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Notstand mit Motoren

Montreal Prüfstein für Vettel

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 5. Juni 2014 Foto: xpb 136 Bilder

Sebastian Vettel kämpft gleich an zwei Fronten. Er will zusammen mit Red Bull die Lücke zu Mercedes schließen, und ihm drohen wegen der vielen Defekte bald Strafversetzungen in der Startaufstellung. Wie jetzt bekannt wurde, ging in Monte Carlo auch der Motor kaputt.

05.06.2014 Michael Schmidt

Montreal ist keine Red Bull-Strecke. Zu viele Geraden, zu wenig Kurven. "Wir müssen schauen, dass wir auf den Geraden nicht allzu viel verlieren, und das dann in den Kurven aufholen. Die Kurven in Montreal sind nicht ganz einfach. Da kannst du viel Zeit gewinnen und liegenlassen."

Der GP Kanada wird für Red Bull zu einer Art Standortbestimmung. Weil Renault nach weiteren Software-Eingriffen das erste Mal 100 Prozent Leistung von seinem Motor abfordern will, und weil der Kurs wie maßgeschneidert für Mercedes ist. "Hier werden wir sehen, wie weit wir wirklich weg sind", sagt Vettel, warnt aber auch: "Wir kämpfen gegen ein gutes Paket. Bei Mercedes ist nicht nur der Motor stark."

Red Bull fehlt Bremsstabilität

In Montreal zählen neben einem guten Top-Speed auch die Traktion und die Bremsstabilität. In der einen Disziplin ist Red Bull der absolute Maßstab, in der anderen gibt es Defizite. Bei der Traktion kommt es auf guten mechanischen Grip und das Ansprechverhalten des Motors an. Da hat Renault große Sprünge gemacht. "Aber Fahrbarkeit bezieht sich nicht nur auf die Beschleunigung", präzisiert Vettel. "Die spielt auch beim Bremsen mit rein."

Und genau da lag bislang das Problem des Renault-Motors. Der Zwischengas-Einsatz beim Runterschalten ist zu hart und zu unpräzise. Das macht das Auto in den Bremszonen nervös. "Beim Einlenken in die Kurven und beim Bremsen verlieren wir noch Zeit."

Vettels Zahlencode lautet: 3-3-3-3-2-4

Für Vettel ist die Saison 2014 auch ein Jahr der Defekte. "Bis jetzt hatte ich nur ein Wochenende ohne Probleme. Es ist immer etwas anderes kaputtgegangen. Das ist einerseits frustrierend, andererseits aber auch gut, weil es bedeutet, dass wir aus unseren Fehlern lernen. Keiner tritt zwei Mal auf."
 
Der aktuelle FIA-Report über die bislang verbrauchten Bauteile der einzelnen Antriebseinheiten sieht für Vettel ziemlich düster aus. Er hat bereits drei Motoren, drei Turbolader, drei MHU-K, drei MGU-H und vier Steuereinheiten im Einsatz gehabt. Nur auf der Batterieseite steht eine 2. "Wenn man es realistisch einschätzt, stehen wir nicht rosig da. Es ist für uns bereits Routine geworden, dass wir am Sonntagmorgen das Getriebe runterschrauben, um irgendetwas auszutauschen. Da passieren natürlich auch Fehler. Was man verstehen muss. Unsere Jungen gehen auf dem Zahnfleisch."

Motor nach nur 120 Kilometern Totalschaden

Vettel sieht die drohenden Strafversetzungen in der Startaufstellung fatalistisch: "Wenn es so weit kommt, werden wir in den sauren Apfel beißen. Ich hatte in Barcelona ja schon einen Vorgeschmack darauf bekommen." Da musste der Weltmeister wegen eines Getriebewechsels fünf Startplätze zurück.
 
Inzwischen wurde bekannt, dass Vettels Ausfall in Monte Carlo ein größeres Loch in das Ersatzteillager geschlagen hat. Es gingen nicht wie zunächst gedacht nur die MGU-H und der Turbolader kaputt. Trümmer der gebrochenen Laderwelle wurden vom Motor angesaugt. Das Triebwerk, das nur 120 Kilometer alt war, ist ein Totalschaden. Selbst Vettel blickt nicht mehr durch, welcher Motor in Montreal zum Einsatz kommt. "Ist es der vierte oder einer der ersten beiden, die noch im System sind?" Renault-Einsatzleiter Remy Taffin gab die Antwort: "Er bekommt einen neuen Motor - den vierten für diese Saison."

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