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Optionales Budget-Limit

FIA stiftet nur Verwirrung

Max Mosley Foto: Daniel Reinhard 22 Bilder

Es war eine Machtdemonstration des Weltverbands: Erst kommt ein neues WM-Wertungssystem, 2010 dann der optionale Budget-Deckel. Die FIA-Maßnahmen hinterlassen allerdings nur Kopfschütteln.

20.03.2009 Michael Schmidt

Zwölf Tage vor Saisonbeginn den Modus der Titelvergabe zu ändern ist ein Anschlag auf den Sport. Es war ein Zugeständnis an die Medaillen-Idee von Bernie Ecclestone. Die Parallelwertung mit Siegen statt Punkten als Maßstab für die Titelvergabe stiftet nur Verwirrung und richtet sich gegen alle Umfragen. Auch nach der Entscheidung laufen die Fans Sturm. Knapp 90 Prozent der auto-motor-und-sport.de-Leser kritisieren nach einer aktuellen Umfrage den neuen Modus.

Budgetdeckel ja - aber nicht so

2010 kommt es noch schlimmer. Nichts gegen die Eindämmung der Kosten durch eine Budgetdeckelung. Sie ist das einzig wirksame Mittel, die Situation in den Griff zu bekommen und die Finanzkrise unbeschadet zu überstehen. Sie ist der einzige gangbare Weg, aus Motorsport ein Profit Center zu machen. Und sie nimmt denen die Argumente aus der Hand, die mit einem Ausstieg liebäugeln, weil sie ihre Ausgaben nicht mehr rechtfertigen können. Teams und Hersteller, die das ablehnen, sind da auf einem Auge blind.

Max Mosleys Plan, die Budgets zu begrenzen und innerhalb dieses Rahmens technische Freiheit zuzulassen ist also richtig. Doch es den Teams freizustellen, entweder Budgetkürzungen zu akzeptieren und dafür ein paar Geschenke in Bezug auf die Aerodynamik und den Motor zu bekommen oder weiter streng reglementiert zu entwickeln ist ein klassisches Eigentor. Wer soll das verstehen? Der eine fährt mit 18.000/min, der andere mit 20.000/min.

Teure Gehälter verkleinern Spielraum

Es macht einen komplizierten Sport noch komplizierter. 80 Prozent der Teams werden nach den alten Regeln weiterfahren, weil sie mindestens einen Fahrer an Bord haben, der viel Geld kostet. Damit bleibe bei einer Deckelung auf 33 Millionen Euro nicht mehr viel Geld übrig, um die Autos zu entwickeln. Was nützt die technische Freiheit, wenn man sie nicht nutzen kann? Es wäre besser gewesen, die Budgetgrenze schrittweise einzuführen. Fahrergehälter hätten erst eingeschlossen werden sollen, wenn all bestehenden Verträge ausgelaufen sind. Oder man separiert sie von vornherein und begrenzt die Ausgabengrenze rein auf die Technik.

Dass die guten Fahrer für die guten Teams fahren, war immer schon so. Sie verdienen soviel, wie der Markt hergibt. Wenn die Krise weitere Kreise zieht, werden sich die Herren Alonso, Räikkönen und Hamilton ganz automatisch entscheiden müssen: Entweder sie akzeptieren eine Gehaltskürzung oder sie gehen in Rente. Jenson Button und Rubens Barrichello sind das beste Beispiel. Sie verzichten auf einen Teil der Gage, weil nun nicht mehr Honda ihr Arbeitgeber ist, sondern ein privat geführtes Team. Weil jetzt nur noch 160 statt 400 Millionen Euro Budget zur Verfügung stehen.

Hersteller: Rückzug als Alternative

Der vergangene Mittwoch markiert eine erneute Kehrtwende in der FIA-Politik. So wie der Verband die Regeln im Handstreich ändert, kann kein Team, kein Hersteller planen. In Kreisen der Automobilkonzerne wird nun nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand über einen Rückzug nachgedacht. Das Szenario, dass Ende des Jahres BMW, Mercedes, Renault und Toyota gemeinsam die Bühne verlassen, ist inzwischen mehr als nur ein Schreckgespenst. Auch Ferrari ist sauer. Einer aus der Formel 1-Szene argwöhnt: "Vielleicht will Mosley ja die Hersteller vertreiben."

Der Beschluss des FIA-Weltrats hat wenig mit Vernunft zu tun. Es war eher eine Machtdemonstration als Antwort auf die Sparpläne der Teams. Deren Vorschläge sind zwar auch nicht das Ei des Kolumbus, aber noch lange kein Grund, aus Prinzip alles auf den Kopf zu stellen, nur um zu zeigen, wer der Herr im Hause ist.

Die Teamvereinigung FOTA hat in einem Schreiben ihre Enttäuschung über die FIA-Beschlüsse ausgedrückt, hält sich aber mit offener Kritik zurück. Auch bei den Teams hört man nur inoffizielle Klagen. Das ist klug. Jeder Streit gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Die Formel 1 braucht mehr denn je eine ruhige, spannende Saison. Wenn jetzt ein politischer Streit vom Sport ablenkt, schaufelt sie sich ihr eigenes Grab.

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