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Niki Lauda zwischen allen Fronten

"Lewis nicht happy - ich kann ihn verstehen"

Niki Lauda Dieter Zetsche Mercedes Foto: xpb 17 Bilder

Bei Mercedes ist Feuer unter dem Dach. Die Fahrer schweigen sich an. Der eine verdächtigt den anderen. Niki Lauda muss zwischen den Fronten vermitteln und erinnert sich dabei an sein eigenes Duell mit Alain Prost von 1984. "Ich habe Prost gehasst", sagt Lauda und versteht deshalb den Frust seiner Piloten.

25.05.2014 Michael Schmidt

Es knistert im silbernen Pavillon. Lewis Hamilton und Nico Rosberg schauten bei der Sieger-Pressekonferenz nach dem GP Monaco stur geradeaus. Blickkontakt vermieden sie. Geredet wird sowieso nur noch das Nötigste. "Ich bin schon froh, wenn die zwei am Morgen wenigstens noch Hallo sagen. Wenn das mal nicht mehr der Fall ist, kann die Situation außer Kontrolle geraten", warnt Niki Lauda und rückte sein rotes Kapperl gerade.

Keiner kann die beiden Mercedes-Piloten besser verstehen als der dreifache Ex-Weltmeister. Weil er sich mehr in die Psyche eines Rennfahrers hinein versetzen kann als ein Vorstand eines Autokonzerns, ein Teamchef oder ein Technikdirektor. "Was jetzt zwischen Lewis und Nico abläuft, ist völlig normal. Lewis ist mit Platz 2 nicht happy und beschwert sich über dies und das. Kann ich verstehen. Ich hätte in seiner Situation das Gleiche gesagt."

Rennfahrer können nicht Freunde sein

Hamilton hatte während des Rennen die Boxenstopp-Strategie seines Teams kritisiert. Er wollte die Safetycar-Phase nach dem Unfall von Adrian Sutil zu seinen Gunsten nutzen und vor Rosberg abgefertigt werden. "Die Spielregeln sind da simpel. Der Fahrer, der vorne liegt, wird als Erster reingeholt. Und das war Nico", erwiderte Lauda. Teamchef Toto Wolff wundert der verschärfte Wettbewerb in seiner Truppe nicht: "Was erwarten Sie? Wenn die zwei sich um die gleiche Frau streiten würden, wäre es auch nicht anders. Die beiden können nicht Freunde sein, auch wenn sie das am Saisonbeginn behauptet haben."

Lauda sieht die Spannungen zwischen seinen Fahrern als ganz normalen Prozess in einer Phase, in der zwei Piloten eines Teams um den Titel kämpfen. "Beide wollen das Gleiche. Es geht um viel. Lewis hat Nico Absicht unterstellt, als er sich in der Mirabeau-Kurve verbremst hat. Nico sagt, er hat einen Fehler gemacht, und er hat sich bei Lewis entschuldigt. Lewis wird jetzt drüber schlafen, mit seiner Nicole eine Party feiern und irgendwann einsehen, dass Nico die Wahrheit sagt."

Lauda als Mentor der Fahrer

Und wenn nicht? Dann will Lauda seine beiden Fahrer einzeln ins Gebet nehmen. "Ich bin ihr Mentor, weil ich ihre Sprache spreche. Mein Vorschlag an sie ist: Bringt euch auf den Stand vor dem Zwischenfall in der Qualifikation zurück." Der 65-jährige Österreicher kann auf seine eigene Erfahrung zurückgreifen. Er hat das gleiche 1984 mit Alain Prost bei McLaren erlebt. Überlegenes Auto, nur Prost und er kamen für den Titel in Frage.  "Ich habe den Prost auch nicht gerade geküsst", amüsiert sich Lauda, als er auf die neue Eiszeit zwischen seinen Fahrer angesprochen wird.

Dann geht er ins Detail. "Ich hatte nichts gegen Prost persönlich. Er war ein netter, aber komplizierter Kerl. Trotzdem habe ich ihn gehasst und überlegt, wie ich ihn schlagen kann. Er hat mich in der Qualifikation weggeblasen. Also habe ich mich aufs Rennen konzentriert und alle Informationen für mich behalten. Ich habe meinen Ingenieuren den Auftrag gegeben, dem Prost nichts mehr zu sagen. Sonst hätte er nur von meiner Erfahrung profitiert."

Hamilton und Rosberg mit allen Tricks

So weit sind Hamilton und Rosberg auch schon. Nur mit anderen Mitteln. Geheimhaltung ist heute praktisch nicht mehr möglich. Deshalb hielt sich Hamilton seinen Stallrivalen in Barcelona dadurch vom Leib, dass er in einen verbotenen Motor-Modus geschaltet hat, der mehr Leistung bringt. Der Engländer konterte sofort: "Das hat Nico in Bahrain so mit mir gemacht."

Rosberg hielt sein Briefing mit den Ingenieuren nach dem Abschlusstraining in Monte Carlo ohne Hamilton ab. Kleine Nadelspitzen, um den Gegner zu verunsichern.
Lauda sieht darin kein Problem: "Du musst ein Bastard sein, wenn du in der Formel 1 Erfolg haben wisst. Nette Jungs gewinnen nichts. Deshalb nutzen sie alle Tricks. Wenn zwei in einem Team um den WM-Titel kämpfen, ist es besonders schwierig. Weil sie notgedrungen den ganzen Tag zusammenhocken. Unser Glück oder Pech ist, dass wir zwei grundverschiedene Fahrer haben, die auf unterschiedlichen Wegen zum gleichen Resultat kommen. Lewis ist ein bis zwei Zehntel schneller, wenn es um die Chaosrunde im Training geht. Nico muss das mit mehr Arbeit kompensieren."

Wolff plädiert für ein offenes Rennen

Lauda hält aufgrund der Konstellation einen Unfall weiter für wahrscheinlich. Deshalb sagte er zu seinen beiden Streithähnen vor dem Start: "Ihr kämpft im Augenblick allein um den Titel. Von hinten droht keine Gefahr. Wenn ihr euch jetzt in die Kiste fahrt, mischt sich vielleicht doch noch ein Dritter ein." Sollten die Mercedes-Stars sich in der zweiten Saisonhälfte unerreichbar abgesetzt haben, wird auch das Risiko-Potenzial steigen. "Dann kannst du damit rechnen, dass es irgendwann einmal kracht."

Auch Toto Wolff plädiert für ein offenes Rennen. "Es gibt nur zwei Optionen. Stallregie oder frei fahren. Wir wollen sie ein offenes Rennen fahren lassen, obwohl wir wissen, dass es einmal in Tränen enden kann. Einbremsen würden wir sie nur, wenn ein anderes Auto direkt hinter ihnen liegt und davon profitieren könnte."

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