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Offiziell - Vettel löst Alonso ab

So erklärt Sebastian Vettel den Wechsel zu Ferrari

Sebastian Vettel & Kimi Räikkönen - Formel 1 2014 Foto: xpb 93 Bilder

Sebastian Vettel ist seit Donnerstag (20.11.2014) nun endlich auch offiziell ein Ferrari-Pilot. Der Deutsche unterschrieb einen 3-Jahres-Vertrag bei den Italienern. Im Interview mit auto motor und sport spricht der ehemalige Red Bull-Pilot erstmals offen darüber, wie er den Weg zur Scuderia gefunden hat, was die Anziehungskraft von Ferrari ausmacht und welche Herausforderungen ihn in Maranello erwarten.

20.11.2014 Michael Schmidt
Wie fühlt es sich an, ein Ferrari-Fahrer zu sein?

Vettel: Der Faszination Ferrari kann sich kein Rennfahrer entziehen. Ferrari ist der Mythos schlechthin. Man kann sich in jedes Straßenauto setzen, aber ein Ferrari ist etwas Besonderes, ein Auto, das lebt, das eine Seele hat. Ich wünsche mir natürlich, dass dieses Gefühl in einem Formel 1-Auto mindestens genauso gut wird.

War diese Faszination für die Marke schon da, als Sie noch Kart gefahren sind?

Vettel: Mit Sicherheit war das zu der Zeit schon da, was damit zusammenhängt, dass Michael Schumacher mein Vorbild ist und ich immer zu ihm aufgeschaut habe. Michaels Jahre bei Benetton habe ich irgendwie mitbekommen, aber als ich ernster im Kartsport drin war und mich mehr mit der Sache auseinandergesetzt habe, war der Michael immer im roten Auto unterwegs, mit dem Team, das er sich geformt und auf die Siegerstraße geführt hat. Das hat die erste Faszination ausgelöst. Der Reiz, mit so einem Auto mal zu fahren und erfolgreich zu sein, war der entscheidende Punkt für meinen Wechsel.

Wie fand der erste Kontakt zu Ferrari statt? Angeblich mit einem Autokauf?

Vettel: Die ersten Kontakte gab es schon vor Jahren. 2008 habe ich mit dem damaligen Rennleiter Stefano Domenicali über eine potenzielle gemeinsame Zukunft gesprochen. Zu dem Zeitpunkt war das natürlich noch Zukunftsmusik. Für mich stand im Vordergrund, die Chance wahrzunehmen, die mir Red Bull gegeben hatte, und ihnen auch treu zu sein. Dass es mit vier Titeln so aufgeht, hatte damals niemand auf dem Schirm. In der Zwischenzeit habe ich den Kontakt zu Ferrari immer aufrecht gehalten. Man bekämpft sich auf der Strecke, schätzt sich aber außerhalb. Mit dem Autokauf und dem Gespräch mit Präsident Montezemolo wurde etwas durcheinander gebracht. Es gab ein Treffen mit Montezemolo. Der primäre Grund waren Gespräche über eine gemeinsame Zukunft. Nebenbei habe ich ihn wegen des Kaufs eines Autos gefragt.

Zum Schluss war der Transferpoker wie ein Krimi. Hatten Sie immer den Überblick und war es schwierig, das geheim zu halten?

Vettel: Was die Geheimhaltung angeht, war das nicht so schwierig. Ich habe ja keinen Manager, der irgendetwas ausplappern könnte. Wenn man den Kreis der Mitwisser klein hält, gibt es auch kein Problem. Wenn man so blöd ist und setzt sich am Samstagnachmittag an der Rennstrecke zusammen, muss man sich nicht wundern, wenn spekuliert wird. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, sich anonym und privat zu treffen. So schießt man sich auch kein Eigentor. Nach der mageren Ausbeute der ersten Saisonhälfte war klar, dass die Möglichkeit besteht, Red Bull zu verlassen. Das hat dann schon tiefere Gespräche erlaubt. Das Interesse von Ferrari war da, der Kontakt auch. Es gibt nie den perfekten Absprung, aber der Zeitpunkt war alles in allem richtig.

War es schwer, Red Bull abzusagen?

Vettel: Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen. Es ist ja nicht so, dass ich mich mit dem Team zerstritten hätte. Ich bin über die letzten 15 Jahre mit Red Bull groß geworden und kann mich sehr gut mit der Marke identifizieren. Mir sind sehr viele Leute ans Herz gewachsen. Deshalb war es ein extrem schwieriger Schritt. Aber der Reiz etwas Neues zu beginnen, war größer. Deshalb war es eine aktive Entscheidung pro Ferrari, und nicht gegen Red Bull.

Wären Sie bei Red Bull geblieben, wenn es die Ausstiegsklausel nicht gegeben hätte?

Vettel: Ich hätte auf jeden Fall meinen Vertrag erfüllt. Aber die Option bestand ja, und deshalb habe ich sie wahrgenommen. Es ist nicht so, als hätte ich mich da rausgeboxt oder rausgestohlen. Wenn das Szenario so gewesen wäre, dass ich mich nicht mehr wohl gefühlt und die Schnauze voll gehabt hätte, dann hätten wir wahrscheinlich über alles reden können. Ich denke, Red Bull und ich haben eine so gute Beziehung, dass das möglich gewesen wäre.

Aber ohne Alonso wäre es nicht gegangen. Er musste erst einmal die Entscheidung treffen, seinen Platz zu räumen?

Vettel: Ich kenne da keine Details, aber ich glaube er hat einen langfristigen Vertrag. Wenn er ihn wahrgenommen hätte, wäre kein Platz für mich freigeworden.

Haben Sie schon mit Alonso darüber geredet?

Vettel: Nein.

Sprechen Sie zu Saisonbeginn 2015 Italienisch?

Vettel: Es hilft mir, dass ich in der Schule Französisch gelernt habe. Dadurch verstehe ich die Wörter besser. In meiner ToroRosso-Zeit habe ich so ein bisschen Italienisch gesprochen, in den letzten Jahren aber auch wieder einiges verlernt. Ich kann kein Versprechen abgeben, wie gut meine Italienisch-Kenntnisse Anfang Februar sein werden, aber ich denke die Sprache gehört irgendwie dazu.

Die Aufgabe bei Ferrari wird nicht einfacher als bei Red Bull?

Vettel: Mir ist bewusst, dass mir bei Ferrari eine große Aufgabe bevorsteht, die auch Zeit braucht. Gerade in einer Zeit, in der Mercedes einen sehr großen Wettbewerbsvorteil hat. Die einfachste Entscheidung für mich wäre es gewesen, dort zu bleiben, wo ich bin. Bei Red Bull kenne ich das Team, die Leute, die Schwächen die Stärken, da weiß ich das Projekt für die nächsten Jahre abzuschätzen. Jeder Wechsel woanders hin ist ein Schritt ins Ungewisse, deshalb auch ein Risiko. Aber ich habe mir die Entscheidung gut überlegt. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dort erfolgreich sein zu können, hätte ich es nicht gewagt. Die Chance die ich bei Ferrari sehe und die Möglichkeit gemeinsam mit dem Team etwas aufzubauen, stimmt mich zuversichtlich.

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