahrer und GP-Wochenende
> maximal 30.000 Testkilometer pro Team

2008 Änderungen technisches Reglement

> Einführung einer Standard-Elektronik. Traktionskontrolle adé
> Das Getriebe muss 4 GP-Wochenenden halten

2008 Änderungen sportliches Reglement

> Der Einsatz des Ersatzautos ist verboten

2009 Änderungen technisches Reglement

> Die große Aero-Reform mit 180 cm Frontflügelbreite (statt 140 cm)
> 75 cm Heckflügelbreite (statt 100 cm)
> 95 cm Heckflügelhöhe (statt 80 cm)
> 17.5 cm Diffusorhöhe im Zentrum, 12.5 cm außen
> Verbot von Winglets und Finnen auf der Verkleidung
> Rückkehr der Slicks
> Motordrehzahl maximal 18.000/min
> maximal 8 Motoren pro Fahrer pro Jahr
> KERS erlaubt, pro Runde 82 PS für 6,7 Sekunden

2009 Änderungen sportliches Reglement

> Boxengasse bei Safety-Car-Phase wieder geöffnet, dafür mit Countdownzeit ab der Neutralisation
> Maximal 15.000 Testkilometer und 20 Testtage
> Maximal 60 Windkanalstunden pro Woche, maximal 60-Prozent-Modelle, maximal 40 Teraflops Computerkapazität
> Sommerpause von zwei Wochen Pflicht

2010 Änderungen technisches Reglement

> Reifenbreite auf 245 mm (vorne) und 325 mm (hinten) beschränkt
> Mindestgewicht 620 kg (statt 605 kg)
> freiwilliger Verzicht auf KERS

2010 Änderungen sportliches Reglement

> Neues Punktesystem: 25-18-12-10-8-6-4-2-1 (statt 10-8-6-5-4-3-2-1)
> Verbot von Tankstopps
> 11 Reifensätze pro Fahrer und GP-Wochenende (statt 14)
> Maximale Leasingkosten für Kundenmotoren 9 Millionen Euro
> 15 Testtage (vor der Saison) + 3 (nach der Saison) à 1 Auto pro Team
> Überholen beim Re-Start nach Safety-Car-Phase ab Boxeneinfahrt (SC 1-Linie) erlaubt (statt Zielstrich)
> Maximal 47 Mitarbeiter pro Team an der Strecke

2011 Änderungen technisches Reglement

> Doppeldiffusor verboten. Maximale Diffusorhöhe über gesamte Breite 12.5 cm
> F-Schacht verboten
> Einführung DRS.-Klappflügel Im Training überall, im Rennen an einer ausgewählten Stelle
> KERS wieder erlaubt
> Mindestgewicht 640 kg (statt 620 kg)
> Gewichtsverteilung vorgeschrieben plus/minus 1 Prozent
> Das Getriebe muss fünf GP-Wochenenden halten

2011 Änderungen sportliches Reglement

> Stallorder erlaubt

2012 Änderungen technisches Reglement

> Chassishöhe Vorderachse 55 cm (statt 62.5 cm), damit Stufe in der Nase
> Auspuffposition in einem definierten Fenster im Bereich der Seitenkästen
> Spätzündung auf allen 8 Zylindern verboten

2012 Änderungen sportliches Reglement

> Renndauer mit Unterbrechung maximal 4 Stunden
> Bei Überholmanövern müssen beide Fahrer je eine Wagenbreite Platz lassen
> Zurückrunden hinter dem Safety-Car gestattet

2013 Änderungen technisches Reglement

> Verbot Doppel-DRS
> DRS-Einsatz im Training und im Rennen nur an ein bis zwei festgelegten Stellen erlaubt
> Mindestgewicht 642 kg (statt 640 kg)

2013 Änderungen sportliches Reglement

> Maximal 12 Testtage (statt 15)
> Maximal 60 Mitarbeiter an der Strecke

2014 Änderungen technisches Reglement

> Die große Motorenreform mit 1.6 Liter V6-Turbo, Direkteinspritzung und zwei Elektromaschinen MGU-K und MGU-H
> Benzindurchflussmenge maximal 100 Kilogramm pro Stunde
> Achtgang-Getriebe (vorher maximal 7 Gang)
> Maximal 5 Motoren pro Fahrer und Jahr
> Auspuffposition zentral im Heck, nur ein Auspuff
> Höhe Fahrzeugnase maximal 18,5 cm
> Frontflügelbreite 165 mm (statt 180 mm)
> Heckflügel maximal zwei Elemente (vorher drei)
> Mindestgewicht 691 kg (vorher 642 kg)> Brake-by-wire erlaubt
> Das Getriebe muss 6 GP-Wochenenden halten
> Einführung einer Standard-Seitencrash-Struktur

2014 Änderungen sportliches Reglement

> maximal 100 Kilogramm Benzin vom Start bis zur Zielflagge
> Doppelte Punkte zum Saisonfinale
> Einführung eines Strafpunkte-Katalogs: Bei 12 Punkten innerhalb von 365 Tagen ein Rennen aussetzen
> Startnummern-Vergabe auf Lebenszeit
> Verbot von Fric?

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