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Nur 2015er Motoren von Ferrari

Der letzte Warnschuss von Red Bull

Toro Rosso - Renault V6 - Formel 1 - GP Russland - Sochi - Mittwoch - 7.10.2015 Foto: ams 61 Bilder

Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat einen letzten Warnschuss abgefeuert. Ende Oktober will er entscheiden, ob Red Bull in der Formel 1 bleibt oder nicht. Wer zwischen den Zeilen liest, bekommt den Eindruck, dass ein Ausstieg das wahrscheinlichere Szenario ist. Und genau so war es gewollt.

08.10.2015 Michael Schmidt

Dietrich Mateschitz hielt sich lange bedeckt. Der Red Bull-Chef hat auf der österreichischen Website "Speedweek" jetzt erstmals über das Motorenproblem von Red Bull gesprochen. Dass er Motoren für 2015 bekomme, aber nicht die, die er sich wünsche. Dass die Formel 1 für Red Bull nur Sinn mache, wenn man siegfähig sei. Dass sich immer deutlicher zeige, dass die Hybrid-Formel ein Fehler ist.

Mateschitz hatte sich in den letzten Tagen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne getroffen. Der hatte für den Softdrink-Zar keine guten Nachrichten bereit. Red Bull und ToroRosso können Ferrari-Motoren haben, aber nur die 2015er Version. Damit hat sich Technikchef James Allison mit seinen Argumenten durchgesetzt. Er warnte die Teamleitung vor den Folgen, sollte die Motorenabteilung gezwungen sein, alle Kunden mit den 2016er Motoren zu versorgen. Das könnte die Motortentwicklung hemmen und Ferrari im Wettlauf mit Mercedes zurückwerfen.

Schluckt Red Bull die Kröte oder hört auf?

Marchionne ließ den Red Bull-Chef wissen, dass es in diesem Punkt keinen Verhandlungsspielraum mehr gibt. Worauf Mateschitz die Wahl hat: Entweder die Kröte schlucken oder aufhören. Zwischen den Zeilen lässt der Mann, der zwei Formel 1-Teams besitzt, durchblicken, dass ein Ausstieg das wahrscheinlichere Szenario ist. Die Entscheidung darüber soll Ende Oktober fallen. "Ich finde es gut, dass Dietrich eine Deadline gesetzt hat", erklärt Ricciardo am Donnerstag (8.10.2015) in Sochi. "Wir müssen endlich wissen, was wir tun können. Wir können nicht bis Weeihnachten mit dem Design des Autos warten."

Warum gibt sich Mateschitz so viel Zeit zum Nachdenken? Die Fakten liegen auf dem Tisch. Er könnte genauso gut morgen schon den Stecker ziehen. Es kann nur einen Grund für die Frist in drei Wochen geben geben. Es ist ein Warnschuss, ein Ultimatum und ein Weckruf an die Entscheidungsträger in der Formel 1. An Ferrari und Mercedes, an Bernie Ecclestone, an FIA-Präsident Jean Todt, verbunden mit der Frage: Wollt ihr wirklich, dass zwei gesunde Teams verschwinden? Und dem Auftrag: Lasst euch eine Lösung einfallen.

Möglicherweise hofft der Red Bull-Chef darauf, dass sich der Mercedes-Vorstand doch noch erweichen lässt. Muss der sich nicht fragen: Was bringen die schönen Siege, wenn sich der Sport der Lächerlichkeit preisgibt und zwei Teams verliert? Mercedes tut derzeit alles, um seine Gegner bei Laune zu halten. Man stimmt der Ausweitung der Motorentwicklung zu, obwohl es gegen die eigenen Interessen geht. Man bietet Renault eine Kooperation an. Man versorgt das Schlusslicht Manor mit Motoren. Was wäre dann gewonnen, wenn man Red Bull sterben lässt?

Scheitern zwingt FIA zum Umdenken

Mateschitz spielt mit der Sorge von Mercedes, dass die schöne Plattform Formel 1 beschädigt werden könnte, wenn sie zwei Teams verliert. Und der Angst der Rechteinhaber, die um den Wert ihrer Aktie fürchten müssen. Sie würde so einbrechen wie die von Volkswagen nach dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals.

Mateschitz will mit seiner versteckten Drohung aber auch die FIA zum Umdenken zwingen. Das Motorenformat ist gescheitert, wenn die Motorenhersteller bestimmen können, wer gute und wer weniger gute Motoren bekommt. Red Bull hat sich die Suppe zwar selbst eingebrockt, doch das Grundproblem bleibt. Kein Hersteller, der mit einem eigenen Rennstall am Start steht, wird einem potenziellen Siegerteam einen gleichwertigen Motor geben. Was Red Bull jetzt erlebt, kann in Zukunft jedem passieren.

Das ist offenbar auch Jean Todt klar. Man hört, dass der FIA-Präsident zum ersten Mal über eine Modifikationen des Motorenformats nachdenkt, ohne dabei die Effizienzformel aufzugeben. Der gordische Knoten ist nur dann aufzulösen, wenn die Technik wieder für alle beherrschbar und die Unterschiede zwischen guten und schlechten Motoren nicht mehr so groß sind wie im Augenblick. Das könnte Red Bull zum Weitermachen bewegen, auch zu dem Preis, dass sie 2016 mit 2015er Ferrari-Motoren fahren müssten.

Und was sagt Ricciardo zu einem möglichen 2015er Motor? "Es kommt ganz darauf an, wie gut Ferraris Spezifikation für 2016 wäre. Aber wenn wir nur 20 PS hinter der Konkurrenz wären, wäre es schon viel besser als in diesem Jahr." Einen Plan B hat der Australier noch nicht in der Schublade: "Ich denke im Moment noch positiv und hoffe, dass wir etwas Anständiges erhalten werden. Falls es Ende Oktober düster wird, werde ich meine Augen und Ohren offen halten." Trotz der Misere ist Ricciardo immer noch zu scherzen aufgelegt. "Ich habe mir ein paar Immobilien in Las Vegas angeschaut. Also kaufe oder miete ich vielleicht was, wenn ich nicht Rennen fahre. Aber Spaß: Ich bin noch zu jung, um auf der Couch zu sitzen."

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